Die Königsmörder-Chronik 1: Die Furcht des Weisen 2
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Nach überstandenem Kampf sammelt sich der kleine Söldnertrupp um ihn. Der Heimweg gestaltet sich etwas schwierig¸ da er höflich gesprochen¸ vom Weg abkommt. Er begegnet dabei der betörend schönen Fae Felurian. Durch ihr märchenhafte Schönheit verliert er die Kontrolle über sich und verfällt der schönen Frau. Nur schwer gelangt er wieder zu Sinnen und die Flucht aus ihren Armen gelingt ihm nur durch eine List¸ aber mit ihrem Schattenmantel. Der Weg führt ihn zwar weiter am Rand der grossen Steinstrasse nach hause¸ doch wird er abermals aufgehalten. Diesmal sind es jedoch die stillen Krieger der Ademre¸ bei denen er für einige Zeit unterkommt. Für einige Wochen wird er ausgebildet¸ lernt nicht nur die gestenreiche Sprache kennen¸ sondern auch deren Denkweisen. Vielleicht sind es gerade diese¸ die ihn etwas vorsichtiger werden lassen und die ihn dazu bringen¸ ein klein wenig Furcht im Herzen zu tragen. Sicherlich sind die Wochen bei den Ademre der Grundstein zu seiner eigenen Weisheit. Mit dem Schwert Saicere an seiner Seite tritt er den Heimweg voller Gefahren und Herausforderungen an¸ um in der Universität wieder an seinen Forschungen zu arbeiten und zu lernen. Einiges hat er sicherlich gelernt¸ denn er ist nicht mehr der unbesonnene junge Mann¸ sondern er ist reifer¸ erwachsener geworden.
Betrachtet man die Karte¸ die dem Buch auf der Innenseite beigegeben ist¸ so findet man viele Ähnlichkeiten mit Tolkiens Welt. Die zivilisierte Welt¸ wie die Karte genannt wird¸ ist genau wie Mittelerde aufgebaut. Im Osten das Gebirge und ein Königreich Modeg¸ dessen Name an Mordor erinnert und im Westen die Küste und das weite Meer. Ob bewusst oder unbewusst¸ seit der Veröffentlichung von Mittelerde werden viele Karten so aufgebaut. Bildlich ist diese Unterstützung hilfreich¸ wenn maan den Weg des Kvothe¸ Sohn des Arliden¸ verfolgen will.
Die Erzählung wird ohne Bruch direkt weitererzählt. Leider musste das Buch geteilt werden¸ da der Umfang der Übersetzung den Rahmen eines Buches gesprengt hätte. Es ist daher aber auch nicht verwunderlich¸ wenn es direkt an die Ereignisse ansetzt und nahtlos weiterführt. Die Haupthandlung dient als roter Faden¸ an dem sich Geschichte entlang weiterentwickelt¸ sich aber in den Nebenhandlungen besser wiederfindet. Die Spannung auf das Kommende¸ wird gekonnt durch die Nebenhandlung vorangetrieben.So entsteht eine Art Teppich¸ in der sich die Handlungen mit dem Hauptstrang ständig verbinden¸ aber ein wundervolles Bild der Welt bieten. Die Welt¸ die Patrick Rothfuss entwirft¸ erweitert er um viele neue Einzelheiten. Kvothes Geschichten und Eindrücke von der Welt sorgen beim Leser für ein besseres Verständnis eben dieser. Gleichzeitig zeigt die Geschichte¸ wie Kvothe von ihr geformt wird und wie er sie formt. Das ist ein gleiches Verhältnis¸ indem beide Seiten geben und nehmen. Patrick Rothfuss bietet uns wieder zwei unterschiedliche Handlungsstränge an. Der kauzige¸ aber recht beliebte Wirt Kote¸ hinter dessen unscheinbaren Äusseren keiner Kvothe vermutet¸ erzählt einem unbekannt bleibenden Schreiber seine Geschichte. Im Vordergrund steht aber die Erzählung¸ die nur kurz von kleinen Begebenheiten im Gasthof im Gasthaus unterbrochen wird. Die dadurch erzeugte Abwechslung macht das Buch lesenswerter¸ weil die Neugier des Lesers geschürt wird. So begleitet der Leser viele Freunde¸ Gefährten¸ Gegner¸ Kvothes. Patrick Rothfuss haucht jeder Person ein unverwechselbares Eigenleben ein. Kvothe selbst ist nicht nur ein Held¸ sondern besitzt seine Eigenheiten. Das Buch lebt mit und von seinen erschaffenen Personen.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355