Lanzengang und Handgemenge - Turnierregeln

Ein großes Spektakel kündigt sich an! Der hohe Herr ruft ein Turnier aus, und alle Helden, schwarzen Ritter und Drachentöter werden erscheinen, um sich im Lichte ihres Ruhmes zu sonnen und auf dem Schlachtfeld neuen zu erhalten - oder in den Schlamm gestoßen zu werden!
Musikanten ziehen durch die Gassen, die kulinarische Welt ziehen als Duft durch die Luft, Gaukelspiel und Bardengesänge erfreuen das Volk.
Die Stadt ist im Ausnahmezustand, doch höchstens eine kleine Schlägerei und die üblichen Beutelschneider werfen einen kleinen Schatten auf das Volksfest, das am Rande des Turniers stattfindet.
Der Lanzengang ist wohl immer die spektakulärste Veranstaltung. Obwohl man seit langem dazu über gegangen ist, stumpfe und leicht zu brechende Lanzen zu verwenden, gibt es immer wieder schwerste Verletzungen...
Aber auch die anderen Durchgänge wie das Pferdeturnier, bei dem die Reiter ihren geschickten Umgang mit ihrem Gefährten beweisen müssen, das Handgemenge, in dem sich die Kämpfer Mann gegen Mann beharken, und das zum Abschluß stattfindende Große Gestampfe - eine wilde Keilerei, erfreuen sich großer Beliebtheit.
Das Pferdeturnier ist vielleicht das kurzweiligste, da hier sehr viele verschiedene Disziplinen durchlaufen werden und nicht unbedingt von Anfang an ein Favorit feststeht.
Aber schließlich gilt es für die Teilnehmer möglichst überall Ruhm zu erlangen und dem Gegner den Spott zu überlassen!
Die ebenfalls stattfindenden Wettbewerbe in der Sangeskunst und der scharfen Zunge werden begeistert aufgenommen. Wenn man es nicht zu derbe treibt, ist sogar Spott gegenüber der Obrigkeit wohl gelitten, und mancher kleine Barde erlangt große Berühmtheit und wird an den königlichen Hof eingeladen.
Die Sackpfeifer streiten mit ihrer akustischen Pracht, Kunststücke mit Feuer, Schwefel und Bällen erfreuen nicht nur die staunenden Kinderaugen.
Hurra, es gibt ein Turnier!!!
 

Allgemeine Turnierregeln

Das immer ein wenig fließendes Blut zu sehen sein wird, wird natürlich in Kauf genommen, ja macht sogar einen großen Teil des Reizes aus, dem die Zuschauer wie die Teilnehmer erliegen. Schließlich ist es ein martialisches Hauen und Stechen, und wer nicht den Mumm hat, einem schlagkräftigen Gegner - mitunter sogar Feind - gegenüberzutreten, soll besser einen Acker bearbeiten gehen...
Trotzdem soll die Veranstaltung ein großes Fest und weniger ein mordlüsterndes Gemetzel sein. Deshalb sind allgemein einige Regeln zu beachten, um weiterhin als ehrbarer Krieger respektiert zu werden:
Es ist verboten nach dem Kopf zu zielen, und ein Vergehen wird normalerweise mit einem unehrenhaften Turnierausschluß geahndet.
Ein Gegner, der die Waffen streckt, beendet den Kampf als ehrbarer Verlierer.
Das Publikum liebt verwegenes und höchst ritterliches Verhalten. Niemand muß warten, bis ein gestürzter Gegner wieder aufsteht oder ein ungeschickter Widersacher seine Waffe wieder aufgehoben hat. Aber es wird zumeist bejubelt und ehrt den Recken, der mit seinem Gegner nachsichtig und souverän umgeht.
"Bis zum Tode" ist nicht üblich, so daß größere Zwistigkeiten woanders auszufechten sind. Es kommen stumpfe Waffen zum Einsatz, da die tödliche Kampfkraft für den Krieg aufgehoben werden sollte!
 

Der Lanzengang

Hier preschen immer zwei gepanzerte Reiter mit Turnierlanzen aufeinander zu, um sich vom Pferd zu stoßen. Die Lanzen sind so schwach gehalten, daß sie leicht splittern und kaum schweren Verletzungen verursachen können.
Es wird so lange geritten, bis einer der Widersacher im Staub liegt. Einige Ausrichter lassen bei größeren Turnieren zwei Ritter, die jeweils in allen ersten drei Durchgängen trafen und im Sattel blieben, dann beide eine Runde weiterkommen.
Regeln
:
Angriff mit EW:Lanze. Ist der WW:Abwehr erfolgreich, so muß dem Getroffenen ein EW:Reiten gelingen. Ist der WW:Abwehr mißlungen, so muß ihm ein EW:Reiten mit WM-8 gelingen, um im Sattel zu bleiben.
Bei einem nicht abgewehrten Treffer 1W6-1 LP und 1W6+3 AP Schaden, ab Schadensbonus +3 dann 1W6 LP und 1W6+5 AP Schaden. Bei einem leichten Treffer nur AP-Verlust.
Mißlingt der EW:Reiten, so erleidet der Stürzende zusätzlich 1W6+2 schweren Schaden durch die Wucht des Aufpralles auf den Boden, Tritte des Pferdes oder ähnliches.
Die Turnierlanzen brechen auf jeden Fall bei einem schweren Treffer. Bei einem leichten Treffer bricht sie, wenn ein erneuter EW:Angriff mißlingt.
 

Großes Pferdeturnier

Dieses Turnier ist in mehrere gleichgewichtige Disziplinen aufgeteilt, die jeder Teilnehmer nacheinander durchläuft. Eine Rüstung ist nicht unbedingt vonnöten. Er braucht des weiteren Lanze oder Stoßspeer, ein Schwert sowie Wurfspieß oder Bogen.
Für gelungene Disziplinen bekommt ein Teilnehmer Punkte, die meistens in Form von Münzen vergeben werden. Diese kann der Turnierteilnehmer auf alle Fälle behalten. Der Erfolgreichste und Turniergewinner ist der mit den meisten Münzen am Ende aller Durchgänge.
Es gibt folgende Disziplinen: Ringstechen, Helmschlagen, Saujagd, der ungeduldige Reiter, Tegarische Jagd und die sieben Reiter.
Es muß wohl nicht weiter darauf hingewiesen werden, daß die Fertigkeit Kampf zu Pferd den Erfolg beim Turnier nicht unwesentlich beeinflußt!

Ringstechen

Helmschlagen Saujagd Der ungeduldige Reiter Tegarische Jagd Die sieben Reiter Turnierende  

Das Handgemenge

Hierunter fallen die Durchgänge, in denen sich die Ritter zu Fuß und mit ihren Handwaffen messen. Es gibt, je nach Örtlichkeit und Auffassung des Turnierbestreiters und ebenfalls von der Größe des Turniers abhängig eine Anzahl von Durchgängen mit bestimmten Voraussetzungen.
Meist wird jeweils ein Wettkampf mit einhändig geführten Waffen und Schild und einer mit Zweihandwaffen durchgeführt.
Selten ist der Fall, daß nur die königliche Waffe, also das Schwert zugelassen ist.
Die Auslosung der Gegner findet meist so statt, daß die Namen aller Teilnehmer auf zwei Töpfe aufgeteilt werden, aus denen dann die Kontrahenten bestimmt werden. - So ist es z.B. möglich, die Namen der größten Anwärter auf den Turniersieg zuerst in einen Topf zu werfen, so daß der Höhepunkt nicht schon in der ersten Runde stattfindet.
Gekämpft wird bis einer der Kontrahenten drei mal getroffen wurde
. Dabei werden stumpfe Waffen benutzt, die höchstens Prellungen verursachen - wenn der Kämpfer ausreichend durch eine Rüstung geschützt ist!
Regeln
: Der Schaden der benutzten stumpfen Waffen ist so hoch, als würde der Kämpfer mit einer unvertrauten Waffe und ohne Schadensbonus kämpfen. Personen mit einem Schadensbonus von 3 und mehr richten jedoch einen Punkt mehr Schaden an.
Beispiel: Langschwert 1W6-1 Schaden, Streitkolben 1W6 Schaden (jeweils ohne SchB-Modifikation).
 

Großes Gestampfe

Zum Abschluß der Veranstaltung sammeln sich alle Ritter, die sich noch bewegen können, um sich zuerst mit Lanzen und schließlich Schwert oder Axt vom Pferd zu stoßen. Stolz kann sein, wer als letztes oben auf dem Roß sitzt - auch wenn beim Großen Gestampfe selbst für die ehrgeizigsten Reiter der Spaß im Vordergrund steht!
Regeln
:
Siehe Das Handgemenge und Der Lanzengang. Der Sturzschaden beträgt nach der ersten Runde jedoch nur noch 1W6 schweren Schaden.
Wer zu Boden ging, kann sich mit einem erfolgreichen EW:Geländelauf in Sicherheit bringen. Ansonsten besteht jede Runde die Gefahr, niedergeritten zu werden (PW+30:RW, bei Mißerfolg 1W6 schwerer Schaden).
 

Das Bogenschießen

An diesem hoheitlichen Wettstreit nehmen neben Adligen, die gerne der Jagd frönen, oft auch Bauern und Jäger teil. Geschossen wird mit Bögen und Langbögen auf markierte Scheiben, die in verschiedenen Entfernungen aufgestellt werden. Es gilt eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen.
Armbrüste werden nur selten zugelassen.
Regeln
:
Die üblichen Regeln bezüglich Reichweite, Scharfschießen und Zielen kommen normal zum Tragen.
Geschossen werden jeweils drei Pfeile auf 20 Schritt, auf 50 Schritt und auf 150 Schritt.
Folgende Erfolgswerte ergeben folgende Punktzahlen: Erreicht jemand volle 90 Punkte, so ist das schon ein bemerkenswertes Ergebnis, von dem noch lange gesprochen werden wird!
 

Das Gaukel-Spektakel

Neben den kämpferischen Aspekten eines Turniers gibt es oft auch ein Turnier der Spielleute und Gaukler, der Barden und der Geschichtenerzähler. Diese treten in einen Wettstreit miteinander, wo es in erster Linie um das Steigern der eigenen Bekanntheit geht.
Bei großen Festlichkeiten können die Gauklerwettkämpfe aber auch offizielle Preise und Ehrungen nach sich ziehen. Entweder werden bestimmte Themen wie das Vortragen einer volkstümlichen Tragödie oder das Lautenspiel bewertet, oder jedem Teilnehmer steht es offen, das darzustellen, was er möchte oder am besten kann. Witzige Jonglagen, halsbrecherische Körperkunststücke oder derbe, volksnahe Musikstücke haben oft die besten Chancen zum großen Publikumserfolg zu werden. Leider gibt es aber auch oft genug Punktrichter und Kritiker, die ein Stück nach anderen Gesichtspunkten bewerten als die breite Masse.
Bei fast allen Turnieren wird ein Gesangs- und ein Musikwettbewerb ausgetragen. Am Interessantesten sind aber die (oft regelrechten) Duelle über mehrere Disziplinen wie Gesang, musikalischer Darbietung, Showtalent und der Darstellung eines Kulturstückes.
Als Höhepunkt gilt aber dann die freie Disziplin, in der manchmal auch zu gewagte Darbietungen angeboten werden!

Vortragen

Musikalischer Wettstreit

Hinweis:

Für die Fertigkeiten Etikette, Geschichten erzählen, Musizieren bzw. Instrument spielen und Singen siehe CAEDWYN - ein Fantasykontinent oder Gildenbrief Nr. 19!
 

Spiele und Wettkämpfe des Volkes

Neben den mehr oder weniger blutigen, aber auf alle Fälle kämpferischen Spielen der Herrscher gibt es auch etliche Wettkämpfe des Volkes. Diese haben mitunter auch mit Kraft und Kampfgeschick zu tun, sind aber zumeist mehr auf allgemeinen Spaß ausgerichtet.

Tauziehen

Baumstammwerfen Armdrücken Sackdreschen Die Spiele der Frauen

Ulf Straßburger
(www.caedwyn.de)

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