Faunblut
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Lady Mar¸ die Frau mit der Metallmaske¸ überfiel gemeinsam mit ihren zwölf grausamen Lords die Küstenstadt. Dies ist zwanzig Jahre her und so recht mag sich keiner daran erinnern¸ denn für den normalen Bewohner hat sich nichts geändert. Sie werden weiterhin unterdrückt und ausgebeutet. Der blutige Handstreich¸ von langer Hand vorbereitet¸ konnte nur mit Verrat gelingen. Die Paläste der Faun wurden übernommen und tötete viele der hier herrschenden Klasse der Faun.
Jade als Heldin der Erzählung lebt und arbeitet am Rande der dem Verfall preis gegebenen Stadt mit ihrem Vater Jakub und der Köchin Lilinn im Hotel Larimar¸ dass noch den alten Glanz vergangener Zeiten erahnen lässt. Lady Mar und ihre zwölf Lords¸ Willkürherrscherin über der Ruinenstadt am Fluss Wila¸ setzte sie als Bewohner und Dienstleister zugleich in das Hotel. Da nur selten Gäste in das Hotel einziehen¸ besteht die Hauptarbeit darin¸ das grosse Haus instand zu halten. Leider fehlen die Geldmittel und so müssen sie sehen¸ wie sie durch kleinere Tauschaktionen auf dem Schwarzmarkt ihr Auskommen zu erhalten. Das entbehrungsreiche Leben in der Stadt unter der fast zwanzigjährigen Schreckensherrschaft ist nicht einfach und es bildet sich natürlich auch eine Widerstandsgruppe. Jade ist eine heimliche Unterstützerin des Widerstandes und unterhält Kontakte zu den Rebellen. Die Rebellen wollen mit Hilfe der wieder zurückgekehrten Echos die Herrschaft der Lady Mar¸ die ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt¸ brechen. Ihre Hoffnung gilt ganz dem Winterprinzen¸ auf den die Echos hören. Die Echos jedoch sollen an den Morden der in den Ruinen lebenden Menschen schuld sein. Die Echos sind sagenumwobene Wasserwesen¸ die zum Teil im Fluss Wila leben und ab und zu heraus kommen.
Das Leben für Jade¸ Jakub und Lilinn ändert sich¸ als neue Gäste sich im Hotel einquartieren. Einer der Gäste ist Tam¸ von dem Jade sehr schnell hingerissen ist. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuss¸ als sie erkennt¸ dass Tams Freundlichkeit nur eine schöne Fassade ist. Jade lernt auch den attraktiven Faun kennen. Faun behandelt sie jedoch wie eine niedere Dienstmagd und nicht etwas als Gleichberechtigte. Trotzdem kommen sie sich mit der Zeit näher und verlieben sich ineinander. Das Paar könnte nicht unterschiedlicher sein. Faun¸ herablassend und der Gruppe angehörig¸ die die Hoffnung der Rebellen zunichte macht und den Winterprinzen umbringt. Das fügt der Rebellengruppe einen heftigen Rückschlag zu. Jade hingegen ist sehr liebenswürdig und freundlich¸ so weit ihr das möglich ist¸ gehört aber direkt zum Widerstand. Sie stehen auf unterschiedlichen Seiten. Die Kluft könnte nicht grösser sein.
Der neuee Roman von Nina Blazon ¸ Faunblut ¸ beginnt mit Jade und Lilinn in der Ruinenstadt¸ wo sie die Echos gesehen hat¸ die plötzlich verschwunden sind. Nehmen die Echos nun Jagd auf sie auf und bringen sie um¸ oder sind es eher die Jäger mit den Hunden¸ vor denen sie fliehen sollten und in der Ferne hören? Wie dem auch sei. Flucht ist angesagt. Aber warum? Die Antwort kennt nicht etwa der Wind¸ sondern muss sich von den Leserinnen und Lesern langsam selbst erarbeitet werden. Von der Aufmachung des Buches mit einem sehr schönen Schutzumschlag ausgehend¸ wendet sich das Buch an eine weibliche Leserschaft¸ die gerne liest. Von dieser Ausgangssituation ausgehend¸ ist das Buch auch gelungen. In einer Zeit¸ da das Dunkle ständig irgendwelche Vampire sind und die Fantasy sich mit den überstrapazierten Völkern aus dem Herrn der Ringe herum schlagen muss¸ zeigt sich eine neue deutsche Fantasy. Frische Ideen und altbekannte zwischenmenschliche Auseinandersetzungen treffen aufeinander. Zahlreiche Personen¸ mal mehr oder weniger wichtig und in der Handlung des Romans vorantreibend oder eher beobachtend¸ sorgen immer wieder für überraschende Wendungen der Handlung. Und das obwohl die Handlung im Mittelteil etwas zähflüssig einher geht und erst zum ende des Buches wieder an Schwung gewinnt. Ob das der alte Ben¸ der eifersüchtige Martyn oder die gewandte Moira ist¸ steht nicht sonderlich im Vordergrund. Im Zusammenspiel wird aus der Erzählung eine gelungene Geschichte. Soll man nun sagen¸ Nina Blazon ist erwachsen geworden? Faunblut¸ mit dem etwas für mich unglücklichen Titel (ich stelle mir unter Faun etwas anderes vor ist düsterer geworden. Das Leben ist nicht mehr so leicht. Es überwiegt die Hoffnungslosigkeit einer sterbenden Stadt am Fluss. Wer kreative¸ atmosphärisch dichte und romantische Erzählungen mag¸ kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355