San Francisco by Night
Und dem Crossover zwischen westlichen und östlichen Vampiren wird es auch gerecht. Es ist also nicht nur für KotE-Spieler/Erzähler geeignet¸ wobei der Erzähler durchaus Kenntnisse der asiatischen Vampire besitzen sollte.
Natürlich hat es seine Schwächen¸ wie die meisten Bücher¸ aber wenn man darüber hinwegsieht hat man ein Städtebuch welches man durchaus als interessant bezweichnen kann.
Aber alles der Reihe nach.
Der Prologue wird von einer kurzen Geschichte namens Night Moves gebildet. Warum ich sie gelesen habe weiss ich nicht¸ und worum es geht weiss ich auch nicht so wirklich. Man kann das Ganze auch als Einführung in ein paar wichtige Persönlichkeiten SFs sehen: Jochen Van Nuys¸ dem ehemaligen Prinzen und Sara Anne Winder¸ dem jetzigen Prinzen (jaja es gibt einen Camarilla-Prinzen)¸ aber wirklich Sinn machte die Geschichte meiner Meinung nach nicht¸ vor allem machte sie einen etwas unfertigen Eindruck.....und eine Fortsetzung im Rest des Buches konnte ich auch nicht entdecken.
Aber anhand von ein paar Seiten ein ganzes Buch verurteilen....die Einführungsgeschichten sind in meinen AUgen meistens nicht sonderlich gelungen (und irgendwie scheine ich ein gespür dafür zu haben sie nur dann zu lesen wenn sie schlecht sind).
Das erste Kapitel bildet die Einleitung¸ in der ein Überblick über die folgenden Kapitel geboten wird¸ ein Lexikon¸ ein Überblick über verschiedene Themen und die Stimmung der Stadt und diverse unterstützende Quellen (unter anderem auch einiges was die World of Darkness sonst hervorgebracht hat)¸ eben alles was in eine Einleitung gehört (warum man das anders als sonst in ein eigenes Kapitel packt ist mir schleierhaft).
Interesting Times¸ das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der geschichte der Stadt¸ bzw. der Region in der die Stadt gebaut wurde¸ wobei die Anfänge eher kurz abgehandelt werden¸ und natürlich das Hauptaugenmerk auf die Bedeutung der Asiaten (Chinesen) und die Kuei-jin liegt¸ da eine kleine Bevölkerung der östlichen Vampire schon länger in der Stadt ist¸ nur eben nicht soviel wie seit der 'Invasion'.
Natürlich wird sehr ausführlich auf die Änderungen die die Kuei-jin mit sich brachten eingegangen¸ und die Probleme die es mit sich bringt (die Kainskinder sind auf bestimmte Viertel beschränkt¸ das New Promise Mandarinate hat keinen Ancestor¸ nur einige Kandidaten).
Leider ist das Kapitel verhältnismässig kurz geraten¸ die gegenwart ist wichtiger als die Vergangenheit und es wird zuviel wert auf die asiatischen Einflüsse der Stadt gelegt¸ während andere Dinge (auch die Flower Power) etwas zu kurz kommen.
Das dritte Kapitel: Utopia Lost¸ ist der Geographie der Stadt gewidmet und die Verteilung der Vampire. Dabei handelt es sich um ein sehr interessnates Kapitel¸ da man neben der eigentlichen Stadt auch einiges über die Bewohner erfährt¸ unter anderem die geltenden 'Gesetze' der Kuei-jin (geltend für andere Kuei-jin).
Während des lesens dieses Kapitels erhält man den Eindruck dass San Francisco eine Art Gefängnis darstellt. Die Kainskinder sind in einige Viertel (Munificent Transitioning Sectors) 'verbannt' worden¸ die Kuei-jin sind gut über die Aufenthaltsorte der Kainskinder informiert und der einzige der grössere Freiheiten besitzt ist der ehemalige Prinz und jetzige Minister für Westliche Angelegenheiten¸ Jochen Van Nuys.
Aber auch die Kuei-jin haben nicht die Freiheiten die sie gerne hätten¸ nachdem die Camarilla (mit tatkräftiger Unterstützung der Tremere) auch die Kuei-jin in schach hält (dazu wurde ein Mehrphasenplan entwickelt¸ welcher den Kuei-jin den Zugang zu einigen Orten der Stadt verweigert¸ andere Orte werden von Gangrel verteidigt¸ welche jeden Kuei-jin dem sie habhaft werden können töten¸ sehr zum gefallen der Camarilla¸ auch wenn sie das öffentlich nie zugeben würde.
Man sieht SF ist ein heisses Pflaster (wobei ich die Existenz des Ward vs. Cathayans für etwas übertrieben halte¸ auch wenn er nicht so effektiv ist wie die Tremere udn die Camarilla glauben mag¸ allerdings findet dieses Ritual auch nicht die grosse Verbreitung¸ nur wenige wissen davon¸ auch wenn die beschriebenen Tremere des Buches ihn können).
Die Beschreibung der einzelnen Stadtteile enthält auch das Wallrating¸ welches sich meist zwischen 7 und 9 bewegt (mit einigen wenigen Ausnahmen und teilweise auch abhänguig von der Tageszeit)
Auch die nähere Umgebung der Stadt (inclusive der dort vorkommenden Prinzen¸ die nur namentlich erwähnt werden¸ später bei der Beschreibung einiger Kainskinder aber fehlen) wird beschrieben¸ einschliesslich der Bedeutung für die Kuei-jin (warum sie die ein oder andere Stadt unter ihre Kontrolle bringen wollen udn warum das nicht möglich ist).
Das vierte Kapitel¸ San Francisco Nights¸ beschäftigt sich¸ wie der Titel schon sagt¸ mit dem Nachtleben¸ sprich der bedeutung des Lebens für Kuei-jin und Kainskinder.
Man erfährt den Aufbau des New Promise Mandarinate¸ die Nachteile nächtlicher Reisen in San Francisco und die Probleme¸ die es mit sich bringt ein Kainskind zu sein (beschränkter Einfluss in manchen Gebieten¸ das Problem der Jagd)¸ Gebiete des Einfluss (für beide Vampirgruppen) und jene Gebiete um die gestritten wird (The Financial District¸ welcher vor allem für die Ventrue von Bedeutung ist und der Einfluss auf die Strassenkultur).
den Abschluss bildet ein Einblick in die Spiritworld (und der Einfluss Mikaboshis¸ dem sich die meisten Kuei-jin nicht einmal bewusst sind).
Honored Shen beschreibt einige wichtige Persönlichkeiten der Stadt (wobei im gesamten Buch der durchaus als interessant zu bezeichnende Vorschlag gemacht wird einige Personen durch Spieler zu ersetzen¸ was den Geschichten/Chroniken eine interessante Note verleihen dürfte).
Dabei ist verständlich dass ein Grossteil der Beschreibungen den chinesischen Kuei-jin zufällt. Allerdings sind diese durchaus als interessante Charaktere zu bezeichnen. Anhand der Beschreibungen erfährt man auch vieles über die in vorangegangenen Kapiteln nur angedeutete Intrigen und die Rolle die der Tremere Oliver Thrace und sein Kind Wan Zhu spielen.
Aber auch andere Kuei-jin werden beschrieben¸ Koreaner des Green Courts¸ Mitglieder der Gaki (und die Probleme die die Invasion der Quincunx mit sich bringt)¸ Kanbujjan (Kuei-jin¸ die ausserhalb Asiens entstanden sind und denen die Erziehung eines Dharmas fehlt)¸ einem Akuma-Wu von Mikaboshis (einschliesslich eines Ventrues¸ der ein gefährliches Spiel treibt).
Neben den beiden vorher beschriebenen 'Camarilla'-Vampiren finden sich auch die Beschreibungen des jetzigen Prinzen Sara Anne Winder¸ des ehemailigen Prinzen Jochen Van Nuys und einige andere Kainskinder (einschliesslich Sabbat und Anarchen) und andere Shen (eine Shih¸ die dachte in San Francisco Ruhe vor ihrer Aufgabe zu finden und einem Ch'in Ta¸ der als verbündeter der Kuei-jin dienen kann).
Nicht alle der beschriebenen Personen besitzen Werte (was nicht als Nachteil gelten mag)¸ allerdinsg wird in diesem Kapitel einiges erwähnt was mich doch etwas stört.
Der gedanke der Kanbujjan ist ja ganz nett¸ aber die Art der Umsetzung derselben ist etwas seltsam. Nachdem sie keinem Dharma folgen¸ folgen sie ihren eigenen Wegen. Vielleicht hätte man das anders lösen können. Und auch die Akuma folgen keinem Dharma¸ zumindest ist das aus früheren Veröffentlichungen ersichtlich. Alle beschriebenen Akuma (abgesehen von dem Ventrue¸ der immer noch der Menschlichkeit nachjagd) besitzen einen Wert in einem 'Dharma' welches sich Akuma nennt¸ was auch immer das zu bedeuten hat.
Und dann die Bilder. Normalerweise schweige ich mich darüber aus¸ da sie mir nicht so wichtig erscheinen¸ ich halte mich eher an den Text als an die Bilder. Aber die Qualität der Portrais ist so unterschiedlich dass ich deswegen doch ein paar Worte verlieren muss.
Die Zeichnungend er meisten Kuei-jin sind durchaus als realistisch und sehr gelungen zu bezeichnen¸ betrachtet man dann die Bilder der Kainskinder so kommt man aus dem Lachen nicht mehr hinaus¸ sie sidn irgendwie als schlecht zu bezeichnen¸ irgendwie erscheinen sie schlechten Comics entsprungen zu sein und die City Gangrel besitzt fast keine Nase. Da wäre mir eine Art Mangastil schon passender gewesen. Aber man kann nicht alles haben.
Das letzte Kapitel bildet das Erzählerkapitel Storytelling San Francisco. Es werden Tips für Oneshots und längere Chroniken geboten. Interessnatd abei ist der Teil der sich mit dem Wissen der unterschiedlichen Vampire beschäftigt: Was die Kuei-jin über die Kin-jin wissen und die Kainskinder über die Cathayaner. Diverse Konflikte finden Erwähnung (wobei es mehr gibt als Kuei-jin gegen Kinjin¸ es besteht durchaus die Möglichkeit Vampire - Duie Maskerade zu spielen und die 'Bedrohung' der Kuei-jin im Hintergrund zu belassen.
Den Abschluss bilden drei Tremere-Rituale: Das Ward vs. Cathayands (Level 3)¸ Writ of Protected Passage (die Möglichkeit das Schutzzeichen zu umgehen¸ von Wan Zhu entwickelt und nur Level 2 ist) und ein Ritual welches Oliver Thrace beherrscht¸ udn als Storyteller-device zu betrachten ist.
Auch erfährt man mehr über die Kanbujjan (die man durchaus Spielern aufs Auge drücken kann¸ welche von der asiatischen Kultur keine Ahnung haben¸ auch wenn man etwas an der Umsetzung arbeiten muss). es gibt einen vierpunkteflaw (Kanbujjan) und eine Beschreibung der Kanbujjan-Pfade (welche allerdings nur als rudimentär zu bezeichnen sind).
Ignoriert man die Umsetzung der Dharma für Akuma und Kanbujjan¸ die Hinweise auf viele andere Bücher (hauptsächlich Dharmabücher) und das Ward vs Cathayans hat man eigentlich ein sehr stimmungsvolles Städtebuch¸ welches zwar nicht vergleichbar mit Cairo ist¸ aber dennoch nicht so schlecht wie sein Ruf. Es bietet viele Möglichkeiten für westliche und östliche Vampire. Wie gesagt Kenntnisse von Kindred of the East sind zumindest für den Erzähler von Vorteil.
Eine Rezension von: Martin