Geschichte der Heilerin Loba Moy

Hallo !
Vielleicht ist es etwas kindisch, eine Spielerfigur vorzustellen, aber mir ist sie wichtig als Hintergrund für mein anderes Geschreibsel...

Grüßlis vom Hraban!

Hey ! Was heißt hier kindisch ? Wenn Du mal ein 'paar' Ausgaben zurückblätterst, wirst Du sehen daß schon mehrere Leute Ihre Spielerfiguren vorgestellt haben. Ich denke, daß schöne SCs in anderen Gruppen (mit anderen Spielern) die besten NSCs abgeben ! Welcher NSC wird denn sonst so sorgfältig ausgearbeitet ? --Dogio


PERSONEN:

ORTE:


In dem Jahr, als Lara sechzehn Jahre alt wurde, kam ein Pilger durch Aill-finn und bat auf dem Hof der Mac Cathails um das Gastrecht.
Lara war von ihm sofort fasziniert, und so kam es, wie es kommen mußte: Ein paar Monate später konnte sie ihre Schwangerschaft nicht mehr verbergen, ihre Heirat mit einem Handwerker aus der Nachbarschaft fiel ins Wasser, und sie wurde geschoren aus dem Dorf gejagt.
Zu allem Unglück hatte ihr jener Pilger nicht nur ein ungeborenes Kind hinterlassen, sondern auch einen "Sauger", die unerlöste Seele eines Schwarzmagiers, der sich in seine Aura gesetzt hatte. Er war nun froh, diese Last los zu sein - seine Pilgerfahrt hatte Erfolg gehabt.

Lara war noch nicht weit gekommen, als sie von Sklavenhändlern eingesammelt wurde. Jene skrupellosen Männer waren auf dem Weg in die Küstenstaaten, um dort "frische Ware" einzukaufen. Die hübsche Lara würde einen guten Preis erzielen, schließlich konnte sie als besonders fruchtbar angepriesen werden.
Diese Pläne wurden allerdings schon bald durchkreuzt - der schwarzmagische Sauger wollte Laras Lebensenergie für sich selbst haben, die notgeilen Händler sollten ihn nicht seiner Grundlage berauben können. So sorgte er dafür, daß Lara von einem vagabundierenden Dämon besessen wurde, der Lara die Flucht erleichterte.

Doch was nun? Schwanger, gebrandmarkt und zweifach besessen kann von Lebensfreude keine Rede mehr sein. Monatelang irrte sie durch Wälder und Berge, terrorisierte die wenigen, die ihr begegneten und lebte von dem, was sie sammeln konnte.
Schließlich aber hatte sie doch noch so etwas wie Glück: In der Nähe von Dun-da-én überfiel sie eine ältere Frau, die sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen ließ: Fionna O'Tighernach erkannte schnell, warum diese Frau zur Bestie geworden war. Es gelang ihr, den Dämonen auszutreiben und den Schwarzmagier zurück ins Licht zu schicken. Laras Geist war jedoch schon so verwirrt, daß sie kein klares Wort mehr sprechen konnte.
Fionna hatte als "Dorfhexe" schon viele Kinder zur Welt bringen helfen, doch nach all dem war Lara so entkräftet, daß sie die Geburt ihrer Tochter, die Loba Moy genannt wurde, nicht mehr überlebte.

So wuchs die kleine Loba in der Hütte von Fionna O'Tighernach am Rande von Dun-da-én auf. Sie blieb zwar schwächlich, und der Dämon hatte ihr ein Feuermal vom Hals über den Bauch bis zur Hüfte hinterlassen, doch zeigte sie Talent und Geschick für das, was ihre Ziehmutter ihr beibrachte.
Mit dem Geheimnis um ihre Herkunft und ohne Vermögen zeigten die Burschen des Dorfes wenig Interesse für sie. Sie als Schönheit zu bezeichnen wäre pure Schmeichelei gewesen, und für das Können einer Frau interessieren sich die wenigsten Männer. So streifte sie häufig tagelang alleine durch Wald und Berge.
Als Fionna starb, war es selbstverständlich, daß sie deren Stelle einnahm. Als geschickte Hebamme und kundige Heilerin erwarb sie sich vor allem bei den Frauen einiges Ansehen, obwohl sie eine Außenseiterin blieb.

In Lobas 40. Lebensjahr wurde Dun-da-én überfallen und völlig verwüstet. Die meisten Bewohner kamen dabei um. Loba überlebte, da sie gerade unterwegs war, um ihre Vorräte an Heilkräutern zu ergänzen.
Nun heimatlos geworden, streifte sie durch die Gegend, als sie sich plötzlich in einem Schloß vor dem Thron eines Herrschers wiederfand, der als Wappen einen Totenkopf führte. Neben ihr standen - ebenso überrascht - ein vierschrötiger Söldner und ein junger Mann mit flinken Augen und Händen. Ein junger Adliger, schwerbewaffnet und nach Drachen riechend, betrachtete sie neugierig...

Die weitere Geschichte klingt viel unglaubwürdiger, da sie in einer recht eigenartigen Dimension spielte. Zwecklos, davon zu berichten, da sie mit ihrem Herrscher unterging - ein Gemeinschaftswerk von Zufall, Würfelglück und dem genannten jungen Adligen. Außerdem hat uns unser damaliger Meister verlassen.

Inzwischen hat sie sogar schon einen Drachen mit gebrochenem Flügel geheilt...


Loba Moy O’Tighernach [MacCathail], Heilerin (Grad unbekannt)


Ausspielen von Zaubersprüchen

Bei Loba Moy habe ich angefangen, meine Zauber ein bißchen auszuspielen. Ich sage also nicht mehr einfach "Allheilung, ähm, 9 LP/AP", sondern fange an zu singen... Dabei verwende ich hauptsächlich althochdeutsche oder lateinische Zaubersprüche, Segens- und Bannformeln.
Auffällig an diesen Sprüchen ist, daß häufig von einer Stellvertreter-Handlung in göttlichen Gefilden erzählt wird, die sich auf die Situation des/der Sprechenden übertragen soll. Es sei ferner darauf hingewiesen, daß die meisten dieser Sprüche nicht für Priester eines einzig wahren Gottes geeignet sind.
Wenn's jemand nachmachen mag, bitte sehr: (Vielleicht ist das hier auch als Anregung für Rituale geeignet?)

Spruch (Vorschlag) kann ausgespielt werden als Bedeutung / Herkunft
Heilen von Wunden, Segnen krut, steen enti wort han an kreftin richin hort Kraut (Gewachsenes), Stein (Erde) und Wort (Sprache) sind die stärksten Kräfte
Heilen von schweren Wunden Genzan unde Iordan keiken sament soszon, To versosz Genzan Iordane te situn. To verstont daz blot. Stande diz blot. Stant blot! Stant blot fasto! Genzan und Jordan gingen zum Bogenschießen. Da schoß Genzan der Jordan in die Seite, Da stand (stockte) das Blut. So stehe dieses Blut! Stehe, Blut! Stehe sofort, Blut!
Allheilung Eiris sâzun Idisi, sâzun hera duoder. Suma hapt heptidun, suma heri lezidun. Suma clubôdun, umbi cuoniouuidi. Insprinc haptbandun! Invar vîgandun! "Erster Merseburger Zauberspruch": Einstmals hockten sich Frauen, hockten sich hierhin und dorthin. Einige legten Fesseln, andere hemmten das Heer. Andere lösten und öffneten Knoten. Um der Baumkraft willen: Nun entspring den Fesseln! Entkomm’ den übermächtigen Feinden!
Austreibung des Bösen Wola, wiht, taz thu weist, taz thu wiht heizist, taz thu waz scheizist, taz thu neweist noch nechanst cheden chnospinci! Wie gut, Wicht, daß du weißt, daß du ein Wicht bist und Mief furzt, was du freilich selber nicht weißt und auch nicht zugeben kannst, du Rumpelstilzchen!
Bannen von Zauberwerk finis terrorum terrarum! finis operum errorum! finis ordinis mortis et Martis! Schluß mit dem Schrecken der Erde! Schluß mit den falschen Werken! Schluß mit der Ordnung von Tod und Krieg! (Bezieht sich eigentlich auf das Römische Reich...)
Blendwerk, Illusionszauber nihil ita ut videtur, nihil spera, nihil time, neque hic nec alibi Nicht ist so, wie es scheint, hoffe nichts und fürchte nichts, weder hier noch anderswo
Segnen (Reisesegen), Wahrsagen Ic dir nachsihi, ic dir nachsendi uz minin funf fingirin funfi und funfzic guoti Albi. Uuodan gisundi heim dik sendi. Offin si dir daz sigidor, sami si daz segildor, bislozzin si dir daz wagidor, sami si daz wafindor! Ich sehe dir nach, ich sende dir nach aus meinen fünf Fingern fünfundfünzig gute Geister. Wotan schicke dich gesund wieder heim. Offen stehe dir das Siegtor wie das Segeltor. Verschlossen bleibe dir Wogentor (Tod auf See) wie Waffentor (Tod im Kampf).
Schwäche, Austreibung des Bösen usw. waz wulf hellehunt, fuor du sar en abcrunt! Stinkender Wolf, Höllenhund, fahr du in den Abgrund!
Lindern von Erschöpfung Singemes thaz umbiring allan thesan woroltring Singen wir ringsherum ums ganze Erdenrund
Tiersprache Vix iam homo, magisque semiferus Kaum noch Mensch, halb Tier
Segnen Thu biguolen Sintgund, sunna era suister, thu biguolen Frija, mana era suister, thu biguolen Uuodan... Da segneten dich Sintgund, und ihre Schwester, die Sonne, da segnete dich Freya und ihre Schwester, der Mond, da segnete dich auch Wotan. (Nach Bedarf andere Götter einsetzen; dies ist der veränderte Mittelteil des "zweiten Merseburger Zauberspruchs")
Heilen von (schweren) Wunden Sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki: Ben zi bena, bluot zi bluoda, lid ze geliden, sose gelimida sin. So sei die Beinverrenkung, so sei die Blutverletzung, so sei die Gliedverdrehung: Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied, als seien sie aneinandergeleimt. (Dies ist der Schluß des "zweiten Merseburger Zauberspruchs")
Segnen (PF, Druiden, Heiler) Thu biguolen cuoniouuidi Dich segne die Baumkraft!
Heilen von Geisteskrankheiten, Bannen von Dunkelheit usw. Procul recedant sonia et noctium fantasmata. Fern verdrängt seien mir die bösen Träume und Trugbilder der Nacht (Abendgebet in Klöstern)
Illusionszauber Ut aliquid fieri hic videatur Damit es wenigstens so aussehe, als geschehe hier etwas
Stärke? Si fractus inlabatur orbis Und wenn geborsten die Weltkugel einstürzen möge
Stärke? Quantum possum, quantum in me situm est Soviel ich kann, was immer mir möglich ist
Heilen von (schweren) Wunden, von Geisteskrankheit Tumbo saz in berke mit tumbeno kinde enarme. Tumb hiez der berch, tumb hiez daz kint: Ter heilego Tumbo versegene elliu wunda, ad stringendum sanguinem Dummling saß auf dem Berge mit Dummlingskind im Arm. Dumm hieß der Berg, Dumm hieß das Kind. Der heilige Dummling, er heile alle Wunden und stille das Blut
Quellen:
Jürgen Lodemann: Der Mord. Büchergilde Gutenberg 1995
Susan Cooper: Wintersonnenwende. Als TB beim Ravensburger Buchverlag
Älteste deutsche Dichtung und Prosa. Reclam Leipzig (oder so ähnlich, liegt mir nicht mehr vor)

md_pan.gif

Hraban

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

© Copyright by Dogio