Krieger längst vergangener Tage

Zahlreiche Geschichten und Legenden erzählen über in Berghöhlen erstarrte Könige und Krieger - Männer, Jahrhunderte lang gemeinsam mit ihren Gefährten dem Reich des Schlafes anheimgegeben und darauf wartend, bis ihre Landsleute sie wieder ins Leben und zu Hilfe rufen.

Die Berge Englands, Irlands und Deutschlands oder die Hohe- Tatra Polens beherbergen solche Krieger längst vergangener Zeiten, und auch zahlreiche Fantasy-Autoren haben sich dieses Motivs und seiner Varianten angenommen.

Zeit für einen kurzen Überblick:

Friedrich Barbarossa:
In Deutschland lebt der Heilige Römische Kaiser und Kreuzfahrer Friedrich Barbarossa in einer Kalksteinhöhle unter dem Kyffhäuser. Er sitzt dort an einem steinernen Tisch, durch den im Laufe der Jahrhunderte der rote Bart gewachsen ist, von dem er seinen Namen hat.

Fionn und die Fianna:
Der irische Held Fionn ruht gemeinsam mit seinen Kriegern ebenfalls in einer Höhle. Es ist geweissagt worden, daß er beim Klang des dreimal geblasenen, Dord Fiann genannten Horns eines Tages erwachen und den Ruhm Irlands erneuern wird.

König Arthur und die Ritter der Tafelrunde:
Verschiedene Höhlen in Glamorganshire beherbergen, so heißt es, König Arthur und seine Gefährten. Der eingetretene Ernstfall der Wiederkunft dieser Helden wurde übrigens bereits in der Comic-Serie Camelot 2000 aufgearbeitet. Das Damoklesschwert alter Leidenschaften, Fehler und Verirrungen schwebte hier erneut verhängnisvoll über den Recken, die es mit außerirdischen Aliens zu tun bekamen.

Owen Lawgoch:
Und in der Nähe von Cardiganshire führen unter einem Haselnußbaum in einem einsamen Moor steinerne Stufen tief in die Erde zu einer ausgedehnten Höhle, in der, umgeben von Männern in Rüstung und Goldschätzen, Owen Lawgoch - Rothand - mit einem Schwert früher britischer Könige in den Händen schläft. Auch dieser ehrwürdige Krieger, der Britannien gegen die Einfälle der Sachsen verteidigt haben soll, wird eines Tages auferstehen und die Nation erneut führen.

Boleslaw Chrobry:
Nicht zuletzt schlafen im Tatra-Gebirge die Ritter des polnischen Kriegers Boleslaw I. Chrobry (dem Tapferen).

Doch alles in allem sind diese Geschichten von Helden, die in verwunschenen Höhlen schlafen, so verworren, daß man sie kaum von den Geschichten von untergegangenen Ländern und Königreichen, der Anderwelt der Tuatha De Danaan, oder den Feenhügeln der Daoine Sidh - dem kleinen Volk der hollow hills mit Oberon oder Finvarra als ihren Königen - abzugrenzen vermag.

Fantasy:

Die Eidbrecher:
In J.R.R. Tolkien's Herr der Ringe-Trilogie erfährt das Thema eine erweiterte Deutung. Nach der Schlacht in Helms Klamm beschreitet hier Aragorn, der rückkehrende König, die unter den Weißen Bergen durchführenden Pfade der Toten, um ein Heer dunländischer Geister, das vor Zeitaltern den gondorianischen Königen Treue geschworen hatte, dann aber Sauron anheimfiel, an seiner Seite in die Schlacht gegen die Horden von Mordor zu führen. Denn nur so, wurde geweissagt, in Erfüllung ihres alten Versprechens, werden die Ruhelosen endlich Frieden finden können.

Und ebenfalls in Mittelerde angesiedelt, nämlich im MERP-Abenteuer Phantom of the Northern Marches, ist

Die Saga von König Gotshelm:
Es geht um die sagenhafte Kaverne König Gotshelms, die sich unter einer gewaltigen Nordmann-Halle, der Tateshalla, in einem einsamen Tal südlich von Angmar, im nördlichsten Arnor/Eriador befinden soll: Die Verse der Barden bewahren und verbreiten die Legende vom König-Der-Schläft und das Volk der Umgegend glaubt fest an dessen Wiederkunft, einst, wenn das Königreich wieder seiner bedürfen wird - ein Tag, der mit den längerwerden Schatten aus Angmar immer näher zu rücken scheint.
Doch diesmal ist alles ein wenig anders: Olpessa, die numenorische Hofmagierin, schuf für König Gotshelm, als dieser im Sterben liegend nichts sehnlicher wünschte, als daß ihm eine epische Tradition nachfolgen sollte, nur eine mächtige, permanente Illusion in dieser Höhle. Gotshelm wollte, daß seine Ritter ihm hierher folgen sollten und mit ihm auf den Tag der Not im Königreich warten sollten. Also gibt die Illusion eine herrliche Schar nordmännischer Krieger wieder, gewappnet mit strahlender Brünne und blankpolierten Helmen, angetan mit Gurten und Schnallen aus Gold, Banner aus Samt und Seide und Waffen aus Mithril und edelsteininkrustiertem Silber tragend.
Als Gotshelm diese Kavalkade die Stufen hinabführte, war sein Herz voller Freude und er verstarb lachend vor Glück; in Wahrheit hinterließ er nur ein Gedicht, das es etwa eine Stunde braucht, zu rezitieren. Doch das Poem hielt den Volksglauben und die Legende am Leben, und die Illusion der Halle blieb ungebrochen. Der einzige Teil, der nicht im Einklang mit der herausragenden Illusion schlafender Krieger steht, ist der echte Leichnam König Gotshelms und der seines Reitpferdes. Ihre Körper wurden ausgedörrt und mumifiziert in der trockenen, abgeschlossenen Atmosphäre bewahrt. (Und logo, daß die Abenteurer wieder mal die Maronen aus dem Feuer holen müssen!)

Göttliches Spiel:
Natürlich wäre auch die alte Saga vom waelischen Fürsten Wargar wie geschaffen für derartige Gerüchte, obwohl es in diesem echt tollen Midgard- Abenteuer vornehmlich um dessen Nachfolge und Erbe geht. Bei einem ähnlich spannenden Finale, in den TASSILO- Comics Die magischen Steine des Ingar & Das Grabmal im Eis geschildert (Text: Fauche/Leturgie - Zeichnungen: Luguy), erhob sich der totgeglaubte Fürst tatsächlich von seiner Bahre, um bei ihrer Ankunft den Bösewichten einen gehörigen Schrecken einzujagen (dabei handelte es sich aber nur um Ritter Tassilo in Verkleidung). Spielleiter, die Dramatik lieben, können aber auch beim Göttlichen Spiel den Milan, seines Zeichens moravischer Hexer im Solde Laird Grimmonds, dazu einsetzen, ein (freilich magisches) Quickening des waelischen Fürsten Wargar zu inszenieren (diesmal zur Überraschung der Spielerfiguren (oder gar beider Parteien), versteht sich)!

Der Schwarze Habicht:
In diesem legendären, zweiteiligen Abenteuer aus ZauberZeit 10 und 11 geht es um die Wiedererweckung eines alten Helden, der einst die Yandis-Inseln gegen Piratenumtriebe verteidigte, und es den Sagen zufolge wieder tun wird, wenn es gelingt, seinen letzten Ruheort zu finden. Mit Überraschungen muß natürlich gerechnet werden!

Und noch eine Geschichte, die sich auf einem Bierdeckel von Hirter Privat Pils - Das hopfenhelle Edelpils (Brauerei Hirt seit 1270) fand (- ja, sogar dort kennt man die Thematik!):

Ein Bierkutscher fuhr einst durch einen Wald und fand sich plötzlich vor einem offenen Felsentor. Ein Mann in blanker Rüstung forderte ihn auf, in den Berg hineinzufahren, man wolle ihm die gesamte Ladung Hirter Pils abkaufen. Hocherfreut willigte der Kutscher ein, und schmucke Knappen luden die Fässer in einer großen Halle ab. Mit Silbermünzen wurde er fürstlich entlohnt. Noch oft fuhr er später denselben Weg, in der Hoffnung auf ein gutes Geschäft. Das Tor konnte er jedoch nie mehr finden.

Zuletzt aber nun mein gutgemeinter Rat an Euch alle:
Verlaßt Euch bloß nicht auf Krieger längst vergangener Tage!

Wer ein helfende Hand sucht,
der findet sie am Ende seines rechten Armes.
(Abraham Lincoln)

So, jetzt noch
Wünsche für ein Frohes Weihnachtsfest, und einen guten Rutsch
(nicht unter den Tisch, ins neue Jahr natürlich)!

cu
1997!

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Robert Eibl

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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