Reichsgold: Aachen bei Nacht
Buch eins beginnt mit einer Einleitung¸ welche einen kurzen Überblick über Aachens Geschichte¸ Thema und Stimmung gibt. Des weiteren werden Buch- und Filmtips gegeben¸ welche einen tieferen Einblick in die damalige Zeit geben sollen um die Stimmung auch entsprechend übermitteln zu können.
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Geschichte Aachens. Auf ungegliedereten zwei Seiten versucht der Autor die geschichte zu beschreiben¸ endet allerdings mit Karl dem Grossen¸ und dass obwohl die Geschichte in Buch zwei im Jahre 1149 angesiedelt ist.
Kapitel zwei ist etwas ausführlicher und befasst sich mit den wichtigsten Örtlichkeiten der Stadt Aachen. Beendet wird dieses Kapitel mit einem kurzen Kommentar zu reisen und Transport (obwohl man ähnliches schon aus Geheimnisse für den Erzähler kennt.
Das grösste Kapitel ist die Beschreibung der übernatürlichen Bewohner Aachens.
Diese Teil nimmt auch einen Grossteil des Bandes ein. Man erfährt sehr viel über die einzelnen Kainskinder¸ auch wenn ich sagen muss¸ dass einzelne Beschreibungen doch sehr langatmig sind. Nehmen wir als Beispiel Cocceius¸ einen Ahn aus dem Clan Brujah¸ welcher 148 v. Chr. gezeugt wurde. Seine Geschichte wird auf mehr als vier Seiten beschrieben¸ die Geschichte Helenas (Chicago by Night) ist dagegen viel kürzer¸ obwohl sie älter und bbdeutungsvoller ist als dieser Brujah. Ikkenai vom Clan Gangrel ist etwas jünger als Coceius und hat fast sechs Seiten Beschreibung. Andere Beschreibungen dagegen sind sehr kurz¸ beispielsweise die des Ravnos Konstantin (der aber auch noch sehr jung ist): nicht mal eine Seite.
Nachdem die Kainiten ausführlichst beschrieben wurden (einschliesslich Baali¸ Lamien und Salubri) werden auch noch andere übernatürliche Wesen dargestellt¸ so dass dieses Buch einen starken Crossover-Einschlag erhält¸ der meiner Meinung nach dennoch etwas fehl am Platze ist. Was nützen mir Werte für Werwölfe und Magi¸ wenn ich nur Vampire aus der alten Welt spiele und mit den anderen Regelwerken nichts anzufangen habe. Die Arbeit sie umzugestalten muss ich mir also trotzdem machen¸ vor allem da zumindest die Magi in Schwarz durchaus eine Rolle spielen.
Abgeschlossen wird dieses Buch mit zwei Anhängen. Im ersten Appendix werden die wichtigen Stufen der Disziplinen Deimos und Valeren beschrieben¸ da diese in deutscher Übersetzung noch nicht vorliegen. Ausserdem enthält er das sogenannte Aachener Manifest indem die Magi des Choeur Celeste schwören¸ die Stadt von allen anderen übernatürlichen Wesen reinzuhalten. Geschrieben wurde es im Jahre des Herrn 800. Appendix zwei liefert eine kurze Anregung zu Kampagnen in der heutigen Welt der Dunkelheit. Geschmackssache¸ aber wirklich hilfreich ist es nicht zumal man ffür die heutige Zeit ein völlig neues Aachen erbauen muss¸ da viele der beschriebenen Charaktere wohl nicht mehr leben.
Buch zwei enthält die Geschichte Schwarz¸ in der die Charaktere nach Aachen kommen und von einem legendären Artefakt zu hören bekommen.
Einige Grundgedanken der Geschichte sind ganz nett¸ aber es gibt doch einige Sachen die mich stören. Ich war immer der Meinung Zigeuner würden erst viel später nach Europa kommen¸ aber in Aachen scheinen sie sich schon 1149 etabliert zu haben. Die mitziehenden Ravnos laden die Spielercharaktere sogar an ihr grosses Lagerfeuer ein.
Naja¸ allzuviel mehr möchte ich nicht verraten¸ nur die hohe Sterblichkeitsrate der Nichtspielercharaktere am Ende der Geschichte.
Wird dieses Szenario¸ welches als Einführung in eine Reichsgoldchronik gedacht ist tatsächlich durchgespielt steht der Erzähler am Ende vor einem Problem: er muss die Stadt neu bevölkern.
Seitenlange Charakterbeschreibungen¸ für nichts.
Aachen bei Nacht mag ja ein paar Stärken haben¸ aber in meinen Augen überwiegen die Schwächen. Das Kapitel mit den Kampagnenideen in der Neuzeit und das über Reisen und Transport hätte man zugunsten einer ausführlicheren Geschichtssektion weglassen können. Die Charakterbeschreibungen sind teilweise zu lang¸ und wenn ich ehrlich bin¸ Aachener Flair kommt bei mir nicht auf. Es könnte jede andere Stadt sein.
Schade eigentlich¸ da ein Grossteil der Feder und Schwert-Eigenproduktionen durchaus lesenswert sind¸ aber Reichsgold ist einfach eine Anschaffung die sich nicht lohnt.
Eine Rezension von: Martin