Sternpark
Sind wir Menschen wirklich die einzigen intelligenten und gebildeten Wesen auf dieser Erde? Oder wäre es vielleicht denkbar¸ dass es hier auch noch andere gibt¸ älter als die Menschheit¸ die schon seit Urzeiten¸ klein und verborgen¸ fast direkt vor unserer Haustür leben?
Durch einige besondere Umstände kommt Roman Ropha¸ ein arbeitsloser Versicherungsangestellter¸ der sich in einen Neubau am Rande des Sternparks zurückgezogen hat¸ mit ihnen in Berührung und erlebt eine faszinierend andere Welt in der Kleinheit¸ zusammen mit Wesen¸ die nirgendwo beschrieben sind und doch in all ihrer Fremdheit eine Kultur des Friedens und der Zusammenarbeit entwickelt haben. Doch der Sternpark ist in Gefahr. Bulldozer und Baumaschinen stehen schon heute bereit und Roman setzt alles daran¸ ihn zu retten¸ wofür er auf eine merkwürdige Art reich belohnt wird.
Jeder¸ der sich für Fantasy interessiert¸ kennt Hobbits¸ Elben¸ Trolle¸ Orks ... Doch was sind Wurze¸ Rhibos¸ Botedelohs¸ Pratschas¸ Sihas¸ Viös¸ Ramper oder ein Hoor? In keinem Wörterbuch der Welt findet man diese Worte. Nur wer den "Sternpark" von Rudolf Kühnl gelesen hat¸ kann sich diese Fragen beantworten.
Der Sternpark¸ ein ausgedehntes Gelände mit allerlei Baumbewuchs¸ mit einer alten¸ aber 1944 zerbombten Sternwarteruine und einem natürlichen Bachlauf¸ wurde seit Jahrzehnten durch keinen Menschen betreten. Die alteingesessenen Baustofffirma Meinenbrink & Bauers musste dieses Gelände sowie eine dem Park vorgelagerte alte Ziegelfabrik verkaufen¸ um aus deren Erlösen einen Teil des Schuldenberges abzutragen.
Die Firma WOfWO (WOhnen für WOhnsinnige) erwarb die Grundstücke¸ um darauf eine Neubausiedlung zu errichten. Doch auch diese Firma ging Pleite. Lediglich ein Wohnblock entstand auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei.
So lag der Sternpark unberührt¸ eingezäunt mit Maschen- und Stacheldraht¸ in einem Dornröschenschlaf.
Der geschiedene Versicherungsangestellte Roman Ropha kommt mit dem rauen Klima und dem ständig steigenden Druck in der Firma nicht mehr zurecht. Amerikanische Verhältnisse ziehen dort ein. Jüngeres Personal wird eingestellt und für die "alten Hasen" wird ein Sozialplan aufgestellt. Es scheint¸ dass Roman wieder vor einem Scherbenhaufen seines Leben steht.
Nach einem beträchtlichen Lottogewinn und einer Abfindung von 100.000 Euro kauft sich Roman eine Wohnung im neuen Wohnblock. Eine Woche vor dem geplanten Umzug hat er einen merkwürdigen Traum¸ kann diesen aber nicht so richtig deuten. Als der Wurz Goroom und Siha"ilc ihn besuchen¸ beginnt für den Hobbymaler ein neuer Lebensabschnitt.
Beim Lesen von "Sternpark" musste ich an den animierten Film "Hatschipuh" von Ulrich König aus dem Jahre 1986 oder "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift denken.
Doch der Autor Rudolf Kühnl geht einige Schritte weiter. Mit Raffinesse verknüpft er aktuelles Zeitgeschehen mit Elementen von Fantasy¸ Thriller¸ History und Science Fiction. Selbst Horror findet der geneigte Leser in der Story. Ein bunter Mix des Phantastischen!
Liebevoll und detailgetreu beschrieben lernt man die unterschiedlichsten Protagonisten mit all ihren Stärken und Schwächen kennen. Auch der Gourmet unter den Literaturbegeisterten kommt beim Lesen von "Sternpark" auf seine Kosten. Ob man die beschriebenen "Leckereien" herstellen und genießen kann¸ kommt auf einen Versuch an.
Rudolf Kühnl versteht es¸ einen interessanten und vor allem glaubhaften Handlungsbogen zwischen Realität und Fiktion zu spannen. Nur bei den Szenen eines möglichen Auswanderns aus Deutschland in Richtung Nordkanada oder Sibirien erscheinen die real existierenden Entfernungen und der Zeitrahmen der Bewältigung dieser Strecken ein wenig zu weit hergeholt. Doch wirkt sich dies nicht negativ auf die eigentliche Story aus.
Als Gegenpol der an sich recht friedvoll verlaufenden Handlung nimmt der Autor ein Wesen¸ den Hoor (vielleicht abgeleitet aus Horror)¸ um zu zeigen¸ dass auf dem Gelände des Sternenparks auch Gefahren lauern¸ und widmet dieser Kreatur ein ganzes Kapitel. Auch hier versteht es Rudolf Kühnl¸ dieses Wesen und seine Charaktere gekonnt zu beschreiben.
Fazit:
Man kommt nicht umhin¸ diese Story trotz relativ kleiner Schrift an einem Stück zu lesen. So fesselnd¸ faszinierend¸ detailgetreu und glaubhaft geschrieben. "Sternpark" zeigt¸ dass Fantasy nicht nur auf dem bekannten Tolkien-Hype reiten muss. Ideen für interessante fantastische Geschichten liegen regelrecht auf der Straße oder im Park. Man muss sich nur bücken ...Bewertung:
Eine Rezension von: Wolfgang Brandt http://www.geisterspiegel.de
