Papa Caldron erzählt...

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Nun sind schon so viele Monde ins Land gegangen. Einst ritt ich noch mit meinen Gefährten durch die Landstriche von Midgard, an meiner Seite Chun Li, das liebreizende Wesen, das schon seit langem meine Frau ist. Wir schafften damals die Überfahrt von Erainn nach Aran, als meine Studien der arcanen Künste beendet waren. Durch den Verkauf einiger Edelsteine und Artefakte (den Drogenhandel will ich hier einmal unter den Tisch fallen lassen) gelang es mir Grund mit einem fruchtbaren Stück Oasenland zu erwerben und darauf in den Jahren eine kleine Festung zu errichten.
Mittlerweile kommen oft Menschen zu mir, denen ich gegen ein Entgelt etwas von meiner Erfahrung vermittle. In meinem Beruf ein lohnendes Geschäft.

Nachdem ich meine damalige Verlobte im Zeichen meines Glaubens geehelicht hatte, gebar sie uns fünf Kinder - drei starke Söhne und zwei liebreizende Töchter. Heutzutage sitzen meine Goldstücke oft um meine Beine herum, wenn sich die Sonne senkt und meine Schüler sich zurückgezogen haben. Im flackernden Schein der Öllampen lauschen sie dann gespannt - meist mit offenen Mündern - meinen Worten.

Als ich damals - angeregt von den Geschichten einiger Abenteurer - Aran auf einem Handelsschiff Richtung Westen verließ, hatte ich zwar schon eine ereignisreiche Jugend hinter mir, war aber immer noch kakteengrün hinter den Ohren. Da ich das Meer und seine Bewegungen nicht gewohnt war, aß ich auf der Überfahrt recht wenig und magerte dank der harten Arbeit an Deck bald auf ein bedenkliches Maß ab. Alaman sei Dank, erreichten wir eines Tages doch noch das Festland.
Die Stadt, in der ich schließlich gelandet war, hieß Corrinis. Ein wilder Haufen in diesen Tagen. Händler, Spitzbuben und Taugenichtse aller Arten tummelten sich in den Straßen und Basaren. Ich hatte meine Augen damals überall, nur nicht bei meinen Begleitern. Plötzlich nur noch von Fremden umringt, gönnte ich mir nach so langer Zeit erst einmal ein gutes Essen auf festem Boden.

Vielleicht hätte ich damals den Zwerg doch nicht so erstaunt anschauen sollen - da er auch noch meine Sprache nicht verstand und sich wohl verarscht glaubte, geriet ich in meine erste Kneipenschlägerei und damit auch in den ersten Kontakt zur lokalen Stadtwache, die sich wenig begeistert zeigte.
Zu allem Pech steckte man uns auch noch zusammen in eine Zelle mit einem gar barbarisch aussehendem Hünen, der gerade versuchte die Kopfschmerzen loszuwerden, die ein saftiger Kater ihm bescherte.

Ich setze mich ganz still in eine Ecke und versuchte weder den Blick des Zwergen, noch einen Seufzer des Barbaren zu erwidern, als sich plötzlich wie von Geisterhand die nun erleuchteten Gitterstäbe verbogen. Ein Vogel flatterte zur Fensteröffnung und stierte kurz hinein, sah den Zwerg und krächzte. Der Zwerg winkte uns zu und einer nach dem anderen sprangen wir die zwei Stockwerke des Turms hinunter in einen Heuwagen, der anschließend rasch in Richtung Hafen fuhr - das wir uns dabei nichts brachen, Alaman sei Dank.

Als wir wenig später in einer kleinen Hütte am Kaminfeuer saßen, stellte sich der Zwerg als Glomor von Detroh vor. Er zeigte auf unseren Befreier der nun erstmals seinen dunklen Umhang lüftete und sich als blasses, gar schimmerndes blondes Wesen entpuppte. Eindeutig männlich und doch mit einer Grazie, die einem Weibe gerecht würde. Wie ich bald erfuhr handelte es sich um Safran von Lozerroth, einen Elfenmagier - ein gar wunderliches Geschöpf. Zu meinem Glück beherrschte Safran meine Sprache und fungierte von nun an als Übersetzer, zumindest bis ich meine ersten Brocken Erainnisch gelernt hatte - die Sprache, die alle anderen bereits beherrschten. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, brach auch der nun sitzende Hüne sein Schweigen und sprach seinen Namen in ungewohntem Dialekt: Wingar Löröffloth.

Unser Zwerg und der Elf zogen sich einen Augenblick zurück. Wir aßen derweil von der Suppe, die bereits am Rand der Feuerstelle in einem Topf brodelte. Zuerst sprach der Zwerg mit Wingar - was ich leider nicht verstand. Ich sah nur das Nicken des Riesen, verbunden mit einem breiten Grinsen. Dann drehten sich alle Köpfe zu mir - und ich schluckte erst einmal kräftig. "Möchtest Du uns begleiten Ostling ?" fragte der Elf "Wir sind auf dem Weg in den Norden, wo wir uns als Eskorte einem Handelszug anschließen sollen. Interesse ?"

Das hörte sich nicht schlecht an. Erstens hatte ich zur Zeit eh kaum Geld, geschweige denn das Sprachtalent mir vor Ort einen geeigneten Kundenkreis zu suchen. Und mit Karawanen hatte ich bereits Erfahrung. Freudig stimmte ich zu.

Die Nacht schlief ich unruhig. Sowohl der Barbar, als auch der Zwerg rauschten wie ein ganzer Blätterwald, so daß ich mich einmal aufraffte und zum Fenster begab, wo der Elf saß und in die Dunkelheit starrte. Ich fragte ihn leise, ob er glaube daß es sehr gefährlich werden würde, doch ich erhielt keine Antwort. Er saß einfach nur starr da.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und nutzen erneut den Heuwagen, um die Stadt zu verlassen. Auf unserem Weg Richtung Stadtmauer, bat Wingar kurz anzuhalten und verschwand für einige Minuten in einer Seitengasse. Freudig kehrte er Minuten später mit einem kleinen Paket zum Wagen zurück - offensichtlich ein Stab, oder ein Schwert. Die meisten der Stadtwachen hatten genug mit der Kontrolle der hereinkommenden Wagen zu tun und ließen uns unbehelligt durchziehen. Wir machten es uns auf dem Heuwagen bequem und harrten der Dinge, die uns noch erwarten sollten...

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Dogio the Witch

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