Drizzt - Die Saga vom Dunkelelf 02: Exil
Band 1: "Heimatland"
Story
Zehn Jahre sind ins Land gezogen¸ seit Drizzt Do"Urden seiner Heimat Menzobarranzan den Rücken gekehrt hat. Zehn Jahre¸ in denen er an der Seite seiner befreundeten Pantherin zum gefährlichsten Kämpfer des Unterreichs aufgestiegen ist und als die größte Bedrohung seines alten Hauses empfunden wird.
Herrin Malice lässt daher auch weiterhin keine Ruhe¸ bis ihr Sohn endgültig getötet und der Fortbestand des Hauses Do"urden gesichert wurde¸ doch ihre Suche nach dem gewieften Drizzt scheint aussichtslos. Mit Hilfe der Spinnenkönigin¸ um deren Gunst sie nach wie vor buhlt¸ kreiert sie in einem teuflischen Zauber die Reinkarnation von Drizzt"s Vater¸ dem ermordeten Waffenmeister Zaknafein¸ und entsendet diesen auf die tödliche Jagd nach seinem abtrünnigen Sohn.
Doch Drizzt ist seinen Häschern stets eine Spur voraus und findet vorzeitig Unterschlupf beim Volk der Gnome¸ das ihn trotz einer alten Fehde bereitwillig empfängt. Aber auch dort findet er nur kurze Zeit Ruhe¸ denn als die Kunde von der Bedrohung durch die Dunkelelfen in die Stadt gelangt¸ muss der dritte Sohn des Hauses Do"Urden erneut fliehen. Zusammen mit seinem neuen Verbündeten Belwar sucht er nach Schutz in den Höhlen des Unterreiches¸ wo die neue Gemeinschaft auf den verzauberten Peck stößt¸ der in die Gestalt eines Hakenschrecken verwandelt wurde und sich den Gefährten anschließt.
Obwohl sich Drizzt unter seinen neuen Freunden so wohl wie nie zuvor fühlt¸ ist er sich bewusst¸ dass er der Rache seiner ehemaligen Herrin und Mutter nicht entfliehen kann und sich früher oder später der von ihr ausgehenden Bedrohung stellen muss. Allerdings wusste der junge Dunkelelf bis dahin nicht¸ was genau ihn die ganze Zeit über verfolgt hat …
Meine Meinung
Diese Graphic Novel kurz und bündig mit einem Wort zusammenzufassen¸ würde wohl auf Superlative wie 'atemberaubend' oder 'umwerfend' hinauslaufen.
Ähnlich wie schon im ersten Teil der illustrierten Adaption von R. A. Salvatores legendärer Saga um die Völker der Dunkelelfen¸ ist auch der mittlere Part der Trilogie ein echter Festschmaus in Sachen bebilderter Fantasy und besticht einmal mehr durch eine mitreißende¸ wahrlich sagenhafte Atmosphäre.
Dabei geht Salvatore in seinem zweiten Band sogar noch einen Schritt weiter¸ was die Kompromisslosigkeit seiner Protagonisten betrifft¸ und hat in "Exil" eine ziemlich brutale¸ mitunter auch schwer verdauliche Handlung entworfen¸ die an Spannung jedoch kaum noch übertreffbar scheint.
Buch- und Filmadaptionen sind im Comic-Bereich ja bekanntermaßen meist schwierige Fälle¸ weil es einfach nicht gelingen will¸ die Stimmung der jeweiligen Vorlage in den Zeichnungen und vergleichsweise kürzeren Texten einzufangen. Bei "Die Saga vom Dunkelelf" aus der Welt "Vergessene Reiche" ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Die düstere Stimmung ist teils noch bedrohlicher als das Original und jagt einem gleich mehrfach wohlige Schauer über den Rücken. Auch die Charaktere werden von Zeichner Tim Seeley sehr eigenständig in Szene gesetzt und lassen eine deutlich eigene Note erkennen¸ die sich zwar an Salvatores Skript hält¸ vom Stempel des Zeichners aber deutlich mitgeprägt wird. Eine wichtige Angelegenheit¸ die als eines von vielen Puzzleteilen beweist¸ dass die Comic-Variante weit mehr ist als eine zeichnerische Nacherzählung des Fantasy-Klassikers.
Doch zum Inhalt des zweiten Buches: Im Mittelpunkt steht noch deutlicher als zuvor der Konflikt zwischen Drizzt und seiner Familie¸ oder besser gesagt der fürchterlichen Inkarnation¸ die den Jungen einst verbittert aufgezogen¸ dann aber die Kontrolle über seine Emotionen verloren hat. Nach mehr als zehn Jahren im Exil hat der immer noch junge Dunkelelf mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und sucht nach einem Leben in Frieden. Die Angst vor der Verfolgung durch seine verhassten Angehörigen lastet jedoch immer noch sehr stark auf seinen Schultern¸ weshalb er sein Schicksal in die Hände des damals noch gegnerischen Volks der Gnome in Blindgenstein legt.
Dort findet er Zuflucht¸ Unterstützung und Bestätigung¸ erfährt jedoch auch dieselben biederen Hindernisse¸ die ihm zum ewig Flüchtigen haben werden lassen. Er gehört einem miserablen¸ bösen Volk an¸ einer Sippe¸ der man nicht über den Weg trauen kann¸ und die für ihre Ziele über die Leichen eines jeden Einzelnen gehen würde¸ und genau dies kann man in Blindgenstein nicht akzeptieren. Schon wieder ist sein Leben geprägt vom ständigen Weglaufen¸ von der Flucht vor einem häufig unsichtbaren¸ doch nur allzu bekannten Feind¸ der dazu noch aus demselben Fleisch und Blut wie er selber ist.
Die Tragödie setzt sich fort¸ über bittere Kämpfe¸ gefährliche Pfade und unsichere Abenteuer bis hin zur gefürchteten Konfrontation¸ der Drizzt schließlich nicht mehr ausweichen kann. Doch der bevorstehende Kampf richtet sich gegen einen Geliebten¸ den einzigen Dunkelelfen¸ der Drizzt je seine Gunst erwiesen hat¸ und letztendlich auch die einzige Figur¸ gegen die er das Schwert nicht erheben möchte ‐ obwohl er dies zum Überleben einfach tun muss.
R. A. Salvatore hat mit dieser Serie sein Meisterstück abgeliefert und dementsprechend auch reichlich Anerkennung für "Die Saga vom Dunkelelf" bekommen. Gleiches wäre den Machern des gleichnamigen Comics auch zu wünschen¸ denn ein sphärisch so dichtes¸ gleichzeitig böses und euphorisches und bis zum Schluss unberechenbares Epos hat die Comic-Welt selten erlebt. Die Geschichte von Drizzt Do"urden und seinem bösartigen Volk ist an Dramaturgie kaum noch zu übertreffen¸ bietet aber zur gleichen Zeit auch genügend Action-Kost¸ um genreübergreifend das berechtigte Interesse zu wecken. Für mich persönlich ist "Exil" als zweiter Teil dieser Reihe die beste und wohl kaum noch zu übertreffende Episode aus der übergeordneten Reihe "Vergessene Reiche". Meine Empfehlung daher: Sofort zuschlagen¸ am besten im Paket mit der ab Oktober veröffentlichten Hörspiel-Trilogie aus dem Hause Lausch¸ die fast exakt an die Comic-Vorlage angelehnt ist.
Eine Rezension von: Björn Backes http://www.buchwurm.info/
