Erdsee Trilogie 3: Das ferne Ufer
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Der Erdsee -Zyklus ist eine der erstaunlichsten Geschichten oder Erzählungen im Bereich der Fantasyliteratur und erzählt den Weg von Sperber. Der Weg eines Jungen, der noch im Kindesalter ist, sich aber in einer Welt der Erwachsenen durchschlagen muss. Er wird gezwungen den Weg zu sich selbst zu finden, seine Pläne entwickeln und ihnen folgen. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und seinen Eigenschaften. Oftmals ist er übermütig und denkt nicht über die Auswirkungen seines Handelns nach, vor allem im Zusammenhang mit der Magie. Ein Meisterwerk der Jugendfantasy, dass den Stolz, den Hochmut und das Erwachsen werden zum Grundthema hat. Stimmungsvoll lässt Ursula K. Le Guin den Leser in eine magische Welt eintauchen und gleichzeitig den schwierigen Entwicklungsweg aufzuzeigen, den ein Junge gehen muss, um in der Welt der Erwachsenen anzukommen. Es wird die Geschichte erzählt, wie schwierig es ist zum Manne zu reifen, an dessen Ende der ganze Mensch steht. Wichtiger als Macht und Kampf ist Selbsterkenntnis und Selbstkontrolle.
I"Im abschließenden dritten Band zeigt Ursula K. Le Guin , welche Versuchungen sich einem mächtigen Zauberer bieten. Vor allem aber, welche Kraft er aufbieten muss, um der Versuchung nicht zu erliegen. Und sollte er ihr erliegen, wird klar herausgestellt, was er an Anstrengungen aufbringen muss, ihren Schaden wiedergutzumachen. In diesem Roman beeindruckt die Philosophie, die in wirklichkeitsgetreue Gedanken und Handlungen umgesetzt wird. Die Autorin beschreibt zwei mögliche Enden der Erzählung. Im einen segelt Ged nach der Krönung Arrens allein auf den Ozean hinaus und man hört nie wieder von ihm. Im anderen Abschluss kehrt Ged in den Wald seiner Heimatinsel Gont zurück. Und es heißt er wäre auf den Berg gestiegen, wohin ihm aber niemand folgen wollte.
Es ist die Magie der Sprache die Ursula K. Le Guin benutzt und damit die Trilogie lesenswert macht. Viel zu selten findet man sprachgewandte und schöne Beschreibungen. Dazu kommt eine gelungene Übersetzung von Margot Paronis die die feine Stimmung ins Deutsche überträgt. Erdsee ist wirkliche "High Fantasy". Erwähnenswert an Erdsee ist der große Bezug zur Ursprünglichkeit. Dazu kommt ein gut gelungenes Konzept der Magie. Die Erdsee-Trilogie ist eines der seltenen Beispiele, in der es bei der eingesetzten Magie nicht um Effekte geht, sondern um eine Philosophie, die sich hinter allem verbirgt. Diese äußert sich insbesondere darin, dass der eigentliche Name der Dinge und Menschen von hohem Wert ist und eine große Machtfülle beinhaltet und daher vor allen anderen verheimlicht werden muss.
Das zentrale Thema dieses Buches verzichtet auf alles überflüssige und vereinfacht sich auf das chinesische Yin und Yang Prinzip. Mann und Frau, Gut und Böse, Tod und Leben gehören zusammen. Jeder Versuch, Unsterblichkeit zu erreichen und so ein Prinzip zu stören, kann nur ein Irrweg sein. Die Erzählung endet mit dem Schließen des Risses zwischen den Welten. Dem nunmehr machtlosen Erzmagier bleibt einzig die Fähigkeit mit den Drachen zu sprechen. Dafür besitzt das Land hat einen neuen König. Damit erreicht die Erdsee-Trilogie einen überzeugenden und endgültigen Abschluss."
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355