Bedingung Hass
(SF, Marc Albrecht, Januar 1987)

"Geben Sie durch, daß wir landen. Teilen Sie der Mannschaft alles über den Planeten mit, was wir wissen. Und lassen Sie keinen Zweifel an der Hoffnungslosigkeit unserer Lage."

So begann es. Ich war gerade auf der Brücke, als bekannt wurde, daß die Turbulenzen unser Schiff doch stärker geschädigt hatten, als wir erst annahmen. Wir mußten auf diesem Planeten landen, den wir eigentlich erst durch Luftbilder kartographieren sollten. Unsere Ausrüstung bestand nur aus Bord-Proviant, nicht im Geringsten aus Siedlungs-Hilfen. Daraus folgte, daß wir uns auf die - immerhin abgeschlossene - Analyse der Atmosphären- zusammensetzung zu verlassen hatten. Mit einigen Pillen, die unser Arzt nach eigener Aussage problemlos herstellen konnte, sahen unsere Chancen zu überleben und eine Rettungsmission zu erleben nicht zu schlecht aus. Aber: wir mussten eben auf diesem unbekannten Steinbrocken notlanden und würden, da unser Raumschiff nur für einmalige Landung (zur Verschrottung nämlich) gebaut war, dem Glück ausgeliefert sein. Ein Lichtspruch zur Erde war hoffnungslos. Er würde erst in -zig Jahren ankommen. Alles was wir in punkto Kommunikation ausprobieren konnten, war ein TPC. Zum Glück war vor fünfzehn Jahren die Vorschrift über einen obligatorischen Telepathen in die Liste aufgenommen worden. Unser Telepath versuchte bereits, Kontakt mit Norsag, der nur fünf Lichtjahre vom Sol-System entfernt ist, aufzunehmen.

Natürlich verlief die Landung glatt: Unser Navigator ist einer der besten der ganzen Flotte und unser Koordinationscomputer der neueste seiner Generation. Aber ebenso natürlich gab es Scherereien mit der Mannschaft. Ich hatte alle Hände voll zu tun, um die Ruhe wieder herzustellen. Zum Glück wird man als A-Psychologe speziell auf solche Paniksituationen hin trainiert.

Ein Tag auf Moira - so hatten wir unsere einstweilige Heimat nach den Schicksalsgöttinnen benannt - dauerte rund 30 Stunden, was unglaublich nahe an der Umdrehungszeit der Erde ist. Soweit man dies am ersten Abend beurteilen konnte, war dieser Planet eine perfekte neue Erde. Genau so etwas suchten wir und alle anderen Schiffe der Flotte. Nur leider konnten wir unsere Nachricht noch nicht der übervollen Erde mitteilen, da bis zur Ankunft dieser Botschaft Generationen vergehen würden (Für Lichtstrahlen und Wellen gilt nämlich die Begrenzung durch die Lichtgeschwindigkeit). Man könnte zwar ein Dingi absenden, daß dann mit Schiffsgeschwindigkeit fliegen könnte, doch würden wir dann hier nicht mehr allzu lange Energie haben. Wie gesagt, wir hatten nichts für einen Erkundungsflug aussergewöhnliches dabei, also auch keinen zweiten Generator. Ohne Generator flöge das Dingi bis zur nächsten Sonne, die dann einen neuen Trabanten hätte.

Die echten Probleme begannen am ersten Morgen. Ein Mannschaftsmitglied - ein gewisser Sven Jerensen - wurde ausserhalb des provisorischen Lagers gefunden. Er war tot. Nun sollte man denken, daß es auf einem völlig unbekannten Planeten gewiß auch unbekannte Gefahren gibt, die sogar für Menschen reichlich tötlich sein können. Doch frage ich: Angenommen, der Mann erstickte oder wurde von einer fremden Kreatur angefallen oder brachte sich vielleicht selber um, weil er verzweifelt war, sitzt er dann mit dem Rücken gegen eine Felswand, die Hände auf den Sandboden unter sich gelegt, sieht mit geschlossenen Augen völlig entspannt aus - und lächelt ?

Unser Leiter bildete sofort eine Gruppe, die die Umstände Sven's Todes herausfinden sollte. Zu der Gruppe gehörte unser Chefarzt Dr. Bardin, zwei gute Freunde des Toten und ich als "Denker". Wir suchten das Gelände um den Leichnam sorgfältig ab, konnten aber - auch wegen der reichhaltigen Spuren, die von der Crew verursacht worden waren - nichts, gar nichts entdecken. Eine Obduktion des Körpers ergab ebenfalls nichts. Nur eine vernachlässigbare Spur schädlicher Elemente, keine unbekannten Viren oder Bazillen und ebenso keine inneren oder äußeren Verletzungen. Es schien so, als habe Sven's Gehirn abgeschaltet. Es muß - so sagte mir Dr.Bardin - noch einige Zeit länger mit Blut versorgt worden sein, woraus folgte, daß auch ein Herzversagen ausgeschlossen war.

Als wir erneut umfangreiche Studien über das Gebiet um den Todesort anstellten, passierte das zweite Unglück. Einer von Sven's Freunden brach völlig zusammen. Er war noch jung, höchstens zweiundzwanzig Jahre alt und verkraftete den Tod seines Kameraden nicht. Schreiend stürzte er von uns weg. Was mir damals nicht auffiel, woran ich mich heute aber zu erinnern glaube, ist, daß er schrie, wie sehr er sich fortwünschte von diesem "verdammten, mörderischen Haufen Dreck". Dr. Bardin ging ihm nach, um ihn zurückzubringen und kam nach einigen Minuten kreidebleich zurück.

"Er ist tot. Ich fand ihn auf der Erde liegend, mit verkrampften Gliedern. Er schrie und wollte mich nicht anhören, bis ich ihn anstieß und zwingen wollte mitzukommen. Da sah er mich an und brüllte, er hasse diesen Planeten und werde verhindern, daß andere Menschen ihn beträten. Der Gedanke schien ihn glücklich zu machen. Er wirkte wieder gelöst und grinste mich an. Die Idee muß ihn wieder zu Bewußtsein gebracht haben, aber plötzlich bemerkte ich, daß mir seine Augen nicht mehr folgten. Er sah ... ja, man kann sagen, zufrieden aus. Nur reagierte er nicht mehr. Ich sprach ihn an, fühlte seinen Puls und checkte gleich mit dem Automaten. Alle Körperfunktionen O.K., nur beim Kopf warnte der Apparat. Sein Kleinhirn sandte nichts mehr aus und während ich noch maß, hörten sämtliche mentalen Funktionen auf. Es war furchtbar... Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Genauso muß es bei Sven gewesen sein. Wir müssen die Atmosphäre vielleicht nochmals untersuchen..." Mit diesen Worten zog er davon und schloß sich im Schiff in sein Labor ein. Stunden später erschien er wieder und sprach aus, was ohnehin alle dachten: Keine Anzeichen von nicht neutralisierbaren Spurenelementen. Sordekare, der Leiter unseres Fluges, berief eine Generalsversammlung ein. Mit zwölf Personen waren wir gestartet: sieben Männer, fünf Frauen. Zwei Männer waren tot und wir wußten nicht, woran sie gestorben waren. Wir konnten auch nicht weg von hier. Für die kurze Zeit, die wir hier waren, war die Sterberate zu hoch, wir mußten etwas unternehmen. Gegen einige Gegenstimmen wurde beschlossen, die nächsten Tage im Schiff zu verbringen. Das hieß für alle Zurückhaltung und Bescheidenheit. Ohnehin war die Stimmung gedrückt, und meines Erachtens war diese Entscheidung nicht gerade fördernd für die Moral der Leute.

Als alles verpackt und bereits wieder im Schiff war, kam es zu lautstarken Beschwerden. Es gab Streit und eine Rauferei, bei der bei einem Mann sogar eine Waffe zum Vorschein kam. Zum Glück richtete er sie nicht gegen seinen Kameraden sondern schrie seine Wut hinaus. Er verfluchte das Schicksal, daß uns zwang, hier zu bleiben und wünschte dieser "Ecke der Galaxis" ein fettes Schwarzes Loch. Durch diesen Mann angeregt, machten sich viele Luft. Am Schlimmsten war unser Telepath, eine ältere Frau, die keifend auf allem herumhackte, was ihr in die Quere kam. Um Dr. Bardin zu zitieren: es war furchtbar.

Nicht so furchtbar jedoch, wie der nächste Morgen. Nur fünf Menschen wachten auf: Sordekare, der Leiter, Dr. Bardin, der Arzt, Nadja Skorga, eine Helferin, Sandra Li Thor, eine Technikerin und ich, der Psychologe. Glücklicherweise kam keinerlei Panik auf, dazu war die Katastrophe zu groß. Wir waren sicher, daß wir irgendeine tötliche Einwirkung durch den Planeten übersehen hatten und jeder stellte Hypothesen auf. Ich versuchte, mich zurückzuhalten und nur zu analysieren.

Es gab Ideen über das Schwerefeld und die magnetischen Kräfte auf unser Gehirn, Vibrationen wurden vorgeschlagen und sogar das Versagen der Geräte Dr. Bardin's wurde für möglich gehalten. Ich kannte Bardin sehr lange und wußte, wie jähzornig er war. Wenn jemand an seiner Kompetenz zweifelte, flippte er mit hundertprozentiger Sicherheit aus. Nicht so diesesmal. Er blieb ruhig und stimmte der Möglichkeit seines Versagens sogar zu. Ich horchte auf, denn wenn er so antwortete, war etwas verkehrt.

"Da gibt es einmal eine echte Herausforderung", schluchzte Li Thor, "und dieser Quacksalber versagt auf der ganzen Linie. Kein Gefahr ! Pah ! Dieser Brocken ist wohl zu dick für deinen Akademiker-Hals, was ?"

"Beruhigen Sie sich", versuchte Sordekare zu vermitteln. "Er hat doch zugegeben, daß er sich geirrt haben könnte. Außerdem hat er bereits eine Nachuntersuchung angestellt. Und was bleibt ihm denn anderes übrig, als nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen ? Er steht doch schließlich auch unter Streß."

Mir war klar, das war eine Aussage, die Bardin nicht auf sich sitzen ließ. Wenn einer unter Streß arbeiten können muß und die richtigen Ergebnisse erhalten MUSS, dann ist es der leitende Biologe einer Expedition. Seine Messungen müssen stimmen, er trägt die Verantwortung für die körperliche Gesundheit der Mannschaft. Bardin ging in sein Labor und schloß sich erneut ein. Er warf nur einige Worte hin, die leider seine letzten sein würden.

"Ich komme nicht eher wieder, bis ich den Fehler in meinen Werten gefunden habe. Verlassen Sie sich darauf." Ich bin sicher, er fand keinen Fehler. Warum hätte er sich sonst umbringen sollen ? Als wir seine Tür durch den Computer öffnen ließen, war er schon kalt. Er hatte mir einen Brief hinterlassen, den ich noch immer bei mir trug. Diese Schrift gab mir den endgültigen Stoß. Durch die Reaktion, die die anderen zeigten, war ich erst recht sicher.

"Ich kann nicht mehr. Ich glaube, Renoes Tat war die einzig richtige." "Nein, man darf nicht verzweifeln, aber ich weiß auch nicht mehr weiter" "Dieser Klotz von Planet macht uns fertig. Man müsste ihn einschmelzen." Jetzt griff ich ein. "Nein. Ich bin sicher, daß hier eine Art von Intelligenz die 'Hand' im Spiel hat. Alle Toten, bis auf Dr. Bardin haben eindeutig ihre jetzige Lage über alle Maßen gehaßt. Ja, sie haben gewiß Haß auf diesen Planeten gefühlt. Es kommt nicht darauf an" fuhr ich rasch fort, als ich Sordekare zum Sprechen ansetzen sah, "was man sagt. Es kommt darauf an, was man fühlt. Haß scheint diese Wesen, dieses Wesen oder wie auch immer, anzugreifen. Es reagiert, wie es kann, und das Resultat ist, für Menschen zumindest, der Tod. Deshalb überlegt euch genau, ob ihr diesen Planeten oder vielleicht diese Situation wirklich haßt. Ihr solltet euch klar machen, daß hier nichts - ich wiederhole nichts - feindliches ist. Nur die menschliche Eigenart, alles Unbekannte und anscheinend Bedrohliche zu hassen, ist unser Feind. Denkt darüber nach." Ich hätte es anders vortragen sollen. Die Auswahl derjenigen, die tolerant genug waren, die Lage anzunehmen und mit ihr auszukommen, war schnell abgeschlossen. Übrig blieben Nadja Skorga und ich. Die anderen konnten sich nicht damit abfinden, daß die menschlichen Vorurteile und die Alpträume, die sie über unsere Situation hatten, sie schließlich umbrachten. Ich hatte lange Diskussionen mit Sordekare, der wirklich versuchte, die Lage zu akzeptieren. Er meinte, es könne unmöglich sein, daß eine Wesensart so "schlecht" sein könnte, fremde Wesen umzubringen, nur weil sie das Neue abweisen. Nicht einmal Menschen würden so etwas tun - meinte er. Ich war in dem Punkt anderer Ansicht. Aber ich dachte auch, daß irgendetwas an dem Tod der zehn Menschen um mich positiv sein mußte. Immer wenn ich daran dachte, warum das totale Aufhören der Existenz des Gegners die einzige "Waffe" dieser unbekannten fremden Intelligenz war, erschien vor meinem inneren Auge das Gesicht Svens, des ersten Toten. Wie alle weiteren, bis auf Dr. Bardin, der sich selbst ein Ende bereitete, schienen alle glücklich zu sein, zumindest im letzten Moment oder in den letzten Sekunden. Dieses ließ mir keine Ruhe. Nadja und ich hatten viel zu diskutieren. Ich frage mich, wie sie sich mit dem Jetzt hatte abfinden können. Sie war nicht darauf geschult, sich in neuen Situationen "ausserhalb" zu halten, nur zu analysieren und sich keine Emotionen zu gönnen. Vielleicht war sie geistig abnormal - im gemeinsten Sinne - also etwas verrückt. Das rettete ihr - eine Zeitlang zumindest - das Leben.

Was soll ich viel herumerzählen, ich kann auch nicht mehr lange schreiben. Wir fanden nach Wochen die Platte der "Anderen", die vor uns hier gewesen sein mußten. Nach weiteren zwei Wochen hatten wir die radioaktiven Symbole entdeckt und in eine Art Bildsprache übersetzt, wobei uns der Bordcomputer eine große Hilfe war. Die Bilder ergaben zuerst auch keinen Sinn, nur soweit waren wir uns einig, daß auch die Wesen von dem anderen Planeten, der im Sternbild des Stieres stehen muß, wenn der Computer die Daten richtig auf Erdsicht umgerechnet hat, diesen Planeten besuchten und irgendwie - sicher nicht durch "Tod" - die Intelligenz des Planeten erfahren hatten. Daß es der Planet oder die Sphäre des Planeten war, entnahmen wir ebenfalls den Bildern. Nur was mit denjenigen, die - wie die Bilder zu sagen schienen - Moira "zurückwiesen", geschah, erfuhr ich erst, als es für Nadja zu spät war.

Irgendwann eines Nachts mußte sie in einem Traum an Freunde gedacht haben, die sie vielleicht auf der Erde zurückgelassen hatte, und die sie nun nie wieder sehen würde. Vielleicht war es auch der zeitliche Abstand zu dem Geschehenen, der sie "zur Besinnung" brachte. Es sei wie es sei, sie weckte mich mit einem Schrei auf, den ich wohl nie, nie vergessen werde. Es war Schmerz und Erkennen, ein Laut, der nicht von Menschenkehlen stammen konnte. Ich fuhr erschrocken aus dem Schlaf auf und rief ihr zu, zu überlegen, wie ihre wahren Gefühle seien, sie sollte schnellstens mit sich in's Reine kommen und sich nicht sperren - ich erkannte, was los war. Aber sie lachte auf und sprach mit einer klaren, scharfen Stimme zu mir:

"Nein, wir verstanden nichts. Gar nichts. Man stirbt nicht ! Man beginnt zu leben ! " Sie gebrauchte einen Ausdruck, den ich nicht verstand, und der auch nicht von Menschen erdacht sein konnte, nichtsdestotrotz wußte ich, sie meinte Moira, "nimmt uns nichts, sie zeigt uns, wie es ist. Es ist die totale Existenz. Ich kann wählen ! Sag mir, kann ich die schmutzige Hülle eines Menschen tragen, wenn mir die Wahrheit eines... eines Gottes geboten wird ? Wenn wir als Menschen hassen, so tun wir es, weil wir nicht verstehen. Die Wesen, deren Botschaft wir fanden, verstanden, denn sie waren frei von gemeinen Gedanken gegen alles, was nicht ihrer Art war. Sie wählten ihre Existenz, da sie bescheiden waren. Doch alle, die es nach Wissen, Denken, Freude und Leben verlangt, können teil an "..." werden. Wir verstehen nichts ! Ich wähle... Ich weiß, weshalb Menschen nur die eine Wahl haben. Ich kann nicht länger so bleiben. Lebe wohl oder wähle meinen- unseren Weg..." Sie taumelte aus dem Schiff. Ich versuchte, ihr zu folgen, sie aufzuhalten, aufzuwecken. Es war sinnlos. Sie legte sich, nackt wie sie war, in der Kälte der Nacht auf die Erde und wurde still. Ich ahnte, nein, ich wußte, sie war nicht mehr. Ich hatte sie nicht verstanden, da hatte sie ganz recht.

Seit all dies geschah, ist wohl ein Jahr nach Erdrechnung vergangen. Ich bin alt geworden, nicht körperlich, sondern innen, tief in mir. Denn inzwischen beginne ich zu verstehen, was Nadja mir damals, wenn auch in unzusammenhängenden Sätzen, sagen wollte. Sie mußte eine ungeheure Flut von Informationen bewältigen, ihr Gehirn war überreizt. Ob das der Grund für den Tod aller meiner Kameraden von damals war oder ob sie freiwillig "abschalteten", weiß ich nicht sicher. Ich vermute, sie gaben die unzulängliche Existenz eines Menschengeistes auf, vor die Wahl gestellt, mit ihrem menschlichen Sein ein Bewußtsein zu teilen oder ganz aufzugehen in etwas Herrlichem. Ich bin kein Theologe, ich will nicht entscheiden, ob man die Versuchung annehmen kann oder sollte, ich wünsche mir, ich stünde vor der Wahl. Doch nahm niemand mit mir Kontakt auf seit jener Nacht, in der ich zum wohl letzten Fremdling auf diesem Etwas wurde. Ein Jahr fernab jedes Menschen macht auch aus dem Kühlsten, Überlegtesten Kerl einen Jammerlappen. Ich meine, mich zwar gut gehalten zu haben, doch verschweige ich nicht meine vielen Gespräche mit der Welt draußen. Ich versuchte, Moira klar zu machen, daß ich ihn/sie/es haßte, aber - wohl zu Recht - mir wurde nicht geglaubt, ich lebe noch immer. Ich weiß nicht wirklich, warum.

Nun, ich hatte nie den Mut, den Dr. Bardin besessen hatte. Ich glaube, Moira mischt sich nicht von selbst in die Existenz anderer Wesen. Ja, so kann man es wohl ausdrücken. Sie akzeptiert Wut, Gleichgültigkeit, Liebe und so weiter. Nur, wenn sie auf absolute Ablehnung stößt, bietet sie sich an. Der Betroffene wird nicht beeinflußt, es stehen ihm nur alle Informationen über Moira zur Verfügung und er hat sich zu entscheiden. Für oder gegen das Neue. Oder ist es für oder MIT dem Neuen ?

Ich werde diese Schrift mit dem Dingi absenden. Ich könnte sie als Lichtspruch verschlüsseln, doch mag ich so lange nicht mehr auf mich gestellt sein. Ich will eine Entscheidung. Wenn ich mit meiner jämmerlichen weil menschlichen Logik recht habe, kann doch das Bekanntwerden der Existenz eines solchen "Seins", wie ich es mir ausmale, für dieses nicht wünschenswert sein. Ich vermute, daß ein Lichtspruch irgendwie abgefangen würde und ich hier versauerte. Ausserdem - ohne Generator kann ich als verweichlichter Wissenschaftler nicht lange überleben. Zumal mir dann keine Pillen zu Absorbtion der schädlichen Bestandteile dieser Atmosphäre zur Verfügung ständen. Also werde ich - ich glaube hier Dr. Bardin - einen schönen Tod haben. Ich werde es nicht spüren, vielleicht lächle ich sogar. Dennoch. Warum nimmst du mich nicht an, Moira ? Ich glaube, ich ahne, warum.

Bin ich dir zu kritisch ? Nein. Bin ich dir ZU tolerant ? Gewiß nicht. Aber - ja. Ich habe es. Wer - wer soll von den Menschen eine Botschaft hinterlassen ? Die Platte. Die Platte war nicht die einzige Botschaft fremder Welten. Welche Unzahl von Welten muß sich hier verewigt haben. Hier auf dem geistigen Mittelpunkt eines Universums. Es war nur ein dummer, ein unmöglicher Zufall, der uns die Rückreise verwehrte. Es wären nicht so viele Menschen "umgekommen", wäre unsere Lage nicht so aussichtslos gewesen. Schön, daß auch die Vollkommenheit nicht über Zufälle entscheiden kann.

Sage mir wenigstens dieses, fremde Welt, habe ich es erkannt, habe ich MEINEN Sinn erkannt ? Ich glaube, ich werde diese Speicherung nicht abschicken. Denn ich erwarte jeden Moment

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Marc Albrecht
Mehr seiner Werke gibt es bei
www.Elerion.de

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