Die Chroniken der Engel

Name: Die Chroniken der Engel

Art: Grundregelwerk
276 DIN A4-Seiten, farbiges Hardcover
3 DIN-A4 Bögen mit zus. 23 Spielkarten

ISBN: 3-93528-226-5

Preis: 38 Euro

Kontakt:
Feder & Schwert
Wasserwerkstraße 204, 68309 Mannheim
EMail: verkauf@-SPAMSCHUTZ-feder-und-schwert.com
Homepage: www.engel-net.com

Schreibstil & Qualität

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Illustration & Aufmachung

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Spielspaß & Nutzen

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Preis / Gegenwert

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Chroniken der Engel für Nicht-Engel-Spieler:
Engel spielt auf dem ersten Blick in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt (bzw. Europa) die unserer geographisch in vielen Punkten sehr ähnlich ist. Allerdings wurde viel Landfläche von Wasser überflutet und sogenannte Fegefeuer versengen das Land und verdunkeln es durch ihren Rauch.
Die größte irdische Macht stellt die Angelitische Kirche dar, die sogar echte Engel - mit gefiederten Flügeln und göttlichen Fähigkeiten - als Streiter einsetzt.
Der größte Feind der gebeutelten Menschheit stellt der Herr der Fliegen (Teufel) dar, der seine insektoiden Dämonen, die Traumsaat, als fürchterliche Waffen einsetzt.

Engel wird mit zwei Spielsystemen ausgeliefert. Das Arkana-System fördert das freie Rollenspielen durch den Einsatz von Tarotkarten und den Verzicht auf Würfel. Das andere System ähnelt dem D20-System (basiert auf der OGL) das auch in Dungeons&Dragons 3 verwendet wird und ermöglicht klassisches Rollenspiel.

Engel ist in inzwischen zu einer sehr erfolgreichen Fantasy-Serie avanciert, die durch hohe Qualität glänzt und inzwischen sogar in englischer Übersetzung vorliegt.

Als ich endlich die Zeit finde, diese Rezension zu verfassen, hat Chroniken der Engel bereits Rollenspiel-Geschichte geschrieben - und das nicht nur im deutschsprachigen Raum sondern International. Dieser Umstand verwundert mich kein bißchen, außer wenn ich an die Zeit vor Engel zurückdenke und mich an die Witze erinnere, die wir über den Arbeitstitel "Engel" machten. Heute ist das Belächeln der Beachtung einer tollen Leistung gewichen.

Chroniken der Engel hat einen recht ungewöhnlichen Hintergrund und auch das hauseigene Spielsystem ist innovativ. Das Genre von Engel läßt sich irgendwo zwischen Science Fiction, Fantasy, Horror und Endzeit einordnen - also letzten Endes gar nicht. Der Einfachheit halber wird Engel in die Schublade Endzeit gesteckt, kann aber je nach Spielleiter auch Sprünge machen und komplette Kampagnen in den anderen Genre spielen lassen. Beeindruckend phantasievoll.

Beim Spielsystem hat man sich nicht auf eines festgelegt, sondern die (amerikanische) Begeisterung für das D20-System durch die Verwendung der OGL-Regeln genutzt und parallel dazu das selbst erschaffene Arkana-System hinzugefügt, daß wenig Würfelwürfe und mehr Storytelling forciert - durch den Einsatz von tarotähnlichen Spielkarten.

Optik
Bereits beim ersten Wiegen des Hardcovers, dem Durchblättern der 276 Seiten und vorsichtigen Herauslösen der güldenen Arkana-Spielkarten, wird einen bewußt, daß sich jemand hier gewaltige Mühe gegeben hat, ein kleines Meisterwerk zu schaffen.
Die Illustrationen stellen eine Mischung aus klerikalen Motiven, Symbolen und sehr fantasylastigen Bildern dar - die stets eine gewisse Schwere und Finsternis transportieren. Auch wenn die Zeichenstile leicht variieren, so kann man allen Illustrationen eine Technische Perfektion zusprechen. Auch die Tatsache, daß sich nur zwei Künstler die komplette Illustrationsarbeit teilten macht sich durch Homogenität positiv bemerkbar.
Dieser Augenschmauß geht so weit, daß für Engel ein eigener Schriftsatz entworfen wurde, der über Lettern mit besonders auschweifenden Schnörkeln verfügt.

Hintergrund
Engel überschwemmt den Leser mit einer facettenreichen Spielwelt, ohne dabei unstrukturiert oder unübersichtlich zu wirken. Auch bleibt die Hoffnung unerfüllt, daß eine lückenlos beschriebene Landkarte und Gesellschaft präsentiert wird - hier finden sich ausreichend Freiräume für eigene Kreativität.
Kleine Geschichten zu Beginn jedes Kapitels schaffen eine exzellente Atmosphäre und ziehen sich wie ein roter Faden quer durch den Band. In den Kapiteln wird über den geschichtlichen Hintergrund berichtet, was häufig aus der Sicht der mächtigen Kirche bzw. einem ihrer Diener geschieht. Dadurch erhalten die Informationen häufig eine emotionale Tiefe, die besser im Gedächtnis verbleibt und den Spielleiter auch bei der späteren Gestaltung seiner NSC-Figuren unterstützt.

Wir schreiben das 27. Jahrhundert und befinden uns auf unserer Erde. Eine große Katastrophe hat das Gesicht der Erde in Mitleidenschaft gezogen und weite Teile der heute bekannten Kontinente sind unter Wassermassen bedeckt oder verbrannte Erde (Fegefeuer ließen die Polkappen abschmelzen). Eine Vielzahl von Menschen wurde von Seuchen (Veitstänze) vernichtet und der Rest stürzte ins Chaos.

Diese Begebenheiten legen den Grundstein für eine neue Angelitische Kirche (an ihrer Spitze dem Pontifex Maximus Petrus Secundus) die schnell an Bedeutung gewinnt, sie verbietet den Menschen außerhalb der Kirche, die Nutzung von Technik, Büchern und Wissenschaft und sorgt so für einen Rückfall in das finstere Mittelalter.
Ihre Pläne setzt sie gegenüber Widerständlern mit Templer-Heeren durch, bis eines Tages die ersten Engel auftauchen, deren Präsenz schließlich einige wichtige Schlachten für die Angelitische Kirche entscheidet.
Den Engeln werden angemessene Behausungen errichtet, die gewaltigen Türmen mit Landeplattformen gleichen und viele Tausend Individuen in sich beherrbergen können. Diese Himmel genannten Bauwerke überschatten die noch existierenden Metropolen auf dem Europäischen Kontinent.

Die sich bewegenden Fegefeuer (himmelshohe Feuersäulen) werden schließlich zur Brutstelle der Traumsaat - insektenartiger Monstren die alles Leben bedrohen und einer Macht untergeordnet zu sein scheinen - dem Herrn der Fliegen. Die Bekämpfung der Traumsaat und ketzerischer Widerständler wird zur Hauptaufgabe der Engelscharen und Templerheere.
Doch der Untergang scheint einmal mehr unaufhaltsam, denn während die Bedrohungen und Intrigen gegen die Menschheit eher noch zunehmen, scheinen die besten Tage der Engel langsam gezählt zu sein.

Engel
Obwohl Chroniken der Engel eine Vielzahl von möglichen Charaktertypen zum Spiel anbietet (Geistlicher, Templer, Beutereiter, Söldner oder einfacher Bürger) sind es vor allem die Engel, die den Reiz dieses Spiels ausmachen. Da es fünf verschiedene Orden von Engel gibt (einst waren es einmal acht, verblieben sind: Michaeliten, Gabrieliten, Raphaeliten, Urieliten und Ramieliten), die den Idealen je eines Erzengels entsprechen, werden in der Regel auch Scharen mit je einem Engel jeder Fraktion gebildet.

Engel sind wahrlich göttliche Schöpfungen. Weithin erkennbar sind ihre grazilen gefiederten Schwingen die sie flink durch die Luft tragen. Ihre Körper sind von tätowierten Linien und Symbolen (Scriptura) verziert, die ihre persönliche Geschichte wiedergeben und das Symbol ihres Ordens tragen sie offen auf dem Gewand. Hinzu kommt oft eine für den Orden typische besondere Bewaffnung wie flammendes Zweihandschwert, Lanze, Bogen oder das einfache Schwert.

Engel sind rein, tun Reines im Sinne Gottes und Gehorchen dessen irdischem Vertreter, der Angelitischen Kirche. Daran gibt es keinen Zweifel. Engel sind die Elite, wenn große Schlachten anstehen und auf ihnen ruht die Last, die schwache Menschheit zu beschützen.

Was sich simpel und streotyp anhört, bekommt durch die Regeln und vor allem im Spiel eine besondere Tiefe. Jeder Engel ist anders und hat nicht nur übermenschliche Stärken, sondern teilt - wider Erwarten - auch einige ihrer Schwächen.

Ketzerei, Geheimnisse und andere Herausforderungen
Es gibt für reine Seelen viel zu tun und zu ergründen. Die Welt der Chroniken der Engel strotzt geradezu vor Intrigen, Halbwahrheiten und lange vergessenen Geheimnissen.
Neben der täglichen Gefahr die von der Traumsaat ausgeht, könnte sich hinter jedem freundlichen Lächeln auch ein ketzerischer Gedanke oder gar eine List der Traumsaat verbergen.
Alte Ruinen - zu Lande und im Wasser - warten darauf erkundet zu werden. Dort ruhen uralte Gefahren, aber auch sagenhafte Mächte des Guten, die unter größten Gefahren vernichtet oder geborgen werden müssen.
Allein die Angelitische Kirche vermag in dieser Welt die Kraft zum Durchhalten zu geben, all diesen Gefahren zu widerstehen.

Und doch entdeckt der ein oder andere Engel sogar Risse in den Historien, Erzählungen und Plänen der Angelitischen Kirche - aber die wenigsten gehen diesen Zweifeln nach. Stattdessen lenken sie sich davon ab und stürzen sich noch vehementer in den Kampf gegen die ketzerischen Feinde, um den üblen ketzerischen Gedanken Einhalt zu gebieten.

Arkana System
Das favorisierte Spielsystem für Chroniken der Engel beruht auf den 24 edel-goldenen Spielkarten, die dem Grundregelwerk in Form von drei vorgestanzten Bögen beiliegen. Zum Unverständnis vieler, verzichtete White Wolf in der US-Version auf das Arkana System und heimste dadurch in vielen Rezensionen herbe Kritik ein.

Die Karten sind im Stil von Tarotkarten gehalten zeigen je ein Motiv (gleichen einigen der Illustrationen aus dem Band) und zwei gegensätzliche Bezeichnungen, wie z.B. "Zerstörung und Widergeburt" oder "Zusammenhalt und Abkehr", die die Grundbedeutung der Karte je nach Ausrichtung klar ausdrückt.
Die Karten werden vom Erzähler bereitgehalten (ggf. auch öfter neu gemischt) und in besonderen Situationen von einem der Spieler gezogen. Die Bedeutung der Karte für das Spiel kann man bereits aus dem jeweils lesbaren Begriff entnehmen oder auch aus einer dazu passenden Beschreibung, die das Buch liefert.
Dieses Verfahren mag auf den ersten Blick sehr wage erscheinen, aber es trägt dem Prinzip des freien Rollenspiel (Erzählspiel) Rechnung und hat sich vielfach bewährt. Die meisten Spieler lernen schnell, daß man auf einen Würfel als Zufallsgenerator verzichten kann, wenn alle am Spieltisch bereit sind, eine tolle Geschichte zu erleben.

Die Charaktere sind ebenfalls diesem freien Stil angepaßt und so setzt sich ein Charakterblatt aus einer übersichtlichen Menge Stichworten, Eigenschaftsworten, Vorzügen und Schwächen zusammen. Es bleibt dem Spieler überlasen, den restlichen Charakter während des Spiels zu Formen.

Ein wenig Dungeons&Dragons...
Es war sicherlich keine falsche Entschidung, neben dem Freien Rollenspiel auf Kartenbasis, auch das klassische Rollenspiel in das Regelwerk einzubinden. Obwohl die meisten Engel-Spieler auf das Arkana-System zurückgreifen, hätte das Fehlen eines "normalen" Spielsystems ggf. den Erfolg gemindert.
Das verwendete Spielsystem basiert auf der Open Gaming Licence (OGL) von Wizards of the Coast, auf dem auch das D20-System und Dungeons&Dragons basierten. Die beiden letzten Systeme hätten den Einbau eines eigenen Charaktererschaffungssystems nicht gestattet bzw. sehr kostspielig werden lassen - und so wurde schließlich der kleinste gemeinsame Nenner, die OGL verwendet (daher findet man auch kein D20-Logo auf dem Grundregelwerk, wohl aber auf den Quellenbänden).

Chroniken der Engel und auch die Folgebände, sind damit recht kompatibel zu allen D20-System Publikationen und auch den offiziellen D&D-Produkten. Damit eröffnet sich für den Spielleiter eine wahre Flut an Quellenmaterial auf gleicher Regelbasis, das er theoretisch leicht in Engel übernehmen kann. Allerdings dürften die meisten Engel-Spieler sich bald an die sehr hohe Qualität der Publikationen gewöhnt haben, so daß die meisten Fremdpublikationen geradezu stümperhaft erscheinen. Auch eignet sich die Welt von Engel nicht wirklich für jede Art von Erweiterung, weil sie das ausgewogene Flair wohl eher stören, denn verbessern.

Ein Engel-OGL-Charakter besteht aus 6 Attributen, der Rüstungsklasse, Angriffswurf, Rettungswürfen, Trefferpunkten, Fertigkeiten, Spezialfertigkeiten. Der Charakter wird mit wachsender Erfahrung stufenweise Verbesserungen erfahren und von den speziellen Fertigkeiten und Mächte ("Magie") seines Ordens profitieren, die zugunsten des Würfels in ein festes Wertekostüm gepackt wurden.
Wer bereits mit Dungeons&Dragons 3 Erfahrungen gemacht hat, kennt sich schon mit den meisten Regelmechanismen von Chroniken der Engel aus, auch wenn es ein paar Engel-typische Änderungen zum Vorbild gibt.
Der Vorteil, daß Engel auf der OGL basiert ist aber, daß auch die Charakterschaffung eingebaut werden durfte und so auf den zusätzlichen Kauf weiterer Regelbände verzichtet werden konnte.

Zum Ende des Bandes befinden sich typische Ausrüstungsgegenstände, Fortbewegungsmittel und natürlich Waffen, die den Benutzern beider Systeme gerecht werden. Viele der Gegenstände wurden aufwändig illustriert, was gerade bei den Waffen die Vorstellungskraft stark unterstützt.
Kaufen?
  • Chroniken der Engel RPG
  • Traumsaat (Q)
  • Ordensbuch: Michaeliten (Q)
  • Ordensbuch: Gabrieliten (Q)
  • Ordensbuch: Raphaeliten (Q)
  • Ordensbuch: Urieliten (Q)
  • Ordensbuch: Ramieliten (Q)
  • Hiobs Botschaft: Brandland (R1)
  • Hiobs Botschaft: Traumsaat (R2)
  • Hiobs Botschaft: Fegefeuer (R3)
  • Infos zu Engel?
  • Natürlich dürfen Charakterblätter (für OGL und Arkana System) nicht fehlen und auch Kartenmaterial wie Europa im Jahr 2644/2654/2664, eine grobe Karte von Roma Aeterna und dessen Himmel der Michaeliten im Querschnitt nicht fehlen.
    Dieses Kartenmaterial findet sich aber in wensentlich besserer Qualität und mit aufwendig ausgearbeiteten Informationen in den Ordensbüchern, der derzeit auf den Markt kommen.

    Fazit:
    Engel ist schon nach nur einem Jahr, ein sehr erfolgreiches Rollenspiel geworden, daß sich weltweit einer stetig wachsenden Spielerschar erfreut. Pluspunkte für Engel sind die sehr hohe Qualität in Text, Bild und Layout, der geniale Hintergrund und die unheimlich dichte Atmosphäre, die auch besonders durch die Quellenbände und die Roman-Triologie veredelt wird.
    Engel ist ein Titel, zudem auch noch einer aus deutschem Hause, der seine Fans nicht mit großen Sprüchen, sondern vor allem mit Qualität überzeugt hat und ich bin guter Hoffnung, daß sich diese Linie auch in den kommenden Publikationen fortsetzen wird.

    Dogio the Witch

    Der Digest (MD/DRoSI/Archont)

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