Tales from the Trails: Mexico

In diesem 96 Seiten starken Handbuch hat man die grafische Gestaltung dem Arthaus-Team überlassen¸ welche mich bisher mit ihren Leistungen in Sorcerers Crusade und Changeling nicht gerade begeistern konnten. Aber Brian LeBlanc¸ der hier vom Titelbild bis zur letzten Zeichnung fast allein illustrieren durfte¸ hat gute¸ wenn auch ein wenig zu dunkel geratene Arbeit geleistet.
Auffällig ist schon in der Einleitungsgeschichte¸ "The Calm And The Storm That Follows"¸ dass die Lettern (wie bei anderen Arthaus-Werken auch) deutlich größer sind als in anderen Wild-West-Publikationen und dass die Texte nahezu immer um eine Daumenbreite vor dem Ende der Seite aufhören. So ist es natürlich leichter¸ auf besagte 96 Seiten zu kommen.
Alles vergeben und vergessen¸ wenn man zum Geschichtsteil vorgedrungen ist. Wieder ist es der Werkojote Laughing Manyskins¸ der dem Lesenden sein Geschichtswissen über das Mexiko in der Welt der Dunkelheit mitteilt. Und zwischen den zahlreichen Wendungen in der Geschichte des Landes streut er einige sehr interessante Anekdoten zu den dortigen Gestaltwandlern ein. Einst verbündeten sich diese gegen die Olmeken¸ welche ebenso wie die Maya und Tolteken stürzten¸ ehe die Azteken an die Macht kamen. Dies gefiel vor allem den Balam Bastet¸ doch dann kamen die spanischen Eroberer¸ und mit ihnen nicht nur Hernan Cortez¸ sondern auch die Schattenlords und die Inquisition. Den Schattenlords war es zu verdanken¸ dass die seit dem Fall der Olmeken in ihrer Zahl schwindenden Werfledermäuse¸ die Camazotz¸ ausgestorben sind (wobei¸ soweit ich die Geschichte richtig verstanden habe¸ der gute Manyskins der einzige ist¸ der davon genau weiß). Die Vampire kamen auch im Gefolge der Europäer¸ sowohl Sabbat als auch Camarilla¸ letzten Endes aber behielt das Schwert Kains hier die Oberhand¸ zumal sich diese mit den Tänzern der Schwarzen Spirale verbündet haben. Die Geschichte zieht sich bis in das geschlagene Mexiko des Wilden Westens¸ welches Texas¸ Kalifornien und andere Gebiete an die Vereinigten Staaten hat abtreten müssen. Wo der Nuwisha bei den historischen Tatsachen nicht viel Falsches erzählen kann¸ lassen seine Weisheiten zum Treiben der hiesigen Gestaltwandler einiges zur Spekulation offen.
Wieder etwas nüchterner geht es im Geographie-Teil des Buches zu. Mexiko an und für sich wird relativ grob überflogen¸ man widmet sich mehr einigen besonderen Städten des Landes. In diesen Beschreibungen sind einige Anregungen für Geschichten eingewoben¸ so wie zum Beispiel in Chihuahua¸ wo der Anführer der Schattenlords von Mexiko¸ Alejandro Reyes¸ für die Zähne eines vernichteten Vampirs 200 Pesos ausschreibt ‐ und gar 500¸ sollte man ein (un)lebendes Exemplar auf seine Hazienda schleifen. Außer Mexiko-Stadt natürlich widmet man keiner der Städte mehr wie ungefähr eine halbe Seite¸ aber die zukünftige Kapitale wird auf zwei Seiten näher beschrieben. Schon jetzt ist die auf den Ruinen von Tenochtitlan aufgebaute Stadt ein Ort¸ der aufgrund der großen Präsenz des Sabbat für Garou besser gemieden wird ‐ ausser den Knochenbeißern verweilt hier keiner länger wie nötig.
"The People Of Mexico" beschreibt sowohl die normalsterbliche wie übernatürliche Bevölkerung des Landes¸ wobei der Löwenanteil den Werwölfen gewidmet ist¸ dicht gefolgt von den anderen Fera und den Vampiren.
Den Abschluss macht die Vorstellung einiger möglicher Antagnonisten¸ und WoD-Veteranen dürfte mancher Name bekannt vorkommen. Den Anfang macht ein Rudel von Schwarzen Spiralen¸ angeführt vom (durch ein Blutsband mit der zukünftigen Regentin Galbraith) dreihundert Jahre alten und übergroßen Ahroun Harzomatuili¸ gefolgt von drei Balam Bastet (inklusive eines einseitigen Exkurs über die Fähigkeiten dieser Werkatzen) und der Boot Hill Gang. Letztere wird vom Assamiten antitribu Joe "Boot" Hill angeführt¸ welcher noch genau wie Harzomatuili aus "The Chaos Factor" bekannt sein dürfte. Dass dieses Rudel berüchtigt ist¸ versteht man nach ihrer Beschreibung. Den Abschluß machen zwei mittelamerikanische Mumien und ein kurzer Anschnitt an die Todesalben.
Das Gelbe vom Ei ist Tales From The Trails nicht ‐ aber von den bisherigen Beschreibungen über Mexiko ist es bislang das beste (kein Wunder¸ bei der Konkurrenz). Sollten sich die Spieler einigen¸ ihre Charaktere nach Mexiko zu schicken¸ dürften sie es mit anderen¸ aber nicht unbedingt kleineren Gefahren zu tun bekommen als im Norden. Geschickt verband man den Western-Flair mit dem Mythos der Maya und der Azteken¸ aber im Großen und Ganzen ist das Buch zu kurzweilig¸ da hätte man mehr daraus machen können. Nichtsdestotrotz können Erzähler den einen oder anderen Hinweis aus dem Buch herausziehen. Also vorher sicherheitshalber mal probelesen.
Eine Rezension von: Rosztavili (Schreck-Net)