Blutmagie - Geheimnisse der Tremere
Als Blood Magic herauskam habe ich öfters gehört das dieses Buch einfach sinnlos und schlecht sei. Nun nachdem ich die deutsche Übersetzung mir durchgelesen habe und mir meine eigene Meinung darüber bilden kann¸ muss ich dem leider zustimmen. Zumindest teilweise. Ich finde¸ dass ein Buch welches den Titel 'Blutmagie: Geheimnisse der Thaumaturgie' trägt¸ durchaus das potential hätte was wirklich gutes daraus zu machen¸ doch leider haben die Autoren¸ in meinen Augen¸ an vielen Stellen an dem eigentlichen Thema vorbeigeschrieben. Aber gehen wir das ganze Buch doch einfach mal durch.
Die Einführungsgeschichte ist etwas daneben. Da geht es darum¸ dass die Tremere mittels eines Rituals einen Nosferatu beim Prinzen in die Pfanne hauen wollen um sich so einige Pluspunkte beim Prinzen einzusammeln. Aber an Stelle¸ dass man über den eigentlichen Ablauf des Rituals schreibt handelt die Geschichte mehr darum¸ dass eine Tremere zu verschiedenen Personen läuft um irgendwelche Dinge zu bekommen¸ um jenes besagte Ritual durchzuführen und danach etwas in der Zuflucht des Prinzen zu verstecken. Wie gesagt¸ ich hätte mir bei so einem Buch etwas mehr passenderes gewünscht. Etwas was auch wirklich mit Blutmagie zu tun hat. Aber lassen wir das.
Die Einleitung zum Buch gibt eine kurze Definition von Thaumaturgie und ihre verschiedene Arten¸ sowie ein kleines Lexikon wie man es aus vielen WoD-Büchern gewohnt ist. Der winzige Abschnitt 'Inzwischen¸ in der wirklichen Welt...' hat mich dabei doch zum lächeln gebracht¸ indem die Autoren nochmals extra darauf hinweisen das dies ein Rollenspielbuch ist und nicht irgendeine Anleitung für Okkultisten. Das
Erste Kapitel 'Die Geschichte der Blutmagie' handelt wie der Titel schon vermuten läst¸ über die Geschichte der Blutmagie und Thaumaturgie. Alle die bis jetzt immer noch der Meinung sind das Thaumaturgie einzig und alleine von den Tremere praktiziert wird und das die Hexenmeister die Erfinder der Thaumaturgie sind¸ werden hier eines besseren belehrt. Die Kunst der Thaumaturgie gibt es schon so lange wie es Kainskinder gibt. In der Tat könnte man eventuell sogar sagen das die Thaumaturgie die Grundlagen aller Disziplinen sei¸ da man mit Blutmagie so viele Möglichkeiten hat um Effekte anderer Disziplinen hervorzurufen. Wenn man nur gut genug darin ist. Wie gesagt geht der zeitliche Abschnitt von der ersten Stadt aus¸ über Karthago zur Entstehung von Haus & Clan Tremere bis in die modernen Nächte. Auch wird am den Zeitpunkt wo die Tremere auftauchten deutlich warum die Tremere als die Erfinder der Thaumaturgie gelten¸ da diese an sich wirklich die Thaumaturgie erfunden haben. Nur basiert Thaumaturgie auf der allgemeinen Blutmagie und die Tremere haben nur das ganze Chaos der Blutmagie geordnet. Dieses ganze Kapitel wurde als Brief geschrieben und ist an sich doch ganz recht interessant zu lesen¸ da hier zum ersten mal das wirkliche Potential von Thaumaturgie zum Vorschein kommt.
Das zweite Kapitel 'Blutriten' wurde ebenfalls als Inplay-Dokument geschrieben und zwar von einen Tremere-Anarchen und hin und wieder wurden einige handschriftliche Anmerkungen von einen Tremere Ahnen hinzugefügt¸ was das ganze schon lesenswert macht. Im Grunde wird hier die hermetische Thaumaturgie der Tremere erklärt¸ sowie ein kurzer Überblick über andere Traditionen wie Kabbalah¸ Voodoo und Wicca. Auch wird hier neben der Dunklen Thaumaturgie ein wenig auf Geister und Dämonen eingegangen¸ allerdings ohne das der wirklich einigermaßen gut bewanderte Vampire Spieler dort etwas wirklich neues erfahren würde. Das vermutlich interessanteste an dem ganzen Kapitel ist dann doch die Erklärung wie die Pfade und Rituale an sich¸ sprich also die Blutmagie an sich funktioniert. Hier wird den Spielern als auch den Spielleitern zum ersten mal aufgezeigt das Thaumaturgie nicht nur einfach aus ein paar Würfeln besteht. Welcher Spieler hat sich schon mal wirklich darüber Gedanken gemacht warum er gewisse Dinge für ein Ritual braucht¸ oder warum er Willenskraft und Blut bei der Benuzung von Pfaden braucht? Dieser Teil¸ so muss ich sagen ist das was man durchaus noch besser ausbauen und vertiefen hätte können. Der letzte Teil in diesen Kapitel handelt von den Tremere selbst. Der Aufbau eines Gildenhauses¸ die Organisation der Tremere¸ die Ausbildung eines Lehrlings. Obwohl ich als Tremerespieler doch es ganz interessant fand¸ auch wenn ich persönlich nichts neues erfahren über die Tremere erfahren habe¸ muss ich mir doch die Frage stellen was dieser Teil in solch einen Buch zu suchen hat? Es hätte besser in das Clanbuch Tremere gepasst¸ aber was soll's. Das einzig wirklich neue¸ was zumindest ich erfahren habe¸ war die Beschreibung was ein Tremere ab welchen Rang alles gemeistert haben muss/sollte. In Anbetracht der Tatsache¸ das die meisten Tremere Spieler einen Lehrling des 7.Zirkel der Mysterien spielt und damit sozusagen 'unabhängig' sind¸ sie ihre Charaktere nach den normalen Erschaffungsregeln gebaut haben¸ muss ich mich doch fragen wie das geht? Nach diesen Buch müsste ein Lehrling im 7.Zirkel mindestens seinen Primärpfad gemeistert haben¸ in einen zweiten gut bewandert sein¸ min. 3 Rituale beherrschen¸ die kompliziertesten Rituale allein ausführen können und am besten noch ein eigenes Ritual entwickelt haben. Kann mir irgendjemand sagen woher ich die ganzen Punkte für solch eine Charaktererschaffung herbekomme?
Bis dahin war das ganze Buch eigentlich doch ganz interessant aber nun kommt der Teil der eigentlich kommen musste und den ich persönlich für etwas überflüssig halte. Und zwar werden in 'Pfade der Magie' ganze 11 neue Pfade vorgestellt. Wobei einige dieser Pfade bereits aus anderen Büchern bekannt sind wie z.B. Alchemie. Aber das so was in solch einen Buch zu finden sei¸ war ja eigentlich zu erwarten. Ebenso das 49 neue Rituale vorgestellt werden. Wenigstens gibt es auch eine Beschreibung wie man eigene Ritual und Pfade entwickelt¸ und meiner Meinung nach ist genau das was einen wahren Blutmagie ausmacht. All diese ganzen Pfade und Ritual mögen ja ganz nett sein¸ aber wenn ich zuerst lese das jeder Blutmagier danach strebt was neues zu erforschen und zu entwickeln¸ frage ich mich dann doch warum die WoD dann wieder mit soviel neuen Pfaden und Ritualen überschwemmt wird. Besonders da in meinen Augen viele dieser Pfade einfach sinnlos sind. Ich kann nur jeden wirklichen Tremerespieler raten¸ sich selbst mal ein wenig Gedanken über etwas eigenes zu machen.
In Kapitel 4 'Arkana' geht es um die Blutmagie der anderen Clans. Also die der Setiten¸ der Assamiten¸ der Tzimisce und die Nekromantie der Giovanni. Auch hier bin ich der Meinung das diese jeweils paar einzelne Seiten von Informationen¸ man ebenfalls in das jeweilige Clanbuch hätte packen können. Besonders da man kaum etwas wirklich neues erfährt. Besonders da man auf ganzen 34 Seiten für diese 4 Clans und der Blutlinie der Samedi alles das reinpackte¸ wo die Tremere zwei komplette Kapitel bekommen haben.
Abgeschlossen wird das ganze Buch mit der Vorstellung einiger Stereotypen von Wesen¸ welche durch Blutmagie entstehen¸ wie z.B. die Blutsbrüder oder die Gargylen. Dazu noch die Vorstellung der Ducheski und der Rafastio¸ jeweils Wiedergängerfamilien. Hier hätte ich mir vielleicht zum Abschluss wie in einen Clanbuch einige große Blutmagier aller Clans noch gewünscht.
Nun die große Frage¸ lohnt sich dieses Buch¸ Ja oder Nein? Ich bin da ehrlich gesagt geteilter Meinung. Für all diejenigen welche auf Powergaming aus sind und nur neue Pfade oder Rituale haben wollen¸ lautet die antwort Ja. Wenn man's unbedingt braucht dann findet man hier wieder etwas um Erfahrungspunkte zu verschleudern. Für Spielleiter würde ich sagen nur bedingt. Wenn es sich in der Chronik die man erzählt viel um Blutmagie dreht oder Blutmagier eine zentrale Rolle spielen¸ dann würde ich auch sagen Ja. Wenn man allerdings nur einen oder zwei Charaktere in der Runde die über Thaumaturgie verfügen¸ dann denke ich nicht das es unbedingt notwendig ist sich dieses Buch anzuschaffen. Und nun zu dem Tremere Spielern¸ den in meinen Augen ist 'Blutmagie' genau für diese geschrieben. Wenn man wirklich auf lange Zeit einen Tremere spielen will und man sich mit der Thaumaturgie und all ihren Möglichkeiten auch auseinandersetzen will¸ ohne das es einfach nur ein wenig Würfeln ist¸ dann sage ich das man sich dieses Buch durchaus mal intensiver anschauen sollte. Sei es auch nur wegen den ersten zwei Kapiteln. Da ich selber einen Tremere spielen habe ich durchaus einige Anregungen gefunden und zum ersten mal wurde mir wirkliche¸ und ich meine damit das wirkliche Potential von Thaumaturgie oder der Blutmagie im allgemeinen vor Augen geführt. Des weiteren sind doch einige Teile der zweiten Kapitels¸ welche sich mit den Tremere selber beschäftigt durchaus eine gute Ergänzung zu dem Clanbuch Tremere. Alle anderen Spieler die mit Thaumaturgie wenig am Hut haben¸ kann ich nur sagen¸ das sie sich das Geld sparen können.
Zum Schluss möchte ich nur noch mal Anmerken¸ das dieses Buch trotz seiner doch recht guten Anregungen und Erklärungen zum Wirken von Blutmagie¸ doch irgendwie besser hätte sein können. Ich hätte mir mehr Hintergrund über die Thaumaturgie gewünscht¸ besonders über die Blutmagie der anderen Clans. Ebenso eine Vertiefung der Wirkungsweisen oder der Entwicklung eigener Pfade oder Rituale¸ denn meiner Meinung liegt genau da das Potential dieser Disziplin
Eine Rezension von: Igi http://www.malki-igi.de/