Die Charakterklasse Priester
Einige Überlegungen

Regeländerungen für Priester
Bisher sind Priester in unserem Rollenspielsystem zu wandelnden Apotheken degradiert worden oder aber einfach nur eine andere Art von Zauberern gewesen. Das wird weder der Rolle des Priesters gerecht, noch spiegelt es den Stellenwert wieder, den eine solche Persönlichkeit in einer Fantasygesellschaft innehaben müßte, in der oft noch persönliche Erfahrungen den Glauben an die Götter prägt.
Priester sollten nicht Wunder wirken, wie irgendein Zauberer zaubert. Sie sollten auch nicht nebenbei noch zaubern können, als wären sie nur ein Zauberer.
Priester können durchaus ein paar Zaubertricks auf Lager haben, mit denen sie ihre Gemeinde oder zu bekehrende Ungläubige beeindrucken können. Hier ein diffuses Licht, das um die Statue der Gottheit spielt, dort eine Stimme, die von ihrem Abbild her ertönt machen schon echt was her. Das sind aber nur Spielereien im Vergleich zu richtigen Wundern.
Wunder müssen wesentlich mächtiger sein, als Zauber, die von einfachen Sterblichen gewirkt werden. Schließlich sind Wunder der direkte Ausdruck göttlicher Kraft. Dementsprechend müssen sie auch schwieriger zu erreichen sein, denn göttliche Kraft sollte den Göttern vorbehalten bleiben und nicht einmal ihren ergebenen Dienern zur freien Verfügung stehen!
So muß der Priester die Gunst seines Gottes erwerben, damit dieser sich entscheidet, für seinen Diener tätig zu werden. Spieltechnisch heißt das: Der Priester sammelt göttliche Gnade durch gottgefälliges Verhalten und kann diese einsetzen, wenn er seinen Gott um ein Wunder bittet. Der Erfolgswurf Göttliche Gnade wird mit der Größe des Wunders negativ modifiziert. Hier kann als Richtlinie die Stufe eines entsprechenden Zaubers aus dem Regelbuch verwendet werden. Natürlich müssen Priester leichter und öfter an göttliche Gnade kommen, als andere Spielfiguren.


© by Stephanie Radons (mehr Bilder)
Gelingt der Erfolgswurf Göttliche Gnade, so ist der Gott normalerweise geneigt, seinem Diener zu helfen. Mißlingt er, hat der Gott gerade keine Lust, keine Zeit oder ist gar sauer auf seinen Priester. Den Erfolgswurf führt der Spielleiter verdeckt aus und modifiziert ihn nach eigenem Gutdünken. Dabei muß er natürlich immer Gesinnung und Ziele des Gottes im Auge behalten.
Der Priester kann ganz gezielt um ein bestimmtes Wunder bitten – heile die Wunden dieses Mannes, banne das Gift, das diese Frau sonst töten wird, heile die Krankheit dieses Kindes, etc. Er kann aber auch seinem Gott die Entscheidung überlassen, wie er eingreifen will – hilf mir Herr, schütze mich, gib mir Kraft, sind Aufforderungen, die der Phantasie und Kreativität des Spielleiters viel Raum lassen.
Grundsätzlich entscheidet der Spielleiter – in der Rolle des Gottes – welches Wunder auf welche Art und Weise gewirkt wird. Der Priester kann sich nie sicher sein, ob er das erhält, worum er bittet. Er kann gar nichts bekommen, mehr, weniger oder ganz etwas Anderes, je nachdem, wie sein Gott sich entscheidet. Allerdings sollte eines immer klar sein: Wunder unterliegen keinerlei Einschränkungen oder Regeln. Ein Gott kann alles bewirken, was er will – und er ist niemandem Rechenschaft schuldig!
Mangels Ideen kann der Spielleiter die Wirkung von Wundern natürlich anhand von Zaubern festlegen. Er sollte dabei aber immer im Auge behalten, daß Wunder etwas Besonderes sind und immer irgendwie auf denjenigen schließen lassen, der sie gewirkt hat. Sie sollten mächtiger sein, als normale Zauber, sollen aber ein Abenteuer nicht zerstören. Der Spielleiter kennt seine Kampagne / sein Abenteuer am besten. Er kann entscheiden, welchen Eingriff die Story verkraften kann und welchen nicht. Entscheidet er sich dagegen, dem Priester ein Wunder zu gewähren, hatte der entsprechende Gott eben seine Gründe dafür. Der Spielleiter muß ja nicht einfach nur sagen, daß auf die Bitte des Priesters nichts passiert. Vielleicht gibt der Gott seinem Priester ja ein Zeichen – Junge ich bin bei dir, aber im Moment geht das nicht so, wie du das gerne hättest. Eventuell bekommt der Priester ja auch eine andere Hilfe, als er sich erwünscht hat. Hier stehen dem Spielleiter alle Wege offen. Er entscheidet im Sinne der Gottheit und im Sinne des Abenteuers – und er ist niemandem Rechenschaft schuldig!
Grundsätzlich sollte es allerdings so sein, daß ein Priester, wenn sein Erfolgswurf göttliche Gnade gelingt, sein Wunder erhält, egal ob es nun das Wunder ist, das er erbeten hat, oder ein anderes. Anders herum sollte er sein Wunder auch nicht bekommen, wenn sein Erfolgswurf scheitert. Bei einem kritischen Erfolg sollte er die volle Aufmerksamkeit seines Gottes haben und so ziemlich genau das bekommen, was er sich wünscht. Bei einem kritischen Fehler hat er seinen Gott wahrscheinlich einmal zu viel angerufen und muß nun die Konsequenzen tragen!
Die Göttliche Gnade eines Priesters fällt niemals unter seinen momentanen Grad. Das soll simulieren, daß es einem Hohepriester leichter fällt, die Aufmerksamkeit seines Gottes zu erregen, als einem Novizen. Andererseits kann ein Novize, der lebt wie ein Heiliger, eher auf ein Wunder hoffen, als ein Hohepriester, der sich selbst für heiliger hält, als seinen Gott! Dies wird durch den Erwerb göttlicher Gnade. nachgeahmt.
Göttliche Gnade erhält ein Priester, indem er sich an die Regeln seines Kultes hält, indem er Ungläubige bekehrt, Gottesdienste abhält, Feinde seines Kultes bekämpft oder Questen für seinen Gott erledigt. Natürlich kann er auch göttliche Gnade verlieren, wenn er gegen die Regeln seines Kultes verstößt oder seinen Gott verärgert.
Der Spielleiter sollte mit der Vergabe göttlicher Gnade an Priester großzügig sein, damit sie einen größeren Handlungsspielraum haben und neben den anderen Spielfiguren, die aus eigener Kraft agieren können, nicht untergehen. Andererseits sollte er nicht zu viel Punkte verteilen, damit der Priester nicht alle fünf Minuten irgendein Wunder wirkt!

 

Magische Zaubertricks der Priester
Jeder Priester beherrscht neben seinen Wundern kleine Zaubertricks, die ihm den Umgang mit Gläubigen und Ungläubigen erleichtern und seine tägliche Arbeit einfacher machen. Diese Zaubertricks werden wie die Zauber des Regelbuches behandelt. Insbesondere erlernt und wirkt er die Zauber wie im Regelbuch beschrieben.


Alle anderen Priesterzauber aus den Regelbüchern werden mit Göttlicher Gnade gewirkt und unterliegen nicht den Regelmechanismen, wie sie für Zauberer gelten!
Die Götter sind sich durchaus bewußt, daß ihre Priester kleine Zauberkunststücke verwenden, um ihre Gemeinde zu täuschen. Solange dies im Sinne des Kultes geschieht, sind sie damit aber durchaus einverstanden – schließlich erspart ihnen das eine Menge Arbeit.
Sollte ein Priester diese Zauber jedoch mißbrauchen, kann er sicher sein, daß sein Gott Wind davon bekommt. Je nach Charakter und Temperament des Gottes, wird er dann entweder eingreifen und seinen Priester vor versammelter Gemeinde bloßstellen, ihn kurz darauf in einer stillen Stunde zur Rede stellen, oder seinen Diener einfach nur spüren lassen, daß er ihn im Moment nicht mag – hat da jemand um ein Wunder gebeten? Ich habe nichts gehört!

 

Charakterklassenbeschreibung

Name: Priester           Klassifizierung: anderer Kämpfer           Magiepunkte: wie Barde

Besonderheiten: Der Priester kann Wunder von seinem Gott erbitten. Hierzu muß ihm ein Erfolgswurf Göttliche Gnade gelingen, den der Spielleiter nach pflichtgemäßem Ermessen modifiziert.

Beispiele:

  • Das Wunder liegt voll und ganz im Interesse des Kultes, seine Auswirkungen und Erscheinungformen entsprechen dem üblichen Vorgehen des Gottes WM+8
  • Das Wunder steht den Interessen des Kultes nicht entgegen, die Art und Weise wird dem Gott selbst überlassen WM+2
  • Wie vorher, jedoch wird ein spezielle Wunder erbeten – WM+0
  • Das Wunder widerspricht den Interessen des Kultes, könnte aber mit den Zielen des Gottes vereinbar sein WM-8 (bei mißlungenem Erfolgswurf billigt der Gott die Vorgehensweise seines Dieners nicht und läßt ihn das auch spüren!)
  • Das Wunder widerspricht den Interessen des Kultes und ist auch mit den Zielen des Gottes nicht vereinbar Keine Chance! (Allein die Bitte darum kann für den Priester böse Konsequenzen haben.

    Bei der Festlegung der Modifikationen und der Konsequenzen eines mißlungenen Erfolgswurfes muß immer der Charakter der jeweiligen Gottheit beachtet werden. Ein gütiger, nachsichtiger Gott wird mit einem fehlgeleiteten Diener anders umgehen, als ein unnachsichtiges, rachsüchtiges Idol.
    Um den Wegfall der allgemeinen Zauberfähigkeit auszugleichen, werden für den Priester Rituale entwickelt, die ihm das Wirken bestimmter Wunder oder Tätigkeiten erleichtern. Einige Rituale sind für alle Priester zugänglich, andere sind kultabhängig.

    Um den Priester zum Ordenskrieger abzugrenzen, verliert der Ordenskrieger seine Fähigkeit, Magie zu wirken. Er kann, genau wie der Priester, seinen Gott um Wunder bitten, erhält hierbei aber nur seinen halben Grad als Minimum für seine Göttliche Gnade. Der Ordenskrieger kann die Rituale seines Kultes ebenfalls erlernen. Diese sind für ihn aber wesentlich teurer, als für einen Priester.

     

    Beispiele für allgemeine Rituale:


    Exorzismus: Dieses Ritual erleichtert es dem Priester, Kreaturen anderer Existenzebenen auf ihre Heimatwelt zu verbannen, Flüche und schwarze Magie zu zerstören und Lebewesen von Dämonen zu befreien.
    FP: für Priester - 400 pro WM+1
    Für Ordenskrieger – 800 pro WM+1
    Für andere – 2000 pro WM+1

    Zauber bannen: Dieses Ritual erleichtert dem Priester die Auflösung von Magie.
    FP: für Priester 200 pro WM+1
    für Ordenskrieger 400 pro WM+1
    für andere 1000 pro WM+1

    Heilung: Dieses Ritual erleichtert dem Priester jede Art von Heilzaubern, egal ob es sich um Wundheilung, Heilen von Krankheiten oder Heilung kritischer Schäden Handelt.
    FP: für Priester 400 pro WM+1
    für Ordenskrieger 800 pro WM+1
    für andere 2000 pro WM+1

    Untote bannen: Das Ritual erleichtert dem Priester das Verjagen oder die Zerstörung von Untoten. Priester von Todes- oder Chaoskulten können damit auch Untote unterwerfen und sich gefügig machen!
    FP: für Priester 500 pro WM+1
    für Ordenskrieger 1000 pro WM+1
    für andere 2500 pro WM+1

    Segnen: Das Ritual erleichtert es dem Priester, den Segen seines Gottes auf andere herabzurufen.
    FP: für Priester 100 pro WM+1
    für Ordenskrieger 200 pro WM+1
    für andere 500 pro WM+1

    Verfluchen: Dieses Ritual hilft dem Priester, Feinde seines Glaubens zu verfluchen.
    FP: für Priester 100 pro WM+1
    für Ordenskrieger 200 pro WM+1
    für andere 500 pro WM+1

    Schutz: Mit diesem Ritual erleichtert der Priester sich die Bitte um Schutzwunder wie Göttlicher Schutz vor Magie, zweite Haut, Geistesschild oder schwarze Zone.
    FP: für Priester 500 pro WM+1
    für Ordenskrieger 1000 pro WM+1
    für andere 2500 pro WM+1

    Man beachte, daß die erbetenen Wunder nicht unbedingt den Zaubern aus dem Regelbuch entsprechen müssen. Ins besondere steht den Opfern göttlicher Magie kein Resistenzwurf zu, es sei denn, sie sind selbst durch göttliche Magie geschützt.


    Anmerkung:
    Wir haben diese Regeländerungen noch nicht im Spiel erprobt; sie sind noch frisch. Alle Mitglieder unserer Gruppe sind jedoch der Meinung, daß der Priester durch diese Änderung den Stellenwert bekommt, der ihm im Rollenspiel zusteht. Die Charakterklasse wird dadurch sehr anspruchsvoll zu spielen und stellt eine echte Herausforderung dar - sowohl für den Spieler, als auch für den Spielleiter.
     

    md_tyrfi.gif Tyrfing, Sohn des Ahira
    Großmeister der Zauberschmiede & Erster Hüter der Eliwagar



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