Papa Caldron erzählt...

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Während Safran sich eifrig bemühte mir errainische Worte in meinen Kopf zu prügeln, strich die Landschaft gemächlich an uns vorüber. Langsam lernte ich auch meine Gefährten besser kennen. Obwohl es erst so erschien, als ob sie schon ewig miteinander herumgekommen wären, kannten sich auch Safran und Glomor erst kurze Zeit. Sie waren sich sozusagen bei Ihrem jetzigen Auftraggeber über den Weg gelaufen und hatten diesen Auftrag - wie ich - eher aus Geldnot, denn aus Begeisterung fürs Abenteuer akzeptiert.

Der Auftraggeber war die hiesige Kaufmannsgilde, die den beiden und potentiellen weiteren Mithelfern ein nicht zu verachtendes Sümmchen als Entgelt anboten. Das Glomor kurz vor der Abreise noch in Schwierigkeiten geriet, war dem ganzen dann dann natürlich weniger zuträglich, aber deshalb war mir keiner böse.
Der Hüne Wingar dagegen, war auf einer traditionellen Reise, die bereits Generationen von Vorfahren vor ihm machen mußten. Zum endgültigen Erwachsenwerden gehörte eine mindestens einjährige Trennung vom vertrauten Stamm - unter Androhung des Todes bei vorzeitiger Rückkehr. Er durfte damals nur etwas Kleidung und eine Waffe seiner Wahl mitnehmen. Da Wingar nicht dumm war - nein, entgegen allen Unkenrufen nicht - bestand er darauf, das Schwert seines Vaters mitnehmen zu dürfen - einen wunderbaren Anderthalbhänder, dessen Verzierungen er mit einer Decke vor neugierigen Blicken verbarg und nur uns einmal am Lagerfeuer zeigte.

Der Anderthalbhänder 'Proavus'

Viele Barbaren Waelands und anderer Herkunft, versuchen einen möglichst guten Kontakt zu ihren Ahnen zu bewahren. Die Geister verstorbener Vorfahren gelten als unschätzbar wertvolle Quellen der Prophezeiung und Boten von nahendem Unheil.
Solche kostbaren und reich verzierten Gegenstände wie der Anderthalbhänder 'Proavus' wurden bereits vor langer Zeit hergestellt und von Generation zu Generation an den Stammhalter der Familie weitergereicht. Während der Totenzeremonie des Vorfahren befindet sich der Gegenstand - in der Regel eine Waffe - in direktem Kontakt zum Toten, meist auf Brust und Bauch.
Verläßt nun der Geist des Toten in den Stunden nach Todeseintritt den Körper, so findet er sofort ein vertrautes Heim vor - den Gegenstand, den er schon so lange mit sich trug und der schon vielen seiner Vorfahren als Ruhestätte dient. Der Tote ist auf diese Weise auch noch nach seinem Tod in der Lage seinen Nachkommen zu schützen und muß in keinem Fall befürchten, einer fremden höheren Macht im Totenreich dienen zu müssen.

Der vorliegende Anderthalbhänder 'Proavus':

Da ich selbst nicht über Waffen verfügte, gab mir Glomor fürs Erste ein Paar seiner Dolche. Mit diesen Waffen fühlte ich mich dann schon nicht mehr ganz so schutzlos wie zuvor, denn obwohl mich der zweite Dolch immer noch mehr behinderte als unterstützte, hatte ich durch die spielerischen Zweikämpfe mit meinen Freunden in Aran schon ein paar interessante Kniffe gelernt, um beidhändig anzugreifen und gegnerische Angriffe abzuwehren.
Wie auch immer hoffte ich natürlich inständig, nicht so rasch von meinen 'Waffen' Gebrauch machen zu müssen - gegenüber Glomor's Axt, Wingars Schwert und sogar Safran's Stab, sahen sie dann doch etwas lächerlich aus.

Mich begeisterte die Gesellschaft meiner Gefährten. Zum einen hatte ich noch nie Menschen dieses Schlages kennengelernt, zum anderen lernte ich täglich etwas Neues. Sei es das Fangen, Finden und Zubereiten hier üblicher Nahrung oder die Vielzahl von Pflanzen die man erblicken konnte.

Besonders interessant fand ich das Schlangenkraut, das mit seinen paar dutzend wuselnden Ästen wie ein Schlangennest aussieht. Doch obwohl die Äste wirklich an kleine Schlangen erinnern, sind sie im Prinzip harmlos. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, dem Boden ihrer Umgebung Nährstoffe zu entziehen und sich zum Sonnenlicht vorzuarbeiten. Safran lehrte mich, wie man aus Schlangenkraut eine leckere Suppe zubereitet - wenn man einige dieser agilen Extensionen zu fassen bekommt. Vorsicht sei nur geboten, weil sich ab und zu richtige Schlangen in dem Gewirr des Schlangenkrauts verstecken, die durchaus eine Gefahr darstellen können.

Dagegen war der erste Kontakt mit den Aderbeeren weniger erfreulich. Als ich denn so abseits des Lagers einige pralle - lecker aussehende - Beeren am Boden fand, vergaß ich all meine Vorsicht und aß sie auf. Sie schmeckten vorzüglich und so entschied ich mich auch den anderen ein paar zu pflücken. Als ich kurze Zeit später zum Lager zurückkehrte, begann mein Herz heftig zu schlagen und die Venen waren angeschwollen und deutlich durch die Haut zu erkennen.
Ich eilte zu Safran und noch bevor ich ihm die Beeren zeigen konnte, hatte er mir den Genuß der Aderbeeren bereits angesehen. All meine Venen waren bedenklich angeschwollen, blutiger Schweiß stand mir auf der Stirn und mein Herz begann zu rasen.
Safran zögerte keine Sekunde, eilte zu seiner Kräutertasche und gab mir ein paar Beeren, die denen bis aufs Haar glichen, die ich im Wald gefunden hatte. Er stopfte sie in meinen Mund und Sekunden später verlor ich die Besinnung.

Als ich später wieder erwachte - es war inzwischen Dunkel geworden und die anderen hatten ein Lagerfeuer entzündet - fühlte ich mich wieder normal, wenn auch sehr geschwächt. Bei einem kräftigenden Essen erzählte mir mehr über die Aderbeeren, die als Nahrung aufgenommen, sich in den Adern ihres Wirtes vermehren und die Blutproduktion vervielfachen. Wenn dem Opfer dann die Blutgefäße platzen und der Lebenssaft mit den darin enthaltenen Aderbeerensamen sich auf den Boden ergießt, entstehen dort neue Aderbeerensträucher. Nur Kreislaufsenkende Stoffe, wie z.B. die Schlafbeeren, die Safran mir gegeben hatte oder ein Schlafzauber vermögen der tödlichen Wirkung zu trotzen, bis das körpereigene Immunsystem sich der Fremdkörper entledigt hat. Bis zum Eintritt des Schlafzaubers entsteht in jedem Fall schwerer Schaden im Körper des Opfers.
Einen Vorteil durch Aderbeeren ziehen nur solche Wesen, die sich von Blut ernähren (wie. z.B. Vampire). Sie erfahren für den Zeitraum von einer Stunde einen wahren Geschwindigkeitsrausch.

Nach einer Woche erreichten wir schließlich Rundal, ein relativ kleines Nest - zumindest im Vergleich zu Corrinis. Im kleinen Zunfthaus der Händler - auf dessen Hof man schon mehrere Wagen stehen sah - wurden wir gemustert und als Eskorte dem Vormann dieser Karawane zugewiesen. Seine Nase gefiel mir zwar nicht besonders, aber - bei Alaman - es ging hier um Geld, nicht um Geschmack.

Wir hatten noch einen Tag Aufenthalt in Rundal und so ergänzten wir unsere Ausrüstung ein wenig. Vor allem ich hatte weder gefüllte Behältnisse, noch Rüstung vorzuweisen. Ein Umstand, der mir früher wenig ausmachte, doch beim Anblick der anderen Begleiter eher mutig erschien. Ich konnte - durch Vermittlung des Zunftmeisters - eine recht gut sitzende Lederrüstung erwerben. Ein wenig fleckig zwar, dafür aber billig. Auch ein Wasserbeutel und ein Leinenrucksack wechselte den Besitzer.

Als wir am nächsten Morgen aufbrachen, war Rundal wie verwandelt. Menschenmassen machten den Marktplatz schwer passierbar und ansässige Bauern versuchten noch ein letztes Mal ihre Waren an die Abreisenden zu veräußern. Ein Wirrwarr von Leuten, Tieren und Wagen. Unter Leitung des Vormannes formierten sich die Wagen beim Verlassen des südlichen Stadttores und recht gemächlich setzte sich der ganze Zug in Bewegung.

***

[Schlangenkraut, Aderbeeren und Schlafbeeren sind Erfindungen von Shane Lacy Hensley, die sie in ihrem Buch 'Bloodshadows:Wilderness' (ca.45.-DM von WestEndGames) zusammengetragen hat.]

To be continued >>>

Dogio the Witch

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