Mystische Völker

ein Artikel von Carsten Grebe

Im zweiten Teil dieser Rubrik soll nun die Sprache sein vom Hügelvolk, eine uralte Rasse elbenähnlicher Herkunft, deren Wurzeln im fernen Waeland liegen und die vor ewigen Zeiten den Weg nach Erainn gefunden haben...

Kaum daß ich meine Erzählung beendet hatte, sah ich ungläubiges Staunen in den Augen meiner Zuhörer. Doch war jedes Wort wahr gesprochen, jede Begebenheit selbst erlebt während meiner langen Wanderschaft durch die saftigen Auen Erainns. Natürlich mag es nur wenige geben, die meine Worte bezeugen können, wen mag es aber wundern, handelt es sich bei meinen Geschichten doch allesamt um Geschöpfe, die mit magischer Wesens- und Urkraft reichlich beseelt sind. Ein kurzer Blick meiner altersstarren Augen sagt mir, daß ein Unwetter diese friedliche Nacht heimsuchen wird, doch davon haben meine Zuhörer keine Ahnung. Mich fröstelt, die wenigen Scheite, die das Feuer im rußgeschwärzten Kamin am Leben erhalten, werden nicht mehr lange wohlige Wärme spenden. Laßt mich noch ein paar tiefe Züge aus meiner alten Meerschaumpfeife genießen, und ich werde euch von meiner zweiten sonderbaren Begegnung künden, die nur unweit der alten Eiche stattfand, unter dessen sturmgepeitschten Ästen ich mich mit dem naseweisen Pixie unterhalten durfte. So lehnt euch zurück und höret, was zu erzählen ich nun in der Lage bin...


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[Blauanteil heraufgesetzt]

Die Geschichte des Hügelvolkes

In grauer Urzeit lebte das Hügelvolk unter ihrem König Sala im Norden Midgards - als dieser Teil der Welt noch allein den alten Völkern gehörte - in einem weiten, bewaldeten Hügelland, die heutigen Windlande Waeland. Es kam die Zeit, als dem König Kunde überbracht wurde, daß man tief in dem Schoß der Hügel auf ein unbekanntes, silbrig glitzerndes Erz gestoßen sei, das eine hohe magische Ausstrahlung aufwies. Dies nahm Sala zum Anlaß, seine fähigsten Magiewirker zusammenzurufen und sie anzuweisen, ein Artefakt von auserlesener Reinheit und Schönheit herzustellen. Viele Nächte lang ruhte das Schmiedefeuer nicht mehr in den unterirdischen Gewölben, bis es schließlich eines Tages den Erdmeistern gelang, die magische Urkraft des Erzes in einem kopfgroßen Stein zu fangen, der einen intensiven, bläulichen Glanz verbreitete.

König Sala befahl daraufhin, den Stein an den höchsten Punkt ihrer unterirdischen Hallen anzubringen, auf daß sein Glanz die Heimstatt seines Volkes erleuchten möge. Und tatsächlich wob der Stein fortan ein Leuchten von solcher Schönheit und Helligkeit, daß sein Glanz sich auf den Gesichtern und Körpern der Bewohner widerspiegelte, die daran äußerstes Gefallen fanden und nach und nach ihre Feste lieber hier als unter dem Schein der Sonne feierten.

So verstrichen viele Jahre, neue Zeitalter brachen an und vergingen auch wieder. Die Welt vergaß so langsam die Existenz des Hügelvolkes. Die unsterblichen Elblinge aber litten nun allmählich unter der Einsamkeit ihrer kleinen Welt und beschlossen unter der Führung ihres Königs Sala wieder den Erdboden Midgards zu erklimmen. Doch oben angekommen, stellten sie mit Schrecken fest, daß ihre Haut im Laufe der Zeit einen bläulichen Schimmer angenommen hatte, der sie äußerst empfindlich gegen die Strahlen der Sonne machte. Die älteren bekamen eine graue, rissige Haut, während die Jüngeren unter ihnen gänzlich zu Stein erstarrten. Sie entfernten den unheilvollen Stein, doch die Wände strahlten unablässig den blauen Glanz ab, so daß das Hügelvolk gezwungen wurde, seine Heimat zu verlassen.

Sie begaben sich auf eine lange Wanderschaft, reisten im Schutze der Nacht und erbauten mit Hilfe ihrer uralten Magie, der Wirkkraft des magischen Elbenkönigsliedes - das zu Zeiten der Geburt des Elblinggeschlechtes ihnen von ihrem damaligen Führer Seamhainn gelehrt wurde, mittlerweile auf den Flügeln der Zeit in Vergessenheit geriet und heute nur noch ein paar wenigen Elben bekannt ist - ihre Wohnstätten. Auch ihnen war es nicht vergönnt, fehlerfrei mit dieser mächtigen Magie umzugehen, so daß es zu vielen Unglücken kam und sie sich Schutzmechanismen entwickeln mußten (z.B. Zerschneiden der Saiten des Instrumentes). Immer wieder trafen sie auf feindselige Völker und mußten weiterziehen, bis sie nach langer Wanderung endlich das zerklüftete Land des Earagadh Bruinen im fernen Erainn erreicht hatten, wo sie bis in die heutige Zeit ihre neue Heimat gefunden haben.

Das Hügelvolk

...ist zwischen vier und sechs Fuß groß. Ihre hochgewachsenen, schlanken Frauen sind anmutig und schön. Sie haben schöne Brüste und klangvolle Stimmen. Männer wie Frauen tragen farbenfrohe Bauerntrachten, rot, grün oder dunkelgrau. Solange ihre Haut nicht mit der Sonne in Berührung kommt, schimmert sie lichtblau. Trifft sie jedoch ein einziger Sonnenstrahl, wird die Haut dunkel und alt oder der Körper verwandelt sich in Stein.

Hügelvolk (Menschenähnliche)
Gr.1, LP 3W6, AP 1W6+2, Res.+14/16/14
OR, RW 60, HGW 60, B24
Abwehr+13, Angriff: Waffe+6 (vorzugsweise Schwert, Armbrust)
Bes.: Nachtsicht

Die Angehörigen des Hügelvolkes, deren hohes Alter nur von ihren Kenntnissen und Fertigkeiten übertroffen wird, sind Meister der Schmiedekunst und findige Mechaniker, denen alle Geheimnisse der alten Runen bekannt sind. Sie leben in Hügeln, wo sie ein normales Dorfleben führen, mit Hunden, Kindern, Festen, Tänzen und nachbarlichen Zwisten.

Der Arbeitstag des Hügelvolkes beginnt im Zwielicht und endet im Morgengrauen. In dieser Zeit schmieden sie ihre berühmten Schwerter, schwere Töpfe und Pfannen, kostbare Armreifen, Messer und Kettenhemden. Die Frauen beschäftigen sich mit Brauen, Backen, Säen, Viehzucht und Kinderhüten. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist der Tanz. In warmen Sommernächten oder bei Vollmond kann man sie vergnügt zu ihren Fiedeln springen sehen. Es heißt, daß sie das geheimnisvolle Elbenkönigslied kennen, jene Musik, die begeistert und erquickt, und selbst Bäume und Steine zum Tanzen bringt.

Um den Tanz zu beenden, muß der Fiedler die ganze Melodie rückwärts spielen oder ein anderer die Saiten seines Instruments zerschneiden. Die wilden Tänze des Hügelvolkes währen die ganze Nacht. Doch wenn der Hahn zum erstenmal kräht, brechen sie eilig auf, um nach Hause zu kommen. Sie wissen, wer beim dritten Hahnenschrei von der aufgehenden Sonne überrascht wird, erstarrt zu Stein oder sein strahlendes Gesicht wird faltig, grau und alt.

Verbreitung

Ihre Heimat liegt - genauso wie bei den Pixies - im Landstrich des Móintalainn (Land der verzauberten Hügel). Dort haben sie im zerklüfteten Earagadh Bruinen in Hügeln und Erdwällen ihre Wohnstätten gebaut. Das Land der verzauberten Hügel verdankt seinen Namen nicht unmerklich dem Hügelvolk, da vor allem ihr Wissen um das geheimnisumwobene Elbenkönigslied die Landschaft nachhaltig geprägt hat und so in den Erzählungen und Sagen der Erainner jenes mystische Flair besitzt.

Das magische Elbenkönigslied

Stufe G 18 AP Zd 30 min
psy/man Rw - Wb 200m Ke Wd -

Instrument: Harfe oder Laute

Der Barde belebt mit diesem Lied seine Umgebung und bringt diese gleichsam unter seine Kontrolle. Mit dieser Magie kann er Felsen und Gräser zum Tanzen bringen, den Erdboden in Bewegung versetzen und feste Materie verformen. Gelingt es dem Barden nicht, die schwierige Melodie zu meistern, entgleiten ihm nach und nach seine bewegten Objekte, die dann ein unkontrollierbares Eigenleben entwickeln.

Da die genaue Tonabfolge auch den ältesten des Hügelvolkes nicht mehr bekannt ist, schufen sie einen Gegenpol gegen die ausufernde Magie des Liedes. Durch das anschließende Rückwärtsspielen der gesamten Melodie werden die belebten Objekte, gezähmt" und die Wirkung des Liedes rückgängig gemacht (diese Art benutzen sie bei ihren Feiern, wenn sie mit ihrer Umgebung um die Wette tanzen).

Eine andere Möglichkeit besteht im Zerschneiden der Saiten des (magischen!) Instrumentes, was die Wirkung der Magie zu diesem Zeitpunkt abrupt unterbricht, die bisherige Wirkung aber nicht aufhebt (mit dieser Methode verändern sie ganze Landschaften, weshalb dieser Landstrich von der erainnischen Bevölkerung auch Land der verzauberten Hügel genannt wird; das magische Instrument ist damit aber auch zerstört).

Die Rechte des Artikels liegen beim Autor.

Gruß von den DausendDodenDrollen

Stefan Hemmerich (Hemmus)

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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