Erben der Unsterblichkeit 1: Bitteren Klippen der Freiheit
Ein Abenteuer von den begabten Mitautoren der 'Windgeflüster'¸ das klingt interessant und läßt auf gute Qualität hoffen. Ein schön aufgemachtes Farbcover sorgt schon mal für positive Stimmung¸ und auch das innere Layout braucht sich vor richtigen Profiprodukten nicht verstecken¸ im Gegenteil.
Nach dem Durchlesen wird klar¸ daß wir es hier nicht mit einem der immer wieder erscheinenden x-beliebigen Universalabenteuer zu tun haben¸ sondern daß tatsächlich etliche Innovationen zu finden sind. So spielt diese Geschichte zwar auf der Welt Irmeyla¸ die in der Anfangsbeschreibung auch kurz vorgestellt wird¸ doch sind die Städte und Länder¸ die die Helden im Verlauf des Abenteuers besuchen¸ unschwer als französische bzw. spanische Ansiedlungen und Orte erkennbar. Auch die Namen der Personen und Schauplätze sind eindeutig französischer Herkunft¸ daher fragt man sich¸ warum man nicht gleich in den irdischen Reichen um 1450 bis 1550 das Abenteuer angesiedelt hat. Denn die Schauplätze sind stimmig beschrieben¸ passen wirklich gut auf unsere Welt¸ hingegen scheinen die obligatorischen Elfen¸ Zwerge¸ Orks und Goblins¸ die am Beginn der Weltbeschreibung erwähnt werden¸ nur unbedeutende Nebenrollen zu spielen. Aber vielleicht ändert sich das¸ dieses Abenteuer ist ja der erste Teil einer längeren Kampagne namens 'Die Erben der Unsterblichkeit'. Selbstverständlich sollen alle Teile der Kampagne auch einzeln spielbar sein¸ bei diesem ersten Band ist das auch der Fall.
Ein weiteres Novum ist es¸ daß die Spieler bereits vorgefertigte Charaktere erhalten¸ sechs Stück sind demnach auch in dem Band enthalten¸ mit interessanten Lebensläufen und Beweggründen ausgestattet¸ mit Stärken und Schwächen¸ aber ohne Werte. Damit sollte jeder diesen Charakter an sein Regelsystem ohne Probleme anpassen können. Die Idee gefällt gut¸ denn damit haben die Spielercharaktere gleich einen besseren Bezug zu der Stadt¸ in der sie leben¸ in diesem Fall die Stadt Carchaussy im Lande Frommund.
Das Abenteuer selbst bietet wenig 'Action' im herkömmlichen Sinn¸ es ist eher eine ruhige¸ aber interessante Geschichte¸ die von den Beziehungen der Spielercharaktere lebt und die auf einen anscheinend ganz normalen Auftrag in ein benachbartes¸ nicht immer freundlich gesonnenes Königreich geschickt werden. Mit erfahrenen Spielern wird das Abenteuer sicher eine stimmungsvolle Reise. Die Geschichte erinnert ein wenig an die französischen Comics von Francois Burgeon oder an Hermanns 'Türme von Bos Maury'¸ denn es zeigt das späte Mittelalter¸ so wie man es aus den französischen Quellenwerken kennt: die Freuden und Leiden des Volkes¸ beschwerliche Reisen¸ Kaufleute¸ der intrigante Adel¸ Gauner und Diebe. Eine durchaus eigene Atmosphäre¸ die jedoch einen schon etwas erfahrenen Spielleiter braucht¸ um die Geschichte gut rüber zu bringen.
Und noch eine neue Idee¸ die bislang in keinem Universalwerk auftauchte: immer wieder findet man Comic-Seiten (hervorragend gezeichnet von Timon)¸ die dem Spielleiter Hinweise für den Meister geben. Genial und eine Augenweide!
Somit kann man 'Die bitteren Klippen der Freiheit' jedem Spielleiter empfehlen¸ der einmal etwas Neues ausprobieren möchte. Sowohl er als auch seine Spieler sollten allerdings schon etwas erfahren sein¸ nur dann kann man in den vollen Genuß dieses Abenteuers kommen. Und vom Preis/Leistungsverhältnis gibt's eigentlich auch keine Bedenken.
Eine Rezension von: Halle der Helden http://www.halle-der-helden.at
