Leserbrief zu Gute Priester MD 71

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Hallo allerseits!

Soweit ich weiß, ist der Beitrag 'Gute Priester' im MD 71 zum Kommentieren gedacht, also hier meine Meinung zum Thema:

Kämpfe um 'die wahre' Religion muß es nicht zwangsläufig geben, allerdings werden sie in gewissem Ausmaß auch nicht völlig vermeidbar sein. Es gibt ja in der Geschichte auch Beispiele für relativ tolerante Kulturen, z. B. konnten die unterworfenen Provinzen der Römer grundsätzlich ihren Glauben behalten. Die Christenverfolgung ist natürlich das genaue Gegenbeispiel, aber da paßten die Glaubensmaximen (nur ein Gott, totale Wehrdienstverweigerung, ...) eben nicht in das Staatsgefüge. Es wird also auf keinen Fall ein perfektes Zusammenleben verschiedener Glaubensgemeinschaften geben, auch wenn einige vielleicht als Motto haben 'Alle Götter sind ein Gott, und alle Göttinnen sind eine Göttin'.

Zur Frage, wie sich die Götter den Menschen gegenüber verhalten, kann man nur sagen: Das kommt darauf an, wie man sie sich vorstellt. Geht man vom christlichen allwissenden, allmächtigen Gott aus, dann müßte der ja eigentlich auch dazu in der Lage sein, jederzeit auf jeden aufzupassen und jeden vor Unheil zu bewahren. Er könnte dem Einzelnen aber auch ein besonders schweres Schicksal als Glaubens- oder Gesinnungsprüfung auferlegt haben, oder die Menschen einfach so geschaffen haben, daß er nicht das Kindermädchen spielen muß und nur in größeren Notfällen eingreift, z. B. in Form einer wundersamen Rettung eines guten Gläubigen vor dem Scheiterhaufen, auf den ihn vom Glauben Abgewichene gebracht haben. Damit bekehrt man vermutlich viel effektiver, als wenn man nun jeden vor der kleinsten Dummheit bewahrt.

Man kann sich Götter aber auch sehr viel menschlicher vorstellen (Stichwort 'und schuf den Mensch nach seinem Ebenbild') wie bei den alten Griechen. Deren Götter waren zwar mächtiger als die Menschen, hatten aber trotzdem menschliche Schwächen und Bedürfnisse, vom fremdgehenden Göttervater über die Rabenmutter, die ihr mißgebildetes Kind vom Olymp feuert, bis zum Schönheitswettbewerb der Göttinen, der immerhin den trojanische Krieg entfachte.

Bei solchen Göttern ist nun wirklich nicht auszuschließen, daß sie bei irgendeinem schreienden Unrecht gerade zu beschäftigt sind (dann klappt der Wurf Göttliche Gnade auch nicht), um zu helfen. Oder sie sind gelegentlich jähzornig oder rachsüchtig. Außerdem sind hier auch Chaosgötter und der ewige Streit zwischen Gut und Böse besser einzuarbeiten.

Also ist es auch möglich, daß die Mächtigen eines Ordens sich doch ein ganzes Stück von den Idealen des Glaubens entfernen, allerdings müßte dann meiner Meinung nach zumindest heimlich irgendein 'böser' Gott mitmischen, es sollen ja auch schon Götter in Gefangenschaft geraten sein. Wenn ein 'guter' Gott einen solchen Frevel bemerkt, muß dann auch eine drastische Strafe folgen.

Da ja laut Regelwerk die Grundzauber von Priestern auf der Macht ihrer Götter beruhen, finde ich den Entzug der Zauberfertigkeit oder ein Erschweren bei Verstößen nur logisch. Steht soweit ich mich erinnere auch so ähnlich im Regelwerk. Dafür ist es natürlich hilfreich, wenn

Spieler und Spielleiter sich bei der Charaktererschaffung zusammensetzen und Glaubensregeln aufstellen oder mit der Zeit entwickeln, damit der Spieler das wie ein entsprechender Priester auch bewußt entscheiden kann, und nicht auf einmal ohne Zauberkräfte dasteht, ohne zu wissen warum.

Im Gegenzug kann man ja auch Vergünstigungen gewähren, z. B. positive WM für einen Kriegspriester, der unter Lebensgefahr den Rückzug seiner Freunde deckt. Außerdem gibt es ja auch noch göttliche Gnade als Gutschrift auf dem Benehmenskonto.

Worüber ich mir nur nicht ganz klar geworden bin, ist, wo die Götter Midgards eigentlich leben. Direkt auf Midgard wohl kaum, sonst könnte man sie ja besuchen. Bleiben irgendwelche Parallelwelten, aber dann bleibt die Frage, wieso sie sich ausgerechtnet um irgendwelche Menschen einer anderen Welt kümmern. Das ist dann wohl der Samaritertrieb eines 'guten', bzw. die Machtgeilheit eines 'bösen' Gottes.

Und wovon leben sie eigentlich. Nektar und Ambrosia? Oder von Energie die durch die Verehrung der Menschen entsteht? Können sie also sterben, wenn sie in Vergessenheit geraten? Das würde zumindest ihr Interesse an den Vorgängen auf Midgard und Glaubenskämpfe erklären.

Für das einfache Volk sind solche Fragen wohl eher egal, glaube ich. Schließlich sind die Priester im Vergleich zu einfachen Bauern und auch vielen Fürsten unendlich viel wissender. Und Wissen ist gerade in einer mittelalterlichen Welt Macht. Daher dürfte wohl in vielen Gegenden nicht nur das Wort des Fürsten, sondern auch das eines Priesters Gesetz sein. Allerdings können diese falsch verstanden oder zu wörtlich ausgelegt zu Fanatismus führen. Und den kann ein Gott unter Umständen dulden, wenn er seinen Zielen dient.

So, das ist jetzt aber wirklich mehr als genug, hätte gar nicht gedacht, daß das so viel wird.

So long,

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Inga 'Thayet' Seidel

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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