Gilde der Folterer

Allgemeines

Vergangenheit:

Solange es Justiz und Hierarchie, Richter und Anklagen, solange es das Böse im Menschen gibt, so lange wird Recht gesprochen und Urteile vollstreckt, und so lange gibt es die Folterer oder Henker.

Um Verstümmelungen, Prügel- und konsequenterweise auch die Todesstrafe korrekt durchführen zu können, benötigt die Justiz eine spezielle Gruppe von Menschen, die auf ihre Weise hoch- spezialisiert und -qualifiziert ist. Damit aus einer Prügel- strafe wegen Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Voll- ziehenden keine Todesstrafe wird, muß ein hoher Standard von medizinischen und anatomischen Kenntnissen (nicht zu vergessen die große Bedeutung, die der fachgerechte Umgang mit dem zwei- oder anderthalbhändigen Henkersschwert besitzt), garantiert sein.

Daher wurden Institutionen geschaffen, die Henker und Folterer auf gleichbleibend hohem Niveau ausbildete. Früher vom Gericht selbst finanziert, gründete der mittlerweile fast legendäre Henker Severin der Strenge vor mehreren hundert Jahren die Gilde der Henker und Folterer, die nun die Vollstrecker des irdischen oder diesseitigen Rechtes ausbildet.

Gegenwart:

Die Gilde der Folterer (im offiziellen Sprachgebrauch der Severinsorden) ist in jeder größeren Stadt mit einem Gildenhaus vertreten, in kleineren Städten ist zumindest einer ihrer Angehörigen zugegen, jedoch sind ihre Mitglieder nicht besonders zahlreich, obwohl allgegenwärtig.

Die Gilde besitzt einigen Reichtum, denn anders als das Geschäft der anderen Gilden geht ihr Geschäft niemals wirklich schlecht. Im Gegenteil, wenn es dem Reich schlecht geht (Krieg/Unruhen), bekommt die Gilde die meisten Aufträge oder Klienten (Deserteure, Aufmüpfige), und da die meisten Folterer äußerst spartanisch leben, häuft sich das Vermögen an, ohne, daß die Folterer sich darum besonders bemühen müßten.

Die Gildenmitglieder folgen den Prinzipien (evntl. Göttern) der Gerechtigkeit und des Gesetzes, jedoch auch der Gnade und des Mitleids, was dem Charakter der Folterer jedoch zu widersprechen scheint (siehe weiter unten).

Die Gilde ist politisch äußerst orthodox, sie sind dem jeweiligen Herrscher loyal und werden sich mit aller Gewalt (sprichwörtlich) gegen Aufrührer stellen, dies jedoch nicht im eigentlichen Kriegsdienst, sondern vielmehr im Sinne einer Geheimpolizei. Geltendes Recht werden sie immer einhalten. Denn Verfehlungen des Einzelnen würden die ganze Gilde in Verruf bringen.

Hierarchie

Innerhalb der Gilde gibt es die klassische Gildenunterteilung von Lehrling, Geselle, Meister und Großmeister.

Der Lehrling:

Lehrling ist jeder, dessen körperliche Kräfte und Präzision nicht ausreichen, um sehr gut mit dem Henkersschwert umgehen zu können. Ihm werden alle Kenntnisse vermittelt, die er bei der Folterung benötigt, und selbst, wenn der Lehrling nicht gut oder kräftig genug ist, um Geselle zu werden, dann wird aus ihm noch immer ein passabler Bader oder Feldscher.

Er ist Zeuge von Folterungen, und geht den Gesellen oder Meistern dabei zur Hand, jedoch darf er sich nicht daran beteiligen, und ein Henkersschwert zu berühren ist verboten und wird drakonisch geahndet. Jedoch wird an einem Holzschwert mit gleichem Gewicht der Umgang mit der Richtwaffe geübt.

Der Geselle:

Der Lehrling kann sich der Gesellenprüfung unterziehen, wenn er sicher und kraftvoll mit dem Bihänder umgehen kann, was als Zeichen von körperlicher Reife gedeutet wird.

Die Gesellenprüfung besteht in einer theoretischen Abfrage von Wissen, das bedeutet, Recht, Medizin, Gildengeschichte und einfache Psychologie (Was tue ich, wenn der Klient die Vorstellung durch sein Verhalten zu einem für das Publikum unbefriedigenden Erlebnis macht) und einem praktischen Teil. Der Prüfling muß demonstrieren, daß er sich auf die Handhabe der manchmal sehr komplizierten Geräte versteht.

Die letzte Probe bezieht sich auf die Präzision. In einen Richtblock wurde eine Kerbe geschlagen, die weniger als einen kleinen Finger breit ist, und diese Kerbe muß der Prüfling exakt treffen (Präzision) und vertiefen (Kraft).

Bei Bestehen der Prüfungen wird der Lehrling in den Stand eines Gesellen erhoben. Fortan darf er die Kleidung eines Folterers tragen und erhält ein Henkersschwert, das speziell auf seine Bedürfnisse angepaßt worden ist. Er lernt, zu vollstrecken und darf dann auf Wanderschaft geschickt werden.

Der Meister:

Um zum Meister zu werden, muß sich der Geselle in der Welt bewähren, auf seiner Wanderschaft wird er viele Urteile vollstreckt haben und andere, wandernde Meister werden sich sehr eingehend bei den lokalen Autoritäten erkundigen, ob der Geselle zur Zufriedenheit aller seine Aufgaben erfüllt hat.

Sollte dies der Fall sein, gilt der Geselle als bewährt und darf die Bezeichnung Altgeselle führen. Er wird daraufhin in sein Heimat-Gildenhaus zurückgerufen und nach dem Ratschluß der versammelten Meister und einer Belehrung über seine Pflichten durch den örtlichen Großmeister, in den Stand eines Meisters erhoben.

Meister sind hochgeachtet innerhalb der Gilde, denn sie haben eine äußerst strenge und schwierige Ausbildung hinter sich gebracht und sind sprichwörtlich "Herren über Leben und Tod".

Außerdem ist die Zahl aktiver, also noch tätiger Meister ziemlich gering, denn der hohen nervlichen und körperlichen Belastung, die ihr Beruf mit sich bringt, sind nur junge Menschen gewachsen, und die Sterblichkeit unter Gildenangehörigen ist relativ hoch, Lehrlinge sind psychisch oder physisch ungeeignet, Gesellen erliegen den Strapazen (Räuber, Unwetter usw.) der Wanderschaft oder werden verkrüppelt, auch ist die Selbstmordrate relativ hoch, denn es gab relativ viele Gesellen, die sich in Opfer verliebten.

Sollten Lehrlinge körperliche Schäden (Verkrüppelung) davontragen, werden sie nicht in den Stand eines Gesellen erhoben und es wird ihnen nahegelegt, die Gilde zu verlassen. Sollte dasselbe Gesellen widerfahren, werden sie niemals Meister, jedoch können sie zu Altgesellen aufsteigen und als solche bei der Ausbildung von Gesellen und Lehrlingen helfen.

Sollte einem Foltermeister eine Verkrüppelung widerfahren, so verhält es sich mit ihm ähnlich. Er darf zwar alle Insignien seiner Würde behalten, jedoch darf er nicht mehr vollstrecken und auch den Titel Meister nicht mehr führen, er wird somit Meistergeselle und kann nicht hoffen, diesen Rang einmal hinter sich zu lassen. Denn Krüppel werden als ungeeignet angesehen, das Ritual ordnungsgemäß zu vollstrecken.

Kann der Folterer sehr gut auf sich achtgeben, um dieser Gefahr zu entgehen, so ist er jedoch nicht vor dem Alter gefeit, was seine Leistungsfähigkeit ebenfalls herabsetzen wird. Alte, also inaktive Meister bilden die Lehrlinge und Gesellen aus.

Meister sind befugt, Gildenhäuser zu führen, und die örtlichen Autoritäten achten sie sehr, denn ohne die Meister würde das ganze Justizsystem zusammenbrechen.

Wandern die Gesellen, so sind die Meister entweder in ihrem Amt an einem Ort (in ihrer Stadt), jedoch werden sie auch versetzt oder befinden sich auf Wanderschaft, wenn es in den Städten genug Meister gibt.

Sollten verurteilte Verbrecher entkommen, wird den losgeschickten Kopfgeldjägern oder Söldnern häufig ein Meister mitgegeben, damit der Flüchtige ordnungsgemäß "betreut" werden kann. Das Urteil wird vollstreckt, sobald ein angemessenes Publikum zugegen ist.

Meister der Gilde der Folterer werden selten in anderer Kleidung als der ihres Ordens angetroffen und selten mit einer anderen Waffe als dem Henkersschwert, es sei denn, sie sind dazu gezwungen.

Großmeister:

Der erfahrenste Meister einer Stadt ist der Großmeister, jedoch sind die Meister ihm nur bedingt Rechenschaft schuldig. Der Großmeister verkehrt mit dem hohen Adel und er entscheidet über die Erhebung eines Gesellen in den Meisterstand, ein relativ seltenes Ritual, da es nur wenige Angehörige der Gilde gibt.

Die Gildenhäuser

Häufig leben einzelne Meister (nur Vertreter ihrer Gilde in kleinen Ortschaften) nach Möglichkeit in abgelegenen Türmen (wenn kein Turm vorhanden, dann nehmen sie auch mit Häusern vorlieb). Das hat ihnen den Ruf eingetragen, etwas seltsam zu sein und die Einsamkeit zu lieben. In Wirklichkeit ist der Folterer der normalen Menschheit einfach zu weit entrückt, denn er hat sein ganzes Leben in der Gilde zugebracht und kann nicht aus seiner Haut.

Die Gildenhäuser in den großen Städten sind schmucklose kleine, aber wehrhafte Festungen, denn in ihren Mauern sind auch die Verurteilten untergebracht, und bereits einige Male mußte die Gilde Verurteilte vor einer lynchwütigen Menge beschützen. Fast alle Gildenhäuser sind nach demselben Schema gebaut, damit sich ein Folterer sofort in jedem der Gildenhäuser zurecht findet.

Der Folterer

Tracht:

Der Folterer trägt selten Panzerung, um seine Beweglichkeit nicht einzuschränken, Arm- und Beinschienen kommen jedoch eher vor als Helme oder Harnische, Leder wird vor Metall den Vorzug gegeben.

Zur Amtskleidung eines Folterers gehören verstärkte Lederhandschuhe in schwarz, die auch in geschnürte Armschienen übergehen können und in diesen verstecken sich bei manchen Folterern Wurfdolche. Schwarze, hohe Stiefel, die ebenfalls in Beinschienen übergehen können, schwarze Hose und Hemd, beides häufig mit einem dunklen Rot abgesetzt.

In der Farbgebung der Kleidung achtet der Folterer immer darauf, daß das vergossene Blut keine Spuren auf der Kleidung hinterläßt, sondern von der Farbe überdeckt wird. Weibliche Folterer tragen meistens Roben, doch gibt es dabei keine Vorschriften.

Charakteristisch an einem Folterer ist jedoch sein schwarzer Mantel, bei Meistern mit schwarzem Fell abgesetzt, bei bedeutenden Meistern im Winter auch mit Fell gefüttert, der ihn auf der Wanderschaft vor den Unbilden des Wetters geschützt hat, und unter dessen Kapuze man neugierigen Blicken entgehen kann.

Das zweite typische Merkmal eines Folterers ist die lederne Maske, die manchmal mit geschwärztem Stahl beschlagen ist. Sie bedeckt das ganze Gesicht.

Schmuck wird wenig getragen, doch dankbare Obrigkeiten bezahlen Folterer auch manchmal mit Schmuck, der dann aus Höflichkeit getragen wird, doch - wie die Autoritäten und Schenkenden wissen - duldbar an Schmuck sind nur silberne Ringe, die über den schwarzen Handschuhen getragen werden, oder silberne Ketten oder Stirnbänder aus filigranem Silber. Diese dienen dazu, das bei Männern und Frauen gleichermaßen lange Haar zurückzuhalten, denn Folterer sind häufig eitel, da sie ähnlich wie Schausteller im Mittelpunkt öffentlichen Interesses stehen.

Das Henkersschwert wird auf dem Rücken getragen. Es besitzt keine Spitze, denn es ist nicht zum Stoßen gedacht, die Spitze ist meist rund (zur Amputation von Fingern oder Fingergliedern geeignet), oder zackenhaft verziert. Die Klinge ist selbst hohl und mit Quecksilber gefüllt.

Ungeübte können das Schwert nicht wie eine normale Waffe führen, sie werden erhebliche Schwierigkeiten damit haben. Das Quecksilber dient dazu, dem Schlag mehr Wucht zu verleihen (+1 Schaden). Manchmal sind Heft und Knauf in Form von Knochen gearbeitet.

Anlagen:

Stärke, Vitalität und Präzision sind in der Gilde wichtiger als Intelligenz oder Beweglichkeit. Die Vitalität ist durch das anstrengende Leben während der Gesellenjahre entweder besonders hoch oder durch dort erlittene Krankheiten und Hunger herabgesetzt. Wenn sie herabgesetzt ist, dann muß die Intelligenz erhöht sein.

Nachteile:

Viele physische Nachteile (Blindness, Bad Sight, usw.), kommen für aktive Folterer nicht in Frage. Diese Leute sind fit und sehr überlebenstüchtig. Gesellen oder Lehrlinge, die Impulsiveness, Bad Temper oder Beserk als Nachteile haben, können per definitionem keine Meister werden.

Als Gesellen und Lehrlinge haben die Folterer kein Geld (Poor), und selbst als Meister sind sie knapp bei Kasse, es reicht zum Leben, aber nicht viel weiter. Ihre Ausstattung ist gut (sehr gute Schwerter, gute Stoffe für Kleidung), jedoch besitzt der Folterer außer diesen Dingen nichts Eigenes. Dafür kommt die Gilde für ihn im Alter auf. Fanatism, Jealousy und Paranoia sind denkbar. Es soll sogar Fälle von Sadismus (NPC's only) gegeben haben, dies jedoch behindert den Folterer sehr in der korrekten Ausführung seiner Aufgaben.

Vorteile:

Legal Enforcement (ab Meister), Status (ab Meister), Strong Will (durch Ausbildung bedingt, daher sind Gildenmitglieder auch weniger anfällig für körperliche Schmerzen).

Fähigkeiten:

Der Folterer erwirbt Grundkenntnisse über das Rechtswesen, über Medizin (First Aid, manchmal Physician), Geschichte Gilde, Verhören, Stage Acting/Performance, Two-Handed Sword, Area Knowledge Skills, Administration, Leadership, Savoir-Faire, Detect Lies, Riding, Brwaling, Cooking, Survival Skills

Charakter:

Folterer ziehen sich zwar häufig den Haß der Massen zu, zumindest werden sie häufig verabscheut oder gemieden, jedoch geht von ihnen - schon wegen ihrer Kleidung - etwas Faszinierendes aus. Sie haben Ausstrahlung, sie haben vieles erlebt und sie sind häufig sehr schillernde Persönlichkeiten (Maximum an Quirks).

Sie sind soweit gebildet, daß sie mit Obrigkeiten reden können, und sie sind darauf bedacht, da ja ihr Amt ein sehr öffentliches ist, eine gute Show zu liefern (sie nennen es häufig "Vorstellung"), das reicht vom effektvollen Aufwärmen mit dem Bihänder bis zum graziösen Niederknien, nachdem ihnen ihr Sold in einem schwarzen Lederbeutel traditionell vor die Füße geschleudert wurde.

Es sind daher würdevolle und beherrschte Menschen, die genau wissen, was sie tun, und das sieht man ihnen an. Sie tun nichts, ohne nicht genau über die Konsequenzen Bescheid zu wissen.

Es sind meist privat sehr umgängliche Menschen, wenn ihr Humor auch sehr schwarz ist, oder wenn sie sich auch recht häufig in die Einsamkeit ihrer kargen Zelle zurückziehen. Viele sind nachdenklich oder melancholisch, aber die meisten wissen Beruf und Privatleben sehr wohl zu trennen.

Sie gleichen in vielem Kriegern, jedoch werden sie nie grob oder derbe, und sie haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden (wenn dieses jedoch in vielen Fällen subjektiv ist oder von dem Landstrich, in dem sie aufgewachsen sind, entsprechend ideologisch gefärbt ist).

Mareen Göbel

Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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