Soylent Green
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Das Buch wurde von Harry Harrison zu einer Zeit geschrieben¸ als auf der Welt die Geburtenrate ständig stieg und die Antibabypille gerade frisch auf dem Markt war. So griff der mit vielen Preisen ausgezeichnete Science Fiction Autor das Thema Bevölkerungsexplosion und nebenbei auch den Klimawandel auf und führte sie in einem überbevölkerten New York zu einem bildintensiven Roman.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht der völlig überarbeite Kriminalpolizist Andy Rusch der in der 35-Millionen-Metropole New York seinen Dienst verrichtet. Er bekommt den Auftrag¸ den Mord an Mike O'Brian aufzuklären. Der Nachteil dabei ist der Druck¸ der auf ihn ausgeübt wird. Von ganz oben kommt der Befehl¸ der Mord soll möglichst schnell aufgeklärt werden. So macht sich Andrew Rusch auf die Suche nach dem 18-jährigen taiwanesischen Billy Chung¸ dem Mörder. Die New Yorker Polizei ist nicht nur unterbesetzt¸ sondern auch überlastet. Daher muss Andrew seine Freundin vernachlässigen¸ die ehemalige Geliebte des Opfers. Dies hat zur Folge¸ dass sie sich einen neuen freund sucht. Dem Leser wird schnell klar¸ dass sich hier auch persönliche Probleme anbahnen¸ nicht nur Mord oder ganz gross im Hintergrund die Überbevölkerung. Wohnraum ist knapp und nur wenige Priviligierte können sich einen gewissen Luxus erlauben. Der Leser bekommt ein erschreckendes Bild der Zukunft vorgestellt. Die Kluft zwischen arm und reich ist mittlerweile riesig. Die wenigen Reichen leben in Hochhäusern mit viel Platz und ordentlicher Nahrung¸ die dünne Mittelschicht besitzt kleine Wohnungen¸ während der grösste Teil der Bevölkerung vor sich hinvegetiert¸ gezwungen¸ in völlig überfüllten Kirchen oder Treppenhäusern zu schlafen. In den Strassen von New York drängen sich die Menschenmassen. Irgendeinen Grund gibt es immer¸ warum sich die Menschen anstellen. Sei es um Trinkwasser¸ weil eine Hitzewelle durch die Strassenschluchten fegt¸ sei es um Nahrungsmittel¸ bestehend aus langweilig und fade schmeckenden Algenkeksen. Die verarmte Bevölkerung wird mit synthetisch hergestellten Nahrungsmitteln namens "Soylent Gelb"¸ "Soylent Rot" und "Soylent Grün" versorgt. Nur selten gibt es Nahrungsmittel¸ die Fleischimitaten ähneln. Diese sorgen nicht nur für Abwechslung auf dem Speiseplan der verarmten Arbeitslosen¸ sondern führen regelmässig zu Aufständen. Weitere Konflikte entstehen¸ weil das Wasser für die Metropole von weither herangeführt werden muss und daher für die Bewässerung von Feldern fehlt und dadurch für die Nahrungsproduktion nicht mehr zur Verfügung steht.
Harry Harrison versteht es sofort¸ mit der Schilderung einer deprrimierend wirkenden Welt¸ den Leser gleichfalls in ein Gefühlstief zu werfen. Alles in Harrisons untergehenden Welt wird staatlicherseits reglementiert.Harry Harrison schuf einen hochinteressanten und immer noch aktuellen Roman um eine ökologische und ökonomische Katastrophe¸ die heute¸ fünfzig Jahre später¸ aktueller denn je ist.
Die Kriminalgeschichte ist der Aufhänger für die Geschichte¸ die eine Abrechnung mit der Politik der amerikanischen Regierung darstellt. Die Erzählung dient dazu¸ verschiedene Aspekte der sozialen Struktur der Metropole aufzudecken. gleichzeitig soll man Einzelheiten erkennen¸ bis sich langsam herausstellt¸ dass Soylent Green nichts anderes als Menschenfleisch ist. Gleichzeitig verdeutlicht sie¸ dass die Science Fiction einer langsam herannahenden Überbevölkerung in den Städten reinen Fakten entsprechen. In diesem Fall hat die Zukunftserzählung die Wirklichkeit eingeholt.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355