Medusa
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Diese Fragen bilden für Hannah vorerst keine grosse Rolle. Hannah ist im algerischen Teil der Sahara auf der Suche nach Felsbildern¸ Ritzungen und Malereien auf der Spur¸ die 13.000 Jahre und älter sein sollen. Bei dieser Suche lernt sie den Tuareg Kore Cheikh Mellakh vom Stamm der Kel Ajjer kennen. Er erlegte eine Antilope und bot ihr ein Stück der Niere dieses Tieres an. Aus dieser Geste erwuchs eine Freundschaft zwischen beiden Menschen¸ die später noch eine grössere Rolle spielen würde. Der Targi Kore ist ihr bei der Suche behilflich. Er zeigt ihr eine geheime Felsenschlucht¸ die bis dato nur den Targi bekannt war. Die Felsenschlucht selbst ist eine Fundgrube frühzeitlicher Bilderwelten. Warum Kore ihr die geheime Schlucht und die Malereien zeigt¸ bleibt ein Gehemnis von ihm. Gemeinsam finden sie die Medusen-Skulptur¸ die über und über mit Symbolen¸ Karten und Schriftzeichen überzogen ist. Der Kultgegenstand strahlt eine geheimnisvolle Schönheit und ungebändigte Kraft aus. Das Volk¸ das diese Skulptur erschuf¸ scheint seit langer Zeit ausgestorben. Sie finden in einer versteckten Oase die Medusa. Nach einer Untersuchung soll die Figur älter als alle anderen bekannten Darstellungen sein. Das wirft Fragen auf¸ die so schnell nicht beantwortet werden können. Sicher ist nur¸ Hannah Peters ist alleine mit diesem Fund überfordert. Daher setzt sie sich mit entsprechend ausgebildeten Spezialisten in Verbindung¸ um sich gemeinsam der Zeichnungen anzunehmen.
Ein Team der Zeitschrift 'National Geographic Society' mit deren bekanntesten Persönlichkeit¸ Dr. Irene Clairmont¸ sowie eine kleine Gruppe auserwählter Personen¸ wird mit der Dokumentation des Sensationsfundes beauftragt. Gemeinsam mit Hannah Peters sollen sie sich auf Schatzsuche begeben¸ das Geheimnis der Medusa lösen. Aus diesem so scheinbar harmlosen Auftrag wird eine gefahrvolle Reise. Die Reise führt quer durch den afrikanischen Kontinent. Nächstes Ziel ist das Air-Gebirge im Niger. In den dortigen Gebirgshöhlen hofft sie auf weitere Hinweise¸ nicht ahnend¸ dass ihre Forscherkollegen ein ganz anderes Ziel verfolgen. In einem unterirdischen Höhlenlabyrinth finden Hannah und Chris Carter¸ der Klimatologe der Gruppe¸ den lang gesuchten Tempel der Medusa. Allerdings ist Chris ein böser Bube. Chris arbeitet für einen schwedischen Kunstsammler. Der Kunstsammler nimmt auch manchmal in Kauf¸ dass der gewünschte Kunstgegenstand auf nicht ganz legalem Weg in seine Hände gelangt. Das Höhlenlabyrinth liegt 800 Meter tief unter der Erde. In seinem Inneren entdecken sie einen höchst eigenartigen Gesteinsbrocken. Es ist das steinerne Auge der Medusa. Der Lohn aller Strapazen scheint in greifbarer Nähe zu liegen. Doch Hannah beschleicht ein grosser Widerwille¸ sich dem Auge auszusetzen. Ein Alptraum beginnt¸ für den das steinerne Auge verantwortlich ist.
Die Reise durch den Sand der Sahara entpuppt sich zu einer Reise zu den Anfängen der Menschheit. Hannah findet steinerne Sternkarten¸ die sie immer weiter verwirren und ganz zum Schluss doch noch zu einem Ziel führen. Andererseits gibt es neben Chris Carter noch andere böse Buben¸ und die sind wirklich Böse.
Thomas Thiemeyer hat nach seinen Jugendbüchern einen Roman für Erwachsene geschrieben¸ der alle Merkmale eines guten 'Akte-X-Romans' hat. Mir gefällt seine spielerische Art¸ die aus seinen Jugendbüchern stammt¸ wie er mit dem Leser in Verbindung tritt. Er wirft ihm ein paar Sachen hin¸ um ihn an eine Leseangel zu nehmen und nicht mehr loszulassen. Seine Personen gehen von einer anfänglichen Skizzierung zu einer langsamen¸ tiefer gehenden Beschreibung inklusiver einer kompletten Persönlichkeitsdarstellung. Trotzdem verliert er das Ziel¸eine ansprechende Erzählung¸ nicht aus den Augen. Manch einer mag vielleicht bemängeln¸ dass ein Teil der Erzählung etwas aufgesetzt wirkt¸ doch das sind manche 'Akte-X-Erzählungen' ebenfalls.
Thomas Thiemeyer ist mit seiner Erzählung wesentlich besser und einfallsreicher umgegangen¸ als andere Autoren¸ die zum Beispiel 'Indiana Jones' kopierten und darüber weitere Abenteuer schrieben. Bedenkt die geneigte Leserin und der geneigte Leser¸ das Thomas Grafiker ist¸ versteht man¸ warum er eine sehr bildhafte Sprache benutzt. Aber schon das Buch in den Händen zu halten bringt Freude. Ein sehr schön gestalteter Schutzumschlag mit Prägung¸ eine Afrika-Karte auf dem Inneneinband¸ sowie Zeichnungen an jedem Kapitelanfang machen wirklich Freude. Genau das sollte ein Buch sein¸ etwas zum Lesen¸ etwas fürs Auge und ein Inhalt¸ den man gern ein zweites Mal liesst.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355