Das liebe Gold
oder
Einige Gedanken zum Goldstück in Midgard - Teil III

Hallo Dogio!

Wenn auch etwas spät, möchte ich auch meinen Kommentar zu den Fragen (MD90) des Geldes in Midgard loswerden:

Goldstücke, Gewichte etc.:

Es ist schon klar, daß die Charaktere möglichst leichte Goldmünzen bevorzugen. Aber man muß sich eines klar machen: Eine Goldmünze (auch eine aus Gold-/Silberlegierung) mit einem Gewicht von 10g erreicht in etwa die Größe einer 1Pf-Münze, ist also ziemlich klein (Gold hat ein hohes spezifisches Gewicht und das von Silber ist auch nicht zu verachten)! Leichtere Münzen müßten also noch kleiner werden, was aber (mittelalterliche Herstellungstechniken vorausgesetzt) zu erheblichen Problemen bei der Produktion der Münzen führen dürfte. Bei meinen Kampagnen tendieren Goldmünzen sogar eher zu einem Gewicht von einer Unze, also ca. 30g, so daß 10.000GS dann 300kg wiegen (und das auch sollen)! Dagegen helfen nur folgende (oder ähnliche) Hilfmittel :

  1. Lasttiere für den Transport.
  2. In zivilisierten Gegenden mit guter und verläßlicher Handels- oder Bankenstruktur können Kreditbriefe (oder Banknoten) das Gewichtsproblem reduzieren (was natürlich auch den Diebstahl erleichtert). Allerdings findet man selten unter Schätzen solcherlei transportables Gold!
  3. Einführung von Münzen aus wertvolleren Materialien (z.B. Mithril), welche dann beim Gewicht einer Goldmünze 5, 10, 20 oder noch mehr Goldstücke wert ist.
  4. für den SL: Schätze bestehen nicht nur aus Goldstücken, sondern z.B. aus wertvollem Geschmeide, Edelsteinen oder anderen Fundstücken, deren wahrer Wert sich nicht sofort erschließt.
  5. für den SL: Belohnungen für ein Abenteuer müssen ja auch nicht unbedingt in bahrer Münze (oder anderem transportablem Gut) bestehen. Die einfachste Lösung sind kostenlose oder kostenverminderte Lernmöglichkeiten für die Abenteurer. Andere Belohnungen könnten ja auch aus ideellen Werten bestehen (Titel, Orden oder einfach nur ein Ruf in der Gegend), die mehr wert sein können, als jede materielle Belohnung.

Alte Goldstücke:

Ich persönlich finde, daß in einem Münzsystem, daß im wesentlichen auf dem Materialwert der Münzen beruht, ein Wertverlust von 50% nur durch das Alter derselben zu hoch erscheint. Allerdings gibt es Faktoren, die einen solchen Wertverlust (und noch weit höhere) durchaus realistisch erscheinen lassen können. Daher sollte sich der SL folgende Gedanken über den Münzfund machen:

  1. Aktuelle Münzen werden durch Regierungen geprägt, die im Normalfall recht rigide gegen Fälschungen und Verfälschungen ihrer Münzen reagiert, was meist recht letale Folgen für den Täter hat. Es ist daher recht unwahrscheinlich unter solchen Münzen falsche zu finden.
  2. Auch alte Münzen, die zum Teil 1.000 und mehr Jahre alt sein können, mögen unter dem Schutz der aktuellen Regierung stehen. Sie stammen dann meist aus dem selben Gebiet und wurden u.U. von einem Vorgänger des heutigen Potentaten geprägt. Mit unter sind hier aber geringe Abstriche in der Bewertung zu machen (z.B. werden sie von einfachen Händlern oder Handwerkern nicht angenommen und müssen gegen eine Gebühr beim Geldwechsler in aktuelle Münzen umgetauscht werden-Verluste bis zu einem Fünftel sind da keine Seltenheit-, oder die betroffenen Händler sagt, daß er seine Ware nur dann gegen die alten Brombachtaler verkaufe, wenn der Käufer ein paar weitere dazulege)
  3. Dann gibt es Münzen, von denen bekannt ist, daß Herrscher sie haben umschmelzen lassen (meist mit einem höheren Silberanteil), um zu mehr Gold zu kommen, sei es in Vergangenheit oder Gegenwart. Hier kann der SL praktisch jeden beliebigen Umtauschwert festlegen, denn der tatsächliche Wert einer Münze liegt ja im Vertrauen der Bevölkerung in deren Reinheit. So kann es tatsächlich dazu kommen, daß eine Münze weniger einbringt, als es ihrem Materialwert entspricht (Der Schatz könnte z.B. aus einer Zeit stammen, bevor das Königshaus XYZ den zu kleinen Staatsschatz durch wundersame Goldvermehrung aufbesserte).
  4. Außerdem kann es sein, daß bestimmte Münzen, die von den Abenteurern gefunden werden, in der Gegend, wo sie ausgegeben werden sollen, gänzlich unbekannt sind. Hier könnte man allenfalls versuchen, sie bei einem Goldschmied als Material zu veräußern, was ebenso wie der Verkauf von Edelsteinen eine Sache des Vertrauens und der Verhandlungsgeschicks ist.

Edelsteine:

Wertvolle Steine als Währung ist so eine Sache. Zum einen sind sie meist so wertvoll, daß man sie für das tägliche Leben kaum verwenden kann (man stelle sich vor: Beim Bäcker für drei Laibe Brot einen Rubin von 100GS Wert zücken zu wollen und zu erwarten, daß der gute Mann mal so eben herausgeben kann). Und da die meisten Bewohner einer Spielwelt genauso viel Ahnung von den Edelsteinen haben, wie der durchschnittliche Abenteurer, nämlich keine, bleibt nur der Weg des ständigen Umtauschens bei Juwelieren und anderen Professionen, die mit wertvollen Steinen etwas anfangen können (z.B. Magier oder Beschwörer). Und dabei kann man immer beschissen werden!

Außerdem besitzen die Dinger natürlich nicht überall den selben Wert, wie ein simples Beispiel zeigen dürfte: In Land A glaubt man an den Gott Ax, dessen geheiligter Stein der Ay ist, und in dem der Stein By als Unglücksbringer gilt. Irgendwo anders befindet sich das Land B, wo man die Göttin By verehrt, die immer mit einem By dargestellt wird, und die die Widersacherin des Gottes Bz ist, dessen Symbol der Stein Ay ist. Nun kauft die Gruppe in A einige Steine Ay für insgesamt 1.000GS. Später reist sie nach B und kommt dort in Geldschwierigkeiten. Also versucht sie, ihre Ay-Steine zu verkaufen, was ihr allerhöchstens einige wenige Goldstücke einbringen dürfte (u.U. aber die Verfolgung als schwarze HexerInnen, wegen der üblen Steine).

Bei dieser Herangehensweise kann allerdings eine gewiefte Abenteurergruppe auch große Gewinne einheimsen, was ein SL bedenken sollte, bevor er die Preisdifferenz von wertvollen Steinen in unterschiedlichen Regionen der Spielwelt zu hoch ansetzt. Bei halbwegs vernünftigen Handel in der Welt nivellieren sich die Differenzen in geringen Entfernungen (was nun gering ist, muß jeder SL selber entscheiden) sowieso, aber der Fernhandel dürfte lukrativ (und sehr risikoreich) bleiben.

Und zum Thema Taschendiebstahl:

Wenn ein Abenteurer meint, 100GS und mehr auf einen Stadtrundgang mitzunehmen, dann können sie auch geklaut werden, auch wenn der Beutel dann mehrere Kilo wiegt (wofür braucht man eigentlich soviel Gold, um "durch die Stadt zu ziehen"?). Ich bin da der Meinung: Es wird immer ein Behältnis als ganzes geklaut (also hier der Beutel mit den 100GS). Und das geht im Gedränge eines Marktes schon recht gut (z.B. drei Diebe arbeiten zusammen-erfolgreiche Taschendiebe arbeiten immer in Gruppen-, einer schneidet den Beutel ab, gibt ihn sofort an einen zweiten und der legt ihn in den Korb eines Dritten-binnen weniger Sekunden ist das Gold außer Reichweite der Abenteurer, die zwar Zeter und Mordio schreien können, aber kaum eine Chance haben dürften, das Gold wieder zu sehen-erfolgreicher Taschediebstahlswurf vorausgesetzt). Der SL mag ja bei großen, schweren oder sperrigen Gegenständen happige Mali auf den Versuch eines Diebstahls geben, aber nichts verhindert einen Versuch wirklich endgültig! Z.B. läßt sich der Söldner der Gruppe möglicherweise so sehr durch eine Gruppe tanzender Mädchen ablenken, daß er seine Hellebarde an die Wand lehnt und begeistert Beifall klatscht. Als er nach Beendigung der Aufführung nach der Waffe greift, ist diese verschwunden...)!

Man sieht, dieser 20-Münzenbeutel macht durchaus Sinn und wenn er nur dazu dient, potentiellen Langfingern ein Ziel zu bieten, um sie von den am Körper oder in Geldgürteln versteckten Reichtümern (z.B. auch Edelsteinen) abzulenken. Ansonsten empfiehlt es sich, alles Gold in der Unterkunft zu lassen, die immer von mindestens einer Person bewacht wird (das setzt natürlich Vertrauen innerhalb der Gruppe voraus) und nur soviel mitnehmen, wie man benötigt. Bei geplanten größeren Ausgaben (z.B. Kauf von Waffen oder Häusern) sollte man das Geld zentral bei einer Person oder auf einem Lasttier behalten, die oder das dann von allen gemeinsam bewacht wird. Das verhindert zwar keine gewaltsamen Raubüberfälle, verringert aber die Verluste durch Taschendiebstähle!

So, daß war mehr, als ich ursprünglich gedacht habe, aber ich hoffe, es hilft weiter...

Jürgen Ackers

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