Spiel
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Jane Kerry ist eine sehr sympathisch dargestellte Heldin¸ die Mann sehr leicht zur eigenen Persönlichkeit annimmt und mit ihr mitfiebert¸ die Aufgaben zu lösen. Der Leser leidet und hoff¸ freut und trauert mit ihr und mit jeder Faser seines Seins. Die Beschreibung¸ wie das Spiel auf sie wirkt¸ was ihre Beweggründe sind¸ daran teilzunehmen und letztlich der Punkt¸ an dem sie den Ausstieg verpasst sind unglaublich wirklichkeitsgetreu dargestellt.
Vorab sei gesagt¸ die Reihe HEYNE HARDCORE ist nichts für schwache Nerven und das Katz-und-Maus-Spiel¸ dass Richard Laymon hier aufzieht schon gar nicht. Die HARDCORE Reihe wird vom Verlag nicht stark beworben¸ zeichnet sie sich doch durch viel mehr Härte und Gewalt aus¸ wie übliche Spannungsromane und Thriller. Das Buch fängt geruhsam an¸ der Schreibstil entsprechend angenehm gehalten¸ die Abläufe der Erzählung betont ausführlich. Was sich einfach und locker anlässt wird bald zu einem Horrortrip. Zuerst ist man der Meinung "warum passiert mir so etwas nicht" um bald in "Schwein gehabt¸ dass mir so etwas nicht passiert". Dabei geht Richard Laymon nicht gerade sparsam in der Beschreibung mit Blut und Leid um. Das Buch¸ das einen durchgängigen Spannungsbogen hat¸ fesselte mich von Anfang an. Schön ist¸ dass hier nicht die reine Gewalt im Vordergrund steht¸ sondern dass Richard Laymon ¸ der möglicherweise bei Alfred Hitchcock lernte¸ ganz bewusst auf den Nervenkitzel aus Grauen und Schrecken setzt. Doch dann wendet sich das Blatt und plötzlich befinden wir uns in einer Phase¸ deren Brutalität nicht zu schlagen ist. Gut¸ die beiden Romane DIE INSEL und RACHE sind wesentlich brutaler¸ doch besticht DAS SPIEL mit mehr Psychospielchen behaftet¸ was mir wesentlich besser gefällt. Ich denke¸ Richard Laymon hat hier ganz bewusst Anleihen bei Psychologen und Therapeuten gesucht und gefunden. Die ganze Art¸ wie Jane Kerry beschrieben wird¸ weist auf einen Menschen in¸ der einem hohen Suchtpotential ausgesetzt ist. Die Wahrnehmung verläuft ganz anders und manch eine Stelle in diesem Buch¸ die unlogisch erscheint¸ wird plötzlich erklärlich. Alles in allem jedoch fesselnde Unterhaltung.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355