Diskussion zur Nachtsicht in MD 34

Robert Wenner schreibt:

> Wie funktioniert Nachtsicht eigentlich?

Du siehst im Dunklen / der Dämmerung (nicht stockfinster) wie andere bei bewölktem / trüben Tag.

> Die Diskussion zwischen meinen SL's und mir, lassen sich auf den
> Zusammenprall zweier Auffassungen zurückführen:
> 1. Man sieht Wärmeunterschiede, kann also die IR-Emission aller
> Körper erkennen und insbesondere auch kleinste Differenzen
> unterscheiden (das ist > meine Auffassung).
> 2. Alle Körper, außer die von Lebewesen, sind im Temperaturgleichgewicht
> mit ihrer Umgebung. Man sieht Objekte also nur, wenn sie von Außen zusätzlich
> aufgeheizt werden.

Es ist keine Infrarotsicht! Kein Wahrnehmen von Wärme oder "Gucken" via Ultraschall (was ebenfalls eine denkbare Alternative wäre). Wenn es Infrarotsicht wäre, hättest Du evtl. Probleme, Körper aus dem gleichen Material zu unterscheiden, aber könntest meiner Meinung nach verschiedenartige Körper unterscheiden (z.B. speichert Wasser ja die Wärme anders als Land, daher ja der Unterschied zwischen maritimen und kontinentalen Klima - jaja, ich nerve...). Immer auch davon abhängig, wann sie das letzte Mal Wärme abgekriegt haben.

> Das scheint so ziemlich dasselbe zu sein und soweit es sich um
> Tiere/Menschen handelt habe ich auch keine Schwierigkeiten. Allerdings bin
> ich es leid im dunklen, nächtlichen Wald immer wieder gegen Bäume zu
> laufen, weil ich die angeblich nicht sehen kann, da sie keine Eigenwärme
> besitzen.

> Außerdem werde ich sofort von einer Fackel etc. empfindlich geblendet,
> obwohl IMHO das Auge die Helligkeitsdifferenzen wie normal ausgleichen
> müßte.

(Immer noch von Infrarotsicht ausgehend, vielleicht wollt ihr es ja so spielen und baut euch die Regeln entsprechend um:) Das ist normal! Du bist ja auch mit Deinen normalen Augen geblendet, wenn Du von einem dunkeln in einen hellen Raum kommst. Das neue, viel stärkere Licht / der neue Reiz überdeckt halt andere, man kann es evtl mit Geräuschen oder Gerüchen vergleichen.

> Schwerpunkt meiner Frustration ist, daß wir uns immer wieder - besonders
> bei Nacht oder in Höhlen - raufen, welche Objekte man sieht und nicht. Nach
> meiner Auffassung, sieht man feine Differenzen, da die meisten Objekte des
> täglichen Lebens (lebende Äste, Tiere, Bodenunterschiede..., nicht jedoch
> tote Äste!) auch nach einigen Stunden (in der Nacht) nicht auf
> Umgebungstemperatur abgesunken sind. D.h. sie sind kälter oder wärmer als
> die Umgebungsluft, so daß sich Schatten oder Lichtflecken abzeichnen
> müßten.
>
> Das wird von meinen (meistens) SL's verneint. (Und dazu würden mich Eure
> Kommentare interessieren)

> Nachschlag für die physikalisch interessierten Digester:
> Nach meiner Meinung verschiebt und verzerrt Nachsicht die
> Empfindlichkeits- Funktion (S) des Auges soweit in den roten
> Spektralbereich, daß ein signifikanter Teil davon im Infraroten liegt (bei
> einem Wellenlängenbereich von ca. 0.7 my bis 10 my sind das Temperaturen
> von einigen tausend K bis hinunter zu etwa 290K). (Anm. für Astronomen: das
> wäre der Bereich der I bis M-Filter)).
>
> Wohlgemerkt, wir reden nicht über extremes IR und Mikrowellen (obwohl das
> auch recht reizvoll wäre). Alternativ könnte S auch dupliziert werden,
> d.h. zusätzlich zum normalen Sehen sieht man auch im IR. Aufgrund der
> spektralen Breite müßte S aber immer gezerrt werden. Nach meiner
> Auffassung bedeutet dies immer, man sieht selbst kleinste IR--Unterschiede
> (Stichwort: 'Das Auge als Fabry-Perrot-Interferometer').
>
> Besonderheit meiner Auffassung: Sehen in Dunkelheit könnte auch bei Tag
> eingesetzt werden, etwa bei der Jagd.

Entweder das eine oder das andere! Sonst läufst Du ja quasi mit Flecken im Bild durch die Gegend! Da wo's warm ist, siehst Du dann mit den normalen Augen -was weiß ich- rote Flecken?!? Das dürfte doch nur irritieren! Wenn Du es allerdings doch als "richtige" Nachtsicht siehst - kein Problem !

Ich hab Nachtsicht immer so gespielt, daß die Leute auch im Dunklen noch 'n bißchen was gesehen haben, halt stärker, als in den Regeln, aber auch nicht als Infrarotsicht.

Markus Nickl schreibt:

Laut meiner Regelkenntnis funktioniert Nachtsicht als Restlichtverstärker, also wohl so ähnlich wie die Augen einer Katze (stellt sich die Frage, leuchten die Augen eines Nachtsichtigen im Dunkeln). Das bedeutet u.a. auch, daß ein Nachtsichtiger in völliger Dunkelheit auch nichts sieht.

Außerdem gibt es noch Infrarotsicht: Manche Rassen haben das angeborenermaßen (z.B. Orcs). Das funktioniert wohl in etwa so wie in dem MD-34 von Gunnar diskutiert und man kann sich da auch die Fragen stellen, die dort gestellt wurden. Stellt sich nur die Frage, ob das Problem dann noch so virulent ist, wenn es nur noch NPCs betrifft. So weit ich mich erinnern kann gibt es für Spielercharaktere keine Möglichkeit, Infrarotsicht zu erwerben (irgendwie erinnere ich mich aber dunkel an etwas mit Sehen in Dunkelheit (oder so) und doppelten Ap-Aufwand, der Infrarotsicht verleiht - aufjeden Fall macht doppelter AP-Aufwand beim Zauberspruch Unsichtbarkeit unsichtbar).

Bleibt noch die Frage nach der Empfindlichkeit Nachtsichtiger gegenüber plötzlichen Helligkeitswechseln. Ich würde das von der Lebensweise der betreffenden Rasse/Art abhängig machen und zwar in Analogie zum Tierreich: Während eine Katze, die auch tagaktiv ist, gegen plötzliche Helligkeitswechsel m.E. kaum empfindlich ist, scheint das bei Eulen, die hauptsächlich nachtaktiv sind, anders zu sein. Folglich würde ich nachtsichtigen Lebewesen, die hauptsächlich nachts aktiv sind oder in Höhlen leben (z.B. Dunkelelfen, Zwerge) diesen Malus geben, während tagaktive Rassen (Elfen) ihn nicht hätten.

Björn Rabenstein schreibt:

Die Fragen von Gunnar lassen sich in der Tat fast alle aus dem Regelwerk beantworten, insbesondere aus der Erklärung des Zaubers Sehen in Dunkelheit. Zum einen muß man wohl Gunnar recht geben, daß der Zauber (und generell die Infrarotsicht) eine Ausdehnung des Spektrums des sichtbaren Lichtes in den langwelligen Bereich bedeutet.

Offenbar wird davon ausgegangen, daß die energiearme Infrarotstrahlung wesentlich schwächer wahrgenommen wird als sichtbares Licht. So wird ausdrücklich erwähnt, daß bei Anwesenheit von sichtbaren Lichtquellen (wie einer Fackel) die Infrarotsicht nichts bringt (von geblendet ist allerdings auch nicht die Rede).

Für die Situation im Dunkeln muß beachtet werden, daß das Midgard-Regelwerk berücksichtigt, daß nahes Infrarot (genau wie sichtbares Licht) z.T. von Gegenständen reflektiert wird. Das heißt, daß Gegenstände nicht unbedingt selber warm sein müssen, um gesehen zu werden, sondern daß eine Infrarotquelle vorhanden sein muß. Es wird sogar ausdrücklich gesagt, daß ein Mensch für soviel Infrarotbeleuchtung sorgt (durch die Körperwärme) wie eine Kerzenflamme im sichtbaren Licht. Eine ganze Heldengruppe sorgt also für schummerige Infrarotbeleuchtung, bei der der Anwender von Sehen in Dunkelheit sich durchaus in einem kleineren Raum zurechtfinden kann, der ansonsten total kalt ist.

Aber noch eine andere Sache (wo die naturwissenschaftliche Diskussion schon vom Zaun gebrochen wurde): Bei der Infrarotsicht sieht man sehr schön die Grenzen der "wissenschaftlichen" Argumentation für Fantasybelange. Beim Zaubern Sehen in Dunkelheit) kann man noch alles damit erklären, daß es sich "eben um Magie" handelt, die kann eben einfach gegen Naturgesetze verstoßen. Schwierig wird es bei Wesen mit "natürlicher" Infrarotsicht (Beispiel: Orks). Auch Orks haben etwa 37 Grad Celsius Körpertemperatur. Ebenso wohl ihre (stark durchblutete) Netzhaut. Wenn aber Infrarotsicht bis etwa 20 Grad (257K) heruntergehen soll, dann blendet sich der Ork andauernd selber, weil seine 37 Grad "heiße" Netzhaut sich selbst "beleuchtet". Bei dieser nahen und starken Infrarotlichtquelle sind Infrarotlichtsignale von außen nicht mehr wahrnehmbar. Deshalb werden Infrarotkameras, die schon Temperaturen von 20 Grad aufnehmen sollen, sehr gut gekühlt. Wenn wir also keine gekühlten Orkaugen wollen, dann muß die Fantasy ein bißchen die Physik ignorieren.

Apropos Ork und Infrarot: Wir haben mal eine Kurzkampagne mit Orks gespielt (drei Geschwister). Ich war ein cleverer Schamane. Unsere Überfälle auf reiche Kaufleute und ähnliche Mieslinge gingen folgendermassen sehr erfolgreich über die Bühne: Ich zauberte aus dem Gebüsch Bannen von Licht, wodurch kein Mensch mehr gucken konnte, wir Orks (im Infrarotbereich) aber noch bestens. Dann haben meine kriegerischen Brüder die ganzen unterentwickelten Menschen (noch nicht mal Infrarotsicht, tztz...), die verzweifelt im Dunkeln standen, abgeschlachtet. Harharhar...

Robert Wenner ,
Markus Nickl ,
Björn Rabenstein

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