Die Fürsten des Nordens
Eigentlich hatten die Brüder Dai und Alun ab Owyn und ihr Vetter Gryffeth ap Ludh nur das vor¸ was schon ihre Väter und Großväter gemacht haben: Aus Jux den Nachbarn ein paar Schafe stehlen. Davon werden sie aber von Ceinion von Llywerth¸ ein Hohe Priester der Cynagael¸ abgehalten. Was auch gut so ist¸ denn der Nachbar ist eine Kriegerlegende. Stattdessen werden die Brüder¸ ihr Vetter und deren Freunde beim Herrn von Brynfell eingeladen zu feiern. Was mit einem Fest¸ Gesang und Spaß anfing¸ endet mit Blut. Die Erlinger wollen Rache für eine Schmach¸ die der Herr von Brynfell und Ceinion ihnen vor Jahren beibrachte.
Bei dieser Schlacht werden einige Grundsteine gelegt für das¸ was einige Monate später passieren wird. Dai ab Owyn stirbt und seine Seele wird von einer Fee zur Feenkönigin in den Geisterwald gebracht. Sein Bruder Alun verwirrt die Erkenntnis¸ dass es andere¸ mystische Wesen gibt und er kanzelt sie ab. Zudem ergibt sich einer der Erlinger¸ der verbannte Thorkell Einarson¸ und dient nun der Herrin von Brynfell.
Gleichzeitig macht sich der junge Erlinger Bern Thorkellson¸ Thorkells Sohn¸ auf¸ um der Schmach zu entgehen und die gleichen Abenteuer zu erleben¸ die sein berühmt und berüchtigter Vater erlebt hat.
Einige Monate nach dem blutigen Überfall auf Brynfell kreuzen sich die Wege aller Protagonisten im Königreich der Anglcyn¸ wo noch der Prinz Athelbert hinzustößt.
Ein weiterer Überfall der Erlinger auf Brynfell wird befürchtet. Um die Bewohner dort rechtzeitig warnen zu können¸ muss man durch den Geisterwald. Alun ab Owyn¸ Athelbert von Anglcyn und Thorkell Einarson machen sich auf¸ durch den Geisterwald zu gehen. Jeder aus einem anderen Grund. Am Ende wird einer von den Dreien tot sein¸ aber jeder hat die gerettet¸ die er retten wollte …
Was sich ein klein wenig chaotisch anhört¸ ist in Wirklichkeit eine gut durchdachte Geschichte¸ die auf mehreren Ebenen spielt mit mehreren Protagonisten. Guy Gavriel Kay verbindet diese Ebenen gekonnt und wunderbar miteinander. Jeder Kenner der alten Normannen¸ walisischen¸ schottischen und irischen Sagen wird seine wahre Freude an diesem Buch haben.
Die Fürsten des Nordens ist mehr Märchen und Erzählung als reiner Abenteuerroman mit sehr viel Poesie¸ viel Historie mit einem gut dosierten Klecks Fantasie und vor allem: Sehr lehrreich!
Es ist ein Buch über den Verlust¸ nicht nur über ein geliebtes Familienmitglied¸ sondern auch über die Jugend. Ein Buch über das Erwachsenwerden¸ nicht nur des einzelnen Menschen¸ sondern der ganzen Menschheit. Es ist ein Buch über die Werte wie Respekt¸ Achtung¸ Familie¸ Loyalität¸ Liebe¸ Freundschaft. Es ist ein Buch¸ das zeigt¸ dass jeder über sich selbst hinauswachsen kann¸ egal¸ in welcher Situation er oder sie sich gerade befindet. Es ist ein Buch über das Leben und über den Tod sowie über die Wertschätzung von beiden.
Die Fürsten des Nordens ist ein Buch¸ das man mehrmals lesen kann und jedes Mal wird man eine andere¸ ganz neue Ebene finden. Ich habe bis jetzt nur wenige Bücher gelesen¸ die es schaffen¸ so viele Ebenen und Themen gekonnt in sich zu vereinen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch!
Einziges Manko: Vergesst den Klappentext! Wer immer den geschrieben hat¸ hat entweder das Buch gar nicht oder nur einige Seiten gelesen. Denn der Klappentext ist absolut irreführend und unpassend! Wer lieber ein Taschenbuch in den Händen hält als ein Hardcover¸ dem sei gesagt¸ dass er oder sie sich bitte auch nicht von dem schrecklichen Cover des Taschenbuchs abhalten lassen soll. Auch das ist einfach grauenhaft¸ so kann man auch ein gutes Buch verhunzen. Das Cover der gebundenen Ausgabe hingegen passt wunderbar zur Stimmung des Buches.
Eine Rezension von: Cornelia Sibilitz http://www.geisterspiegel.de
