Black Mesa (PC)
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Rezension: Black Mesa - Licht und Schatten im Half-Life-Remake
2020-08-13
Half-Life ist eine Marke für sich. Mit dem zweiten Teil führte Valve nicht nur seine Verkaufsplattform Steam ein, sondern setzte bis heute auch ein Beispiel für gutes Storytelling in Videospielen. Teil eins wurde später zwar mit der Engine von Teil zwei neu herausgebracht, nutzte deren Möglichkeiten aber kaum aus. Das brachte Fans dazu, eine eigene Neuauflage zu entwickeln.
Nach vielen Jahren der harten Arbeit ist Black Mesa endlich als komplettes Spiel erschienen. Dabei haben es die Fans geschafft, viele Schwächen des Originals auszubügeln. Welche das sind und wo sich dafür neue Fallstricke für den Spielspaß rein gemogelt haben, lest ihr jetzt.
Black Mesa
Entwickler: Crowbar Collective
Sprache: Englisch mit Untertiteln u.a. in Deutsch
Spielzeit: etwa 25 Stunden
Preis: 17,99 Euro auf Steam
Nicht nur Gold in der neuen Engine
Das Remake verwendet die Source Engine, die seinerzeit für Half-Life 2 entwickelt wurde. Gegenüber der Erstauflage des ersten Serienteils fällt die Optik damit deutlich besser aus, von den Animationen und Texturen bis zu den Effekten. Allerdings wird auch deutlich, dass es sich um Fanwerk handelt. So ist die Grafik nicht auf dem Niveau von Triple A Titeln dieses Jahres. Auch mit Half-Life 2 kann die Optik nicht ganz mithalten.
Zusätzlich nutzen die Programmierer die Engine auch für einfache Physik-Rätsel. Da muss hier mal ein Schalter genommen und zur Steckdose getragen oder dort ein paar Luftfässer unter eine Plattform gepackt werden, damit die sich hebt. Besonders fordernd oder spannend sind diese Einsätze aber nicht und ähneln sich zudem viel zu oft. Zudem fehlt mit der Gravity Gun ein spaßiges Instrument, um Gegenstände heranzuziehen oder wegzuwerfen. Das geht zwar auch mit der Hand, aber nicht so weit und wird nicht fürs Spiel genutzt.
Trotz neuer Engine schaffen es nur 3 von 5 Freemans ins Ziel.
Soundgenuss von damals und heute
Besser schlägt sich das Spiel bei seiner Akustik, obwohl hier eine Mischung aus alten und - soweit ich mich erinnere - neuen Elementen vorliegt. Altbekannt sind die meisten Sounds. Gegner lassen schon vor dem ersten Sichtkontakt über ihre typischen Geräusche erkennen. Auch die Geräusche beim Waffenwechsel über das Menü und die Schüsse klingen wohlig vertraut. Pfeile der Armbrust zischen leise, während das Maschinengewehr ordentlich knallt.
Für die Musik zeichnet Joel Nielsen verantwortlich. Er macht mit Neuauflagen alter Stücke und neuen Liedern eine verdammt gute Arbeit. Ruhige Passagen untermalt er ebenso passend wie schnelle, actionreiche Abschnitte. Nur manchmal stört mich, dass einige Stücke nur den Anfang eines Levels lang dauern. Gerade in Abschnitten, wo der richtige Weg gefunden werden muss, zerrt das etwas an der Atmosphäre. Dabei ist in einigen Abschnitten auf Xen zu hören, dass auch eine durchgehende Untermalung dem Spiel stellenweise gut tut.
Den Soundtrack könnt ihr auf YouTube hören.
Die atmosphärischen Klänge locken 4 von 5 Freemans an.
Von der Erde bis in ferne Welten
In der geheimen Forschungsanlage Black Mesa geht Gordon Freeman zur Arbeit. Durch einen Unfall bei einem Experiment werden Kreaturen aus einer anderen Dimension auf die Erde befördert. Um die Verbindung zu schließen, muss Gordon viele Gefahren überstehen und sich neben Aliens auch dem US-Militär stellen, dass den Vorfall vertuschen und dafür alle Überlebenden umbringen soll. Schließlich gelangt Gordon auf die Alienwelt Xen, wo er den Nihilanth bezwingen muss. Dieses Wesen beherrscht nicht nur Xen, sondern verfügt anders als Gordon auch noch über außergewöhnliche Kräfte.
Soweit hat sich an der Geschichte in zwei Jahrzehnten nichts verändert. Die legendäre Zugfahrt am Anfang führt immer noch durch einige spätere Levels auf der Erde. Die Fans haben in der Neuauflage aber ein paar Szenen eingebaut, die das Geschehen ergänzen. So gibt es mehr Dialoge und besonders auf Xen viele neue Szenen. Unter anderem zeigen die Vortigaunts sich dort friedlich, solange sie nicht von einem Alien Controller beherrscht werden, während Endboss Gonarch an einigen Stellen eindrucksvoll durch Wände oder ähnliches bricht.
Der eigentliche Plot bleibt von den Änderungen unverändert und wird lediglich ergänzt. Das gefällt mir, da darin eine der Stärken der Serie liegt. Über viele Details lässt sich nur spekulieren, das dafür ausgiebig. Ganz zur Spitzenklasse reicht die Geschichte für mich aber nicht, da ihr Ablauf im Grunde simpel ist.
Ganze 4 Freemans sind von der Story angetan.
Zwei Schritte vor und einen zurück beim Design
In der Zeit von Half-Life gab es noch keine echten Spiele der Marke Open World. In den üblichen Schlauchleveln ging es darum, von A nach B zu gelangen. Diesem Prinzip, dass heute nach wie vor bei einigen Shootern vorkommt, folgte auch Half-Life. Dabei war der weitere Weg manchmal gut versteckt, beispielsweise in Form eines unauffälligen Lüftungsschachtes. Areale mit mehreren Abzweigungen kamen selten vor.
Dieses Format behält auch die Neuauflage bei. Besonders viele Abschnitte auf der Erde sind nah am Original. Mit Forschungseinrichtungen, Lagerhallen und kleinen Freiluft-Arealen in der Wüste New Mexicos gibt es immerhin für ein paar Stunden genug Abwechslung. Danach wiederholen sich die Elemente.
Die Abschnitte auf Xen sind dagegen komplett neu gestaltet. So müssen Spieler nicht mehr zehn Meter hoch springen, um auf Plattformen zu landen, die gefühlt nur so groß wie Briefmarken ausfallen. Stattdessen geht es durch - für das Spiel - stärker bewachsene, an Dschungel erinnernde Gebiete, unterirdische Höhlen und eine Fabrik mit teils sehr organischen, geschwungenen Strukturen. Der Ansatz gefällt mir gut, da in der Serie bewaldete Abschnitte bisher weniger vorkamen. Allerdings ist die Pflanzendichte überschaubar.
Mit majestätisch fliegenden Rochen oder dem teils aus der Ferne zu erkennenden Turm des Nihilanthen bieten sich viele eindrucksvolle Szenen. Dazu gehört der epische Kampf gegen Gonarch, der sich jetzt über deutlich mehr Abschnitte als im Original erstreckt.
Dennoch bleiben auch die Abschnitte auf Xen Schlauchlevel. Es gibt nur einen Weg ans Ziel. Oft geht es einfach darum, immer weiter nach oben oder vorn zu kommen. Dabei strecken sich einige Abschnitte wie auf der Erde leider. So müssen mehrfach hintereinander Kraftfelder deaktiviert oder bestimmte Gegner erledigt werden. Zudem gibt es auf Xen einige Abschnitte, wo zwischendurch kaum Heilquellen vorhanden sind. Das macht diese Stellen unnötig schwer. Weniger wäre hier tatsächlich mehr gewesen.
Neue Gegner tauchen gegenüber dem Original nur vereinzelt auf. Dazu gehören rote statt grüne Alien-Hunde, die bei Kontakt explodieren, und Unterwasser-Kletten. Die neuen Schubdüsen für die Xen-Abschnitte erlauben zwar kurze, schnelle Bewegungen nach vorn, seitwärts oder zurück. Mit Maus und Tastatur funktioniert die Mechanik aber nur okay und nicht super, was der sonst so guten Steuerung etwas schadet.
Besonders bei Sprüngen, wo mittels der Düsen teils weitere Distanzen als auf der Erde überbrückt werden müssen, zeigt sich, dass hier noch mehr drin gewesen wäre. An einer Stelle fiel meine Spielfigur sogar oft so unglücklich knapp am nächsten Felsvorsprung vorbei, dass sie im Abgrund landete und zugleich der Autosafe aber dort abspeicherte. So fiel sie auch nach dem Schnellladen immer wieder an der Stelle in den Abgrund.
An einer anderen Stelle musste ich einen Abschnitt nochmal komplett von vorn spielen, weil durch häufiges Schnellspeichern und -laden der Spielstand abstürzte. Ansonsten blieb ich von derartigen Bugs aber zum Glück verschont.
Repetitives Leveldesign lässt 3 Freemans zurück.
Fazit
Die Neuauflage zeigt, mit wie viel Kreativität Spieler einen Spieleklassiker aufpolieren können. Die neue Grafik und der Soundtrack transportieren viel Atmosphäre. Zugleich zeigt Black Mesa aber auch die Grenzen des Teams auf. So wiederholen sich gegen Spielende viele Aufgaben, und die Physik-Rätsel gehen selten über das Nehmen und Einstöpseln eines Steckers hinaus.
Trotzdem können nicht nur Fans des Originals zugreifen, sondern auch all jene, die ein Stück Spielegeschichte nachholen wollen.
Schließlich schaffen es 14 von 20 Freemans ins Ziel.
Fantasy-Kritik beim Sternenwanderer
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