Probleme mit Priestern ?

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Wie Du schon meintest, wie der Charakter gespielt wird liegt eben an den Spielern. Grundsätzlich aber ist gegen den Priester als Erste Hilfe Kasten nichts einzuwenden (man braucht in vielen Spielen unbedingt einen solchen).

Die Rolle sollte sich aber nicht darauf beschränken. Bei uns werden Priester sogar oft zu den Initiatoren oder Hauptfiguren des Spiels aus folgenden Gründen: sie sind prädestiniert dazu, auch ohne materielle Belohnung eine Tat im Namen des Guten (d.h. ihrer Gottheit) zu unternehmen.

Priester sind (auch gerade bei Midgard) diejenigen Charaktere, die mit dämonischen Kräften am besten fertig werden können. Priester können mit den Eigenheiten ihres Glaubens interessante Nebenhandlungen initiieren, die manchmal sogar das eigentliche Abenteuer verdrängen (was für den Spielleiter u.U. entnervend sein kann).

Beispiele:

Nilanthos, Priester des Thorndar (Kriegsgott, verehrt vor allem in Valian) (Midgard-Charakter) Hier kam alles zusammen, schon bei seiner Geburt (Ausgewürfelt):

St:96 im dritten Grad gesteigert auf 100
Ge:92
Zt:98 im fünften Grad gesteigert auf 100
Was macht man mit einem solchen Mutanten ? Zauberer soll er sein, Kämpfer offensichtlich auch, also ist Kriegspriester seine wahre Berufung. Und so trat Nilanthos in die Welt, um für das gute, wäre, gerechte zu kämpfen.

Nilanthos ist in unseren Abenteuern oft der einzige gewesen, der Heilkraft besaß, außerdem bringt er genügend andere Fähigkeiten mit ein, um sich in jeder Situation helfen zu können. Es wäre schwer gewesen, diesen Charakter zu einer Nebenrolle als reiner Sanni abzuwerten. Zugegeben, ein Extremfall.

Arifex, Priester des Mammon (der Name der Gottheit spricht für sich) (MERS-Charakter)

Dieser Animist war von seinen Werten ziemlich durchschnittlich, dafür durch seinen Hintergrund um so interessanter. Neben seiner Heilkraft war er für jede Menge Nebenhandlungen gut. Sobald ein Dieb gefunden wurde, war er der erste, der forderte, dessen Hände müßten abgeschlagen werden. Jeden Bettler nannte er armen Sünder und hatte mindestens ein Bronzestück für ihn übrig, um ihn "im Glauben zu stärken". Einmal hat er sogar gegen Bezahlung vor einem Gericht gegen einen seiner Gefährten ausgesagt. Zu seiner Ehrenrettung muß gesagt werden, daß er die Strafe desselben gezahlt hat und trotzdem noch einen hübschen Gewinn sein eigen nennen konnte.

Langer Rede, kurzer Sinn: wer seinen Charakter zu einer Nebenrolle stempeln läßt, ist selber schuld. Jeder Charakter bietet interessante Möglichkeiten zur Ausgestaltung, die genutzt werden sollten. Und gerade bei Priestern und ähnlichen Gestalten sollte eine Ausgestaltung nicht durch den Meister, sondern durch den Spieler erfolgen.

Philipp Lohmann

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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