Clanbook: Ravnos (3e Revised Edition)

Doch diese Zeiten sind vorbei ‐ drastischer als bei jedem anderen Clan haben sich die Ravnos vom einstigen Bild gewandelt¸ und dies kann man in ihrem Clansbuch¸ dem abschließenden der dreizehnteiligen Serie¸ auch erkennen. Viel ist geschehen in der jüngsten Geschichte der Ravnos ‐ ihr Gründer¸ Ravnos Sargatanas¸ oder Zapathasura¸ je nachdem¸ ist vernichtet¸ und die Woche des Alptraums raffte einen Großteil des Clans dahin. Was geschehen ist und was blieb¸ steht auf diesen 100 Seiten.
Machen wir uns nichts vor ‐ die einzige alte Geschichte¸ die hier erzählt wird¸ ist der Aufbau des Clansbuches. Zur Einstimmung eine nette Geschichte¸ dann die Historie des Clans usw. Nur ‐ bei den Ravnos wird sehr viel Neues erzählt. Dankenswerterweise bekommt man gleich zu Beginn ein Wörterlexikon¸ denn die aus der Sprache der Roma und der Hindu stammenden Begriffe sind teilweise echte Zungenbrecher ‐ da ist von den asuratizayya die Rede¸ und vom mayaparisatya (damit ist entweder die Disziplin Schimären oder der Pfad des Paradox gemeint)¸ und den Kshatriyas. Die Wurzeln des Ravnos liegen in Indien¸ ja¸ sie selbst sehen ihren Clansgründer als nicht von Kain geschaffen an. Aber wusste man schon in anderen Clansbüchern bei den In-character-Texten die Lüge von der Wahrheit zu trennen¸ findet man auch hier bei den Ravnos seinen Meister. Die ziemlich ausführliche Geschichte des Clans bis in unsere Zeit ist wie jede der anderen zwölf Clans auch ‐ bis zu dem Punkt¸ an dem die Woche der Alpträume angesprochen wird. Immer noch sind die Ravnos geschockt¸ doch langsam haben sie begriffen¸ was vorgefallen ist ‐ und dass nicht alle Mächtigen ihrer Linie gefallen sind.
Kommt man im Clanbuch auf die Ravnos an und für sich zu sprechen¸ sieht man¸ dass sie ihre lange Geschichte auch geprägt hat. So entstanden die sogenannten Ahnenlinien¸ regelrechte Familien von Kainiten innerhalb des Clans¸ die sich auch teilweise ‐ wie man an den Brahman Ravnos mit Auspex anstelle von Seelenstärke sieht ‐ über andere Disziplinen verfügen. Die auch für ihre Geselligkeit und Wanderlust bekannten Ravnos mögen ihre Wurzeln in Indien haben¸ aber sie haben sich¸ größtenteils im Gefolge der Zigeuner¸ unter jedes Volk dieser Erde gemischt. Eine Übersicht über die Ravnos auf der ganzen Welt kratzt den Rest dessen zusammen¸ was vom Wahnsinn übrig geblieben ist.
Auf die bei Sabbat wie Camarilla gefürchteten Taktiken und Praktiken der Ravnos wird ebenso eingegangen wie auf ihre Clansschwäche¸ denn es gibt mehr Verbrechen als chronisches Lügen¸ Stehlen und Hütchenspielveranstalten. Auf zwei andere Eigenheiten dieses Clans¸ nämlich zum einen die Hassliebe zu den Gangrel und zum anderen der Umgang mit den Wolflingen¸ kommt man ebenfalls zu sprechen.
Schimären¸ die Disziplin der Ravnos¸ die nicht so ganz von Kain ist¸ wie alle glauben¸ wird ebenfalls näher beleuchtet¸ was die Systeme angeht. Es ist nicht möglich¸ Verdunkelung mit ihr zu simulieren¸ aber man als Opfer nicht durch schlichtes Ignorieren ("Du bist nicht echt! Ha! Eine Illusion!") die Täuschung auffliegen lassen. Einige hohe Stufen von Schimären so wie einige Kombinationen mit Auspex¸ Tierhaftigkeit und Seelenstärke werden ebenfalls vorgestellt.
Wer da immer noch an das stereotype Bild von Zigeunern denkt¸ was ich bezweifle¸ wird bei den zehn Beispielcharakteren einen regelrechten Schock erleiden. Ein Ravnos antitribu¸ der Spezialist für psychologische Kriegsführung ist? Ein Ravnos im Anzug¸ der mit Insiderwissen dealt? Eine Ratgeberin des Prinzen? Offenbar sind Kristallkugeln und Händelesen ziemlich aus der Mode gekommen.
Mit den Grabräubern wird in der Tradition der neuen Clansbücher eine Beispielbrut vorgestellt¸ und es werden einige Überlebende aufgezählt. Natürlich ist da auch der unsympathische Ravnos Khalil Ravana dabei¸ welcher sich durch den Clansroman: Ravnos durchkämpfte ‐ aber auch Durga Syn. Die unter den Spielern wohl bekannteste Ravnos hat mitnichten die Grätsche gemacht¸ sondern nun¸ nachdem ihre Erzfeindin Baba Yaga vernichtet ist¸ selber nach Höherem strebt. Und klar ‐ ein vierseitiger Charakterbogen fehlt auch in diesem Clansbuch nicht. Was die Bilder angeht¸ so fällt es weder positiv noch negativ aus der Reihe der anderen Clanbücher.
Fazit:
Es bleibt also dem Clan Brujah vorbehalten¸ die Serie der neuen Clansbücher allein zu verschandeln. Wenngleich das überarbeitete Ravnos-Clanbuch nicht das beste in der Serie ist¸ so ist es dennoch gut gelungen und darf weder bei den Fans dieses Clans noch bei den Sammlern fehlen. Das große Manko aller Clansbücher¸ dass sie nicht jeden ansprechen¸ ist auch hier gegeben¸ aber aufgrund einer mangelhaften Qualität wird man es nicht im Regal stehen lassen.
Eine Rezension von: Rosztavili (Schreck-Net)