Ergänzung zur Infrarotsicht

Da ja eine physikalische Stellungnahme ausdrücklich gewünscht war, will ich versuchen, noch etwas Klarheit zu schaffen.

> Schwerpunkt meiner Frustration ist, daß wir uns immer wieder - besonders
> bei Nacht oder in Höhlen - raufen, welche Objekte man sieht und nicht.=
Nach
> meiner Auffassung, sieht man feine Differenzen, da die meisten Objekte des
> täglichen Lebens (lebende Äste, Tiere, Bodenunterschiede..., nicht=
jedoch
> tote Äste!) auch nach einigen Stunden (in der Nacht) *nicht* auf
> Umgebungstemperatur abgesunken sind. D.h. sie sind kälter oder wärmer=
als
> die Umgebungsluft, so daß sich Schatten oder Lichtflecken abzeichnen
> müßten.
>
> Das wird von meinen (meistens) SL's verneint. (Und dazu würden mich Eure
> Kommentare interessieren)
Hier ist zunächst mal zu beachten, daß die Wärmestrahlung, die man mit IR-Sicht (Sehen in Dunkelheit) wahrnimmt, aus zwei Anteilen besteht:
  1. reflektierte Strahlung
  2. aufgrund der Eigentemperatur emittierte Strahlung
Die Tatsache, daß IR-Strahlung ähnlich wie sichtbares Licht von Gegenständen reflektiert bzw. gestreut wird, wurde schon von Björn Rabenstein im MD36 erwähnt. Bleibt zu ergänzen, daß der Reflexionskoeffizient (der Faktor, der angibt, welcher Anteil der auftreffenden Strahlung reflektiert wird) u.a. vom Material und von der Wellenlänge abhängig ist. Verschiedene Gegenstände erscheinen also - genau wie im sichtbaren Licht - nicht nur verschieden hell, sondern auch in unterschiedlichen "Farben".

Steht also eine IR-Quelle zur Verfügung (den Regeln nach entspricht ja ein Mensch, also z.B. der Beobachter selbst, einer Kerzenflamme), dann kann alles wahrgenommen werden, was man auch im normalen Licht sieht. Insbesondere kann man auch Gegenstände gleicher Temperatur unterscheiden, sofern sie z.B. aus verschiedenen Materialien bestehen oder unterschiedliche Oberflächen haben.

Man kann also durchaus Bilder erkennen oder Schriften lesen. (Dabei kann es natürlich sein, daß die Reflexionskoeffizienten von Tinte und Papier zufällig gleich sind, so daß man nichts lesen kann; andererseits kann eine bei normalem Licht unsichtbare Geheimschrift mit IR-Sicht plötzlich sichtbar sein!)

Neben diesem reflektierten/gestreuten Lichtanteil sendet jeder Körper auch selbst Wärmestrahlung aus, sofern er wärmer ist als 0 K. Die Intensität und das Wellenlängenspektrum dieser Strahlung sind wiederum von der Temperatur und dem Material abhängig, d.h. auch in diesem Fall werden Objekte gleicher Temperatur i.a. unterschiedlich wahrgenommen. Zu den Emissionskoeffizienten (den material- und wellenlängenabhängigen Faktoren für die Intensität) will ich hier nicht viel sagen; man sollte lediglich wissen, daß die Emissionskoeffizienten von Metallen im IR-Bereich ziemlich klein sind (sie fallen mit zunehmender Wellenlänge), Metalle sind i.d.R. also deutlich dunkler als nichtmetallische Objekte.

Diese Wärmestrahlung kann allerdings wohl erst ab einer Temperatur von etwa 20 Grad wahrgenommen werden. Befinden sich in einem Raum keine Objekte, die wärmer sind, so erscheint dieser Raum auch mit IR-Sicht "dunkel".

Bodenunterschiede, Pflanzen, Äste (auch tote!), Untote, Reptilien usw. können also durchaus gesehen und unterschieden werden, vorausgesetzt, sie sind entweder deutlich wärmer als 20 Grad oder werden von einer IR-Quelle hinreichender Temperatur beleuchtet.

(Mit der Wärmekapazität hat die Strahlung im übrigen nichts zu tun, diese ist lediglich ein Maß dafür, wie schnell sich die Temperatur ändert, wenn ein Körper (durch Strahlung oder anders) Wärme abgibt oder aufnimmt.)

Ich hoffe, daß nicht nur die "NatWis" mich verstanden haben.

Koron

PS: Bannen von Licht ist beim Angriff wirklich hilfreich, wenn man selbst IR-Sicht hat. Wirklich mörderisch wird es allerdings erst, wenn man BvL mit Stille kombiniert. Auf diese Weise hätte ich mit einer Handvoll Dunkelzwergen aus Versehen fast meine gesammte Spielergruppe geschlachtet :->

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