Nacht des Jägers / Kap der Angst / Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Im Krieg war Sam Bowden der Hauptbelastungszeuge gegen Max Cady¸ der eine Frau vergewaltigte. Cady sollte eigentlich lebenslang hinter Gittern wandern. Doch plötzlich ist er wieder da. Sam Bowdens Vergangenheit holt ihn ein und macht ihm die Gegenwart zur Hölle. Max Cady beschuldigt Sam¸ dessen Leben zerstört zu haben. Dabei könnte das Leben von Sam Bowden nicht besser sein. Die hübsche Ehefrau Carol¸ drei aufgeweckte Kinder und ein lebhafter Hund.
Die Erzählung wird vor allem aus der Sicht von Sam Bowden geschrieben. Auf diese Weise ist der Leser immer hautnah dabei¸ wenn es darum geht¸ sein Seelenleben zu erfassen.
Der Roman ist ein psychologischer Roman. Er spielt mit den Ängsten der Opfer¸ bevor sie Opfer werden¸ während sie gleichzeitig den Leser zu Opfer und Täter machen. John Dann MacDonald ist ein Schriftsteller der sich sehr auf Krimis und intelligente Detektive wie seinen Helden Travis McGee fachlich festlegte. Er lässt gleichzeitig den Leser etwas Hilflos zurück.
John Dann MacDonald wurde am 24. Juli 1916 in Sharon Pennsylvania geboren und starb am 28.Dezember 1986 in Milwaukee.
Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Die Schwestern Jane und Blanche Hudson leben in einer heruntergekommenen Villa in Hollywood. Jane war 1917 ein erfolgreicher Kinderstar. Gefördert von ihrem Vater wurde sie von vorn bis hinten verwöhnt. Sie schaffte es jedoch nicht¸ ihren Kinderruhm in das Erwachsenenleben hinüberzuretten. Ihr Stern wurde zur Sternschnuppe. Ihre Schwester Blanche hingegen steigerte ihre Berühmtheit und ihren Erfolg. 1935 ist sie am Höhepunkt angelangt. Baby Jane¸ wie sie immer noch genannt wird¸ ist hysterisch und dem Alkohol zugeneigt. Während sie überall als untalentiert angesehen wird¸ besteht Blanche darauf¸ dass sie in den Filmen von Blanche zumindest eine kleine Rolle erhält. Ihr Erfolg endete durch einen Auto-Unfall¸ der angeblich ihre Schwester verursachte. Aus vielerlei Gründen¸ aber eher widerwillig sorgt ihre Schwester nun für die behinderte Blanche. Allerdings will Blanche das haus verkaufen und ihre Schwester verlassen. Die Haushälterin drängt darauf¸ dass Jane mit ihrer Alkoholsucht in eine Klinik eingeliefert wird. Jane ist dagegen. Sie nimmt Blanche das Telefon weg¸ damit sie sich nicht mehr mit der Umwelt in Verbindung setzen kann.
Henry Farrell bietet einen wundervollen psychologischen Horrorroman an. Das Buch ist eine gelungene Abhandlung über zwei Schwestern. Es ist der Rollentausch der den ganzen Reiz ausmacht. Erst ist Jane der Star¸ dann ist es Blanche. Und doch ist für beide plötzlich der Ruhm vorbei. Jane wird älter und Blanche erleidet den Unfall. Die Schwestern machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle. Es ist eine Erzählung über unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche. Was hätten sie nicht alles aus ihrem Leben machen können? Für den Leser wechseln die Sympathien zwischen den beiden Damen hin und her. Bis zum Schluss ist der Leser gefangen in einer unheimlichen Erzählkunst.
Der vorliegende Band könnte als 'Psychopathe-Erzählung' bezeichnet werden. Sie haben alle das gleiche Grundthema¸ wurden gleichfalls verfilmt und sind von der Zeit her ähnlich geschrieben.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355