Der letzte Tote

Es war vollbracht. Der letzte Mensch hauchte sein letztes Fünkchen Leben aus, und damit war das Leben auf dieser Erde für immer besiegelt. Er fand sich wie all die anderen gestorbenen in einer Art Raum wieder. Doch dieser Raum schien weder Wände, Decke noch Boden zu haben. Und doch stand er auf festem Boden. Alles hier schien aus Licht zu sein, geradezu als wäre er inmitten der Sonne erwacht. Da ertönte eine Stimme. Die Stimme klang vertraut, sympathisch und zugleich autoritär.

Gott: "Hab keine Angst. Du befindest Dich hier in Swanngrod. Dem Ort, an dem die Menschlichen Seelen nach dem Tod ihre letzte Ruhe finden."
Der letzte Tote: "Das heißt ich bin im Himmel?"
Gott: "Nun, wenn Du das so nennen willst!"
Der letzte Tote: "Doch wo sind all die anderen? Ich war am zuletzt allein. Wo sind all diejenigen, die vor mir gestorben sind?"
Gott: "Das hier ist nur der Eingang. Das eigentliche Zentrum erwartet Dich noch. Und Du warst nicht nur allein. Du warst der letzte. Nun gibt es kein Lebenszeichen mehr auf dem Planeten den ihr einst Erde nanntet!"
Der letzte Tote: "Aber warum das alles? Warum hat der Mensch nie lernen können, friedlich miteinander zu leben? Warum mußte es soweit kommen, dass wir unsere eigene Rasse und alle anderen dazu auslöschten? Hat es wirklich soweit kommen müssen?"
Gott: "Lass Dir die Geschichte erzählen! Du bist der letzte, und damit der Auserkorene, die Wahrheit zu erfahren! Es ist eine lange Geschichte, und ich erzähle sie nur einmal, also höre gut zu!
Am Anfang war das Nichts. Es war das pure Nichts. Ein solches Nichts, dass es sich ein Mensch nicht vorstellen kann. Und aus diesem Nichts heraus entstanden zwei Prinzipien, oder wie soll ich sagen? Zwei Gedanken? Es waren zwei Gedanken, die sich trafen. Chrazhiach'zshu und Graäkj'foiqger Sie waren unterschiedlicher Natur. Nicht nur unterschiedlicher, sondern entgegengesetzter. Alles was das eine Prinzip verkörperte, dessen Gegenteil verkörperte das andere. Ein intelligentes Exemplar eurer Rasse verstand das einst, und nannte es das Prinzip von Yin und Yang. Nun, auf jeden Fall entstand durch die Zwei Gedanken das das ganze Universum bestimmende Prinzip der zwei Seiten. Alles hat ein Gegenteil. Hass und Liebe; Tränen und Lachen; Materie und Antimaterie. Es gibt nichts, was sich Chrazhiach'zshu und Graäkj'foiqger entziehen kann. Alles muss sein Gegenteil haben. Und wenn diese zwei Gegenteile zusammentreffen, heben sie sich auf. Ihr könnt euch das so vorstellen, als wenn Jemand der sich weder freut, noch traurig ist, nicht neutral ist, sondern er freut sich während seiner Trauer. Beziehungsweise er trauert während seiner Freude. Und auf diesem System konzipiert das ganze Universum."
Nach einer längeren Pause:
Der letzte Tote: "Ja, und weiter?"
Gott: "Vorsicht! Ich habe Zeit, und Du nun auch! Also Lern Dich in Geduld!

Also, bei dem Zusammenprall von Chrazhiach'zshu und Graäkj'foiqger, wurde innerhalb eines Augenblicks so viel Energie freigesetzt, das daraus das auch heute noch ständig wachsende Universum entstanden ist. Und Chrazhiach'zshu und Graäkj'foiqger haben durch ihre Verschiedenheit so viele Konflikte und Prinzipien hervorgerufen, das sie niemand, auch kein Gott zählen könnte. Doch es entstanden Zwölf elementare Personifizierungen. Das Grundgerüst des Universums, und damit auch eures Planeten. Diese Personifizierten Prinzipien wurden später von euch Götter genannt, und verehrt. In der ersten Sprache die auf dieser Welt entstand wurden sie auf Reg'ght, Hurf'gdt, Jufdi'hjk, Khfgur, Ijnedf, Älkörztuü, Ghas-fed, Qwxayf-z, H'jsd'lk, Fgetr'hjk, Fas'hjk und Läjk-fopz getauft. Sie wurden als die Zwölf Götter verehrt. Sie waren die Herrscher dieser Welt und des Universums, sie trugen das Erbe von Chrazhiach'zshu und Graäkj'foiqger."
Der letzte Tote: "Wie? Es gibt Zwölf Götter? Das hatten wir vor mehreren Tausend Jahren als Aberglaube abgelegt."
Gott: "Soweit bin ich noch nicht! Also Unterbrich mich nicht!
Es schien alles im Lot zu sein. Die Menschen entstanden, und sie hatten Zwölf Götter, die sich um sie kümmerten, und die diese im Gegenzug verehrten. Deshalb hatten wir Zwölf die Menschen erschaffen. Um verehrt zu werden, um Macht zu gewinnen. Denn wir waren immer nur so mächtig, wie die Menschen uns verehrten. Je mehr anhänger ein Gott hat, desto mehr Macht hat er. Das basiert auf einer ganz simplen Logik, denn wenn ein Gott verehrt wird, dann normalerweise durch sein Prinzip, das er verkörpert. Und somit wird diese Prinzip von seinen Anhängern ebenfalls gelebt und gedacht. Dadurch findet dieses Prinzip Anwendung, und da ein Gott dieses Prinzip personifiziert, stärkt ihn dieses.
Und so entstanden die ersten Hochkulturen. Die Menschen verehrten uns als ihre Zwölf Götter, und wir schenkten ihnen im Gegenzug den Fortschritt, und Leistungsmöglichkeiten, die über die menschlichen Fähigkeiten hinausgingen. Zum Beispiel Atlantis, die erste Hochkultur der Menschen. Oder Die Mlangaren, das sind die Erschaffer der Statuen auf den Osterinseln. Die Riesentempel auf Malta, die Hugftre, die erbauer der Pyramiden und so weiter."
Der letzte Tote: "Doch sind diese Zivilisationen nicht alle untergegangen? Warum habt ihr sie nicht geschützt?"
Gott: "Nun, das liegt daran, das von anfang an ein kleines Detail in diesem System übersehen wurde. Es gab nämlich noch ein Dreizehntes Prinzip, das am Anfang entstand. Gr'ofh'lk, es war das Prinzip des abgrundtief Bösem. Ich glaube für Dich wäre der Begriff Teufel oder Diablo oder so ähnlich klärend. Und dieses Prinzip, und damit die personifizierte Person, wie ihr sie auch immer nennen wollt, war die mächtigste. Das liegt daran, das jeder Mensch an eine böse Macht glaubte. Jede Kultur hatte ihren Beelzebub, und damit hatte er am meisten Gläubige. Und durch seine Hohe Macht, begann er alle von uns ge- und unterstützten Kulturen zu zerstören. Das hatte den Sinn, uns vergessen machen zu lassen. Denn dann wären wir mit unserem letzten Gläubigen gestorben. Dann wäre er der alleinige Herrscher über das Universum gewesen.
Doch es entstanden immer wieder Menschen, und sie glaubten an uns. Und er hatte bald keine Kraft mehr, und so sah es kurzzeitig so aus, als würde er für immer Ohnmächtig sein. Doch dann kam ihm eine schreckliche Idee!"
Der letzte Tote: "Und die wäre?"
Gott: "Er nahm alle seine Macht zusammen, und setzte Ableger seiner Perversität in Menschengestalt auf die Erde. Sie sollten den Menschen den Glaube an nur einen Gott nahe bringen. Jesus zum Beispiel, oder Buddha. Sie alle waren durch die Macht, die ihnen von Gr'ofh'lk gegeben wurde, dazu fähig andere Menschen in Massen in ihren Bann zu ziehen. Und dann geschah das Unglaubliche: Da die Menschen an einen Gott glaubten, fielen alle unsere Prinzipien auf eine Person, und wir begannen uns zu vereinen. Doch wir wurden dadurch Machtlos. Wir wurden zu einer Art neutralem Wesen. Ihr müßt euch das so vorstellen, als wenn in einer Person fast alle Gegensätze auf einmal stattfinden würden. Freude und Trauer, Lachen und Weinen, Mann und Frau, und so weiter. Und so wurden wir unserer Macht beraubt. Die Zwölf mächtigen Götter wurden zu einem einzigen Wesen, dessen einziger Zweck es war, dazusein.

Die letzten, die noch an Zwölf Götter glaubten, waren die Griechen und die Römer. Beides Hochkulturen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Doch wir hatten einen großen Teil unserer Macht schonverloren, durch diejenigen Menschen, die an einen Gott glaubten, und konnten sie so nicht vor ihrem eigenen Untergang schützen."
Der letzte Tote: "Das heißt, das unser moderne Glaube uns den Tod und den Untergang gebracht haben?"
Gott: "Beinahe. Denn als diese Verwandlung abgeschlossen war, begann aber unsere Macht zu steigen. Die Menschen glaubten nämlich, das diese eine Person sie schützen würde. Dadurch bekamen wir immer mehr Macht, um letztendlich auch für diese Aufgabe gewachsen gewesen zu sein. Zwar würde sie nie so wie früher werden, da aber immer mehr an die Unsinnstheorie eines Gottes glaubten, gewannen wir langsam an Eingreifmöglichkeiten. Doch wir sparten sie uns auf. Jedes Staubkorn, das wir an Macht gewonnen haben behielten wir uns bei. Denn im Hintergrund hatten wir nur ein Ziel: Unsere baldige Trennung zu Zwölf Einzelteilen. Denn stell Dir vor, Du würdest nun mit elf anderen Menschen zu einem Klumpen Mensch zusammengefügt werden, ohne eine Möglichkeit zu haben, etwas zu tun. Und genauso wurden wir unserer Macht beraubt."
Der letzte Tote: "Warum habt ihr das uns nie gesagt? Ihr hättet uns doch nur die Augen öffnen müssen."
Gott: "Ein Gott hat keine direkten Eingriffmöglichkeiten. In die Dinge des Universums. Doch als wir genügend Macht hatten, ergriffen wir in einem günstigen Augenblick die Gelegenheit, und warfen das Prinzip von Gr'ofh'lk auf die Menschheit. Jeden sollte dies zur obersten Tugend werden. Und so wurde die Apokalypse eingeleitet. Die Menschen hassten sich untereinander. Jeder jeden. Sie schlachteten sich in Massen ab, Nuklearwaffen flogen, ABC-Bomben und schlimmeres. Innerhalb von zwei Stunden war fast die komplette Menschheit ausgerottet, und mit ihr alle Bewohner des Planeten Erde. Er blieb als Atomarer Müllberg zurück, und wird auch noch in Jahrtausenden, Jahrmillionen von Jahren kein Leben mehr hervorbringen, falls es überhaupt jemals wieder möglich sein wird."
Der letzte Tote: "Und das ganze zu welchem Zweck?"
Gott: "Sobald Du durch das Tor in die eigentliche Sphäre der gestorbenen Seelen läufst, trennen wir uns wieder in unsere Zwölf ursprünglichen Formen, und können uns wieder dem Universum und seinen Problemen widmen. Der Mensch wird wieder neu entstehen, wir werden ihn erschaffen, da wir die Macht benötigen, um den inneren Zusammenhalt des Universums zu erhalten. Doch wir haben gelernt, und werden dieses Mal rechtzeitig eingreifen. Das erscheint euch nun vielleicht hart, aber im Grunde meinen wir es nur gut mit den Menschen. Und ihr habt an sich auch nur Vorteile von mächtigen Göttern auf eurer Seite. Deshalb wird das ganze von neuem Beginnen, und ein Glaube an den Allmächtigen, den einen Gott von vornherein vermieden werden."

Der letzte Tote wurde angezogen von einer seltsamen Macht, und er schwebte durch das Tor, um seine letzte Ruhestatt zu finden. Hinter sich bemerkte er nur noch eine riesige Menge an Energieentladung. Es begann nochmal von vorn...

Erik der Wikinger

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