Clanbuch: Brujah

An den Illustrationen und am Layout lag es nicht - es ist viel eher¸ dass mich der Begriff "revised" stört - denn wirklich Neues wird den Brujah-Spielern nicht präsentiert - sieht man vom interessanten Geschichtsteil und neuen Informationen zum Thema Brujah/Troile ab. Bis zu diesem Punkt akzeptiere ich noch¸ dass die Brujah ihren Beinamen als Clan der Gelehrten zu Recht tragen. Bis ich mich schließlich zum zweiten Kapitel¸ "Unlife Among The Brujah"¸ vorkämpfte. Bezüglich der drei Gruppierungen¸ den Ikonoklasten¸ den Idealisten und den Individualisten¸ wird nichts Neues erzählt¸ und was die Rants und Raves angeht¸ fühle ich mich an das alte Clanbuch erinnert. Für mich erweckt diese Passage den Eindruck¸ als hätte der Autor krampfhaft versucht¸ alte Informationen lediglich mit anderen Worten zu verfassen. Den Brujah antitribu und den Wahren Brujah wird lediglich etwas mehr als eine Seite gewidmet¸ ehe die Ansicht des Clans bezüglich der sechs Traditionen auf sage und schreibe achteinhalb Seiten präsentiert wird. Immerhin erfährt man hier ein paar neue Ansichten und Vorgehensweisen der Brujah¸ die allerdings in den langatmigen Texten gut versteckt sind. Zusammen mit der (ebenfalls recht ausführlichen) Passage über die Politik der Brujah in der Camarilla bildet dieser Teil des Buches mit den langweiligsten.
Nach der altbekannten Kundtuung der Meinung über andere Clans und übernatürliche Gruppierungen geht es weiter mit dem Regelteil. Auf einer Seite finden sich auch jene drei Disziplinskombinationen wieder¸ welche schon im Vorgänger zu finden waren. Danach neue Ideen für hohe Disziplinsstufen sowie neue Vorzüge und Schwächen. Und dort traf mich beinahe der Blitz¸ als ich den Vorzug "Dynamic Personality"durchgelesen habe. Dieser ermöglicht es dem Nutznießer¸ seine Hintergründe mittels Erfahrungspunkte am Ende einer Geschichte zu steigern. Ich will ja nicht pingelig sein¸ aber das kann man auch so verstehen¸ dass man seine Hintergründe nicht wirklich mittels Rollenspiel erhöhen braucht. Ein überflüssiger Vorzug¸ an dem Regelfuchser ihre wahre Freude haben werden (sofern der Spielleiter dies - hoffentlich nicht! - zulässt).
Die zehn Beispielcharaktere stimmten mich dann wieder fröhlicher¸ zumal hier (außer dem Hacker) keine Stereotypen präsentiert werden (ich erinnere mich noch zu gut an den Skinhead oder an die Anarchoterroristin aus dem Vorgänger¸ quasi als ob sich die Brujah nur aus solchen Leuten rekrutieren). Als alter Freund von Western hat es mir vor allem der John Wayne-Verschnitt angetan¸ und auch La Belle Dame Sans Merci und der Anarch Ringleader haben ihren Reiz¸ einmal als Vorschlag für ein Konzept zu dienen.
Hezekiah´s Revival¸ ist der Vorreiter aller Beispielbruten in den neuen Clanbüchern - mit das einzige¸ was ich als wirklich neu betrachte. Die Brut um ihren Begründer Rutledge ist verglichen mit anderen Bereichen dieses Buches interessant und erfüllt seine Vorbildfunktion bestens.
Bevor das Buch in seinem vierseitigen Charakterbogen endet¸ werden noch einige bekannte Mitglieder des Clans vorgestellt. Persönlichkeiten wie Tara¸ Smiling Jack oder speziell Tyler kennt man aus älteren Publikationen. Quasi als "Auswärtiger" wurde Redemption-Protagonist Christof Romuald in diesen Kreis aufgenommen¸ was mir ein Rätsel ist¸ denn beim besten Willen lassen sich die Geschehnisse aus dem Computerspiel nicht vernünftig in die Pen&Paper-Welt übernehmen.
Fans der Brujah und Sammler so wie ich¸ die alle dreizehn Bücher beieinander haben wollen¸ kann ich natürlich nicht davon abhalten¸ sich dieses Clanbuch zuzulegen¸ aber verglichen mit der Konkurrenz um das eingangs erwähnte Dreigestirn wird es immer den Kürzeren ziehen. Wer jedoch erst mit der dritten Edition auf den Zug aufgesprungen ist und Gefallen am Clan der Gelehrten gefunden hat¸ kann ebenfalls zugreifen - zumindest den Neueinsteigern wird viel Neues über die Brujah vermittelt...
Eine Rezension von: Rosztavili (Schreck-Net)