Changing Breed 7: Nagah

Die den westlichen Wandlern nahezu unbekannten und als ausgerottet geltenden Werschlangen sind die Könige unterhalb der Flüsse und todbringe Vollstrecker im Namen der Gerechtigkeit Gaias. Sie fungieren als eine Art Geheimpolizei unter den Wandlern und strafen konsequent jene Fera¸ die sich nicht an ihre von Gaia vermittelten Vorgaben halten und ihrer gerechten Strafe bislang entkommen konnten. Ihre Rolle als Meuchler ist jedoch von einer tief religiösen Natur und in keinster Weise mit der eines geistlosen Killers gleichzusetzen.
Der einleitende Comic¸ "Satyagraha"¸ schildert einen solchen Fall der Bestrafung in Britisch- Indien aus dem Jahre 1916¸ wo die Nagah einen Corax wegen seines Eingreifens zugunsten seiner britischen Landsleute für ein Massaker mit 400 Toten gesorgt hat. Auch wenn dem Vergleich mit anderen Einführungscomics aus anderen Werwolfbüchern nicht ganz standhalten kann¸ wird das Wesen und Agieren der Nagah gut vermittelt.
Die Einführung¸ "The Serpent Wakes"¸ beinhaltet eine kurze Geschichte und führt den Leser zu den Sesha¸ das in etwa das Kommando der Werschlangen bildet. Ein Nest aus einigen Nagah führt uns dann durch den weiteren Verlauf des Buches. Es findet sich ebenso ein Lexikon über die (sehr häufig aufkommenden) Begriffe der Nagah¸ und ein Verweis auf Filme¸ die in etwa die Stimmung der Nagah widerspiegeln sollen. Dieses Kapitel macht auch klar¸ dass es keine sehr gute Idee ist¸ die Nagah in ein Crossover mit anderen Wandlern einzubauen¸ aber im Verlauf des Werkes werden diverse interessante Möglichkeiten aufgezeigt¸ wie man
eine Gruppe allein aus Nagah bestehend spielen kann¸ ohne dass es gestelzt wirkt.
Im geschichtlichen Teil¸ dem Kapitel "The Great Epic"¸ wird uns der Werdegang der Nagah nähergebracht. Mitten in dieser Geschichte erfährt man beiläufig¸ dass der bekannte Nuwisha Old Man Manyskins vor den obersten Schlangenkadi steht - denn er hat herausgefunden¸ dass es die Werschlangen sehr wohl noch gibt. Jenes Nest¸ welches ihn fing¸ erzählt auch vor der Sesha die Geschichte der Nagah¸ welche sehr mit dem hinduistischen Glauben (und der Geschichte der Hengeyokai) verwoben ist. Ihre Sichtweise der Geschehnisse während des Impergiums und des Krieg des Zorns lassen mal wieder neue¸ wilde Theorien zu. Man erfährt außerdem¸ dass sich entgegen aller Gerüchte die Top Ten auf der "Schwarzen Liste" der Nagah nicht allein aus Garou besteht - an der Spitze stand der Simba Schwarzzahn¸ und es wird geschildert¸ wie die Nagah seine Ermordung minutiös geplant haben - nur um dann in Afrika anzukommen und festzustellen¸ dass er bereits tot ist.
"The Coils Within Coils"¸ das nächste Kapitel¸ befasst sich dann mit den Nagah selbst - wer sie sind und was sie können. Nagah haben wie viele andere Fera auch drei Geburtsformen - Balaram (Mensch)¸ Vasuki (Schlange) und Ahi. Letztere sind fruchtbare Nachkommen zweier Nagah¸ die außer ihrer extremen Anfälligkeit gegen Umweltverschmutzung (da ist später teilweise von drei schwer heilbaren Schaden die Rede) nicht körperlich oder geistig beeinträchtigt sind¸ wie man es von den Metis der Garou¸ Bastet oder Ratker kennt. Ihre vier Vorzeichen richten sich nach den vier Jahreszeiten¸ Frühling (Kamakshi)¸ Sommer (Kartikeya)¸ Herbst (Kamsa) und Winter (Kali)¸ welche auch die Vorgehensweise und Rolle des Nagah beeinflussen. Desweiteren wird die Organisation der Nagah und ihre Spiritualität geschildert. Und wieder mal wird der Werwolf-Spieler mit einer Ansammlung der wichtigsten Gesetze beglückt. Nach einer Erklärung¸ was wann und wie zu bestrafen ist¸ erfährt man¸ wo überall die Nagah auf der Welt ansässig sind. Indien ist zwar ihre Machtbasis¸ aber man findet sie auf allen Erdteilen¸ insbesondere dort¸ wo es auch viele Schlangen gibt. Natürlich dürfen die standesgemäßen Ansichten bzw. Abwertungen über die anderen Fera nicht fehlen. Im dritten Kapitel¸ "The First Skin"¸ wendet man sich nun den Regeln zu. So erfährt man gleich zu Beginn¸ dass die Nagah über kein Rangsystem verfügen¸ wie es bei den anderen Fera üblich ist. Es ist einzig und allein Entscheidung des Erzählers in Gestalt der Sesha¸ wann ein Nagah im Rang aufsteigt. Eines der garstigsten Features eines Nagah ist sein giftiger Biss¸ welches dem Opfer sieben zusätzliche und separat absorbierbare schwere Wunden zufügt! Diese wahrhaft tödliche Dosis kann ein Nagah dreimal in vierundzwanzig Stunden anwenden¸ also an alle Garou da draußen¸ lasst euch nicht beißen. Die Fähigkeit der Nagah¸ diesen Giftbiß in allen Formen außer Balaram anzuwenden¸ bietet natürlich einige fiese Möglichkeiten¸ seine Ziele loszuwerden.
Den Rest dieses Kapitels schlucken die zahlreichen vorgestellten Gaben¸ Riten¸ Fetische und Vorzüge/Schwächen. Neu sind die sogenannten Bindhis¸ edelsteinerner Stirnschmuck¸ welcher magische Effekte hervorruft (z.B. als Lampe im Dunkeln zu fungieren).
Das vierte Kapitel "Songs Of The Executioner"¸ greift nun das Thema Erzählen auf¸ dementsprechend widmet sich dieses Kapitel auch mehr an die Spielleiter - unter anderem gibt es Vorschläge zur Vorgehensweise und einige Mechanismen werden noch einmal genauer betrachtet. Essentiell Neues wird - außer der interessanten Plotidee um Old Man Manyskins herum - hier nicht geboten.
Natürlich darf jener Appendix nicht fehlen¸ der in jedem Breedbook auftaucht - Beispielcharaktere. Von den vier Vorgestellten haben es mir persönlich nur der Ahi-Sensei und die Vasuki-Verführerin angetan. Danach werden wieder einige namhafte Persönlichkeiten der Nagah vorgestellt.
Vor der vierseitigen Kopiervorlage für Charakterbögen findet sich noch ein weiterer Appendix¸ "Snakeskin" - und dieses widmet sich allein der Anatomie und Lebensweise der Schlangen.
Sieht man vom Einführungscomic ab¸ ist das ganze Buch durchweg gut illustriert und macht der Künstlerriege keine Schande. Und auch sonst wurde das Buch sauber und ordentlich verfasst.
In der Reihe der Changing Breed Books ist für mich "Nagah" nicht das beste¸ aber auch nicht das schlechteste Buch. Die Autoren haben sich alle Mühe gemacht¸ die Werschlangen so attraktiv fürs Spielen zu machen wie nur irgend möglich¸ und somit sind die 35 Mark¸ die ich dafür habe zahlen dürfen¸ eine gute Investition gewesen. Werschlangen sind cool¸ sie haben Style¸ und was das Wichtigste ist - sie sind verdammt giftig.
Eine Rezension von: Rosztavili (Schreck-Net)