Die Druidin
Talia kann Seelen sehen - eine besondere Gabe¸ die andere Druiden nur zu gerne nutzen würden. Im Haus des keltischen Stammesfürsten Caran sucht die junge Frau Zuflucht. Unerkannt - denn sie ist die Tochter¸ die er einst zu töten befahl.
Für ihren Vater empfindet Talia tiefen Hass - und trotzdem nimmt sie eine Anstellung bei ihm an. Schnell findet sie sich in seinem geschäftigen Haushalt in Alte-Stadt zurecht und wird von allen geschätzt¸ auch von Caran. Doch obwohl Talia es bald genießt¸ zu seiner wohlhabenden Sippe zu gehören¸ ist der germanische Söldner Atharic der Einzige¸ für den sie mehr empfindet. Lange weiß nur er um ihre besonderen Fähigkeiten. Bis die junge Druidin begreift¸ dass ihr Vater in Lebensgefahr schwebt. Talia muss sich entscheiden: Will sie ihre Rache - oder nutzt sie ihre Gabe¸ um ihn zu retten?
Schriftliche Zeugnisse der Kelten in diesem Sinne gibt es nicht. Nahm doch die Tradition der mündlichen Überlieferung zu ihrer Zeit einen sehr hohen Stellenwert ein. Unsere heutigen Kenntnisse über die Kelten beruhen zum größten Teil auf der Geschichtsschreibung ihrer mediterranen Nachbarn der Antike¸ des Römischen Reiches sowie auf archäologische Funde. Der Einblick in den Aufbau der keltischen Gesellschaft durch historische Schreiber ist äußerst gering und ist in seinem Wahrheitsgehalt mit Vorsicht zu betrachten.
Basierend auf ihrem archäologischen Wissen und Recherchen bringt die Autorin Birgit Jaeckel mit ihrem Debütroman "Die Druidin" einen sehr seltenen¸ in bisherigen historischen Romanen kaum behandelten Lesestoff: einen kleinen und unterhaltsamen Ausschnitt aus der Zeit der Kelten.
Eingebettet in die Zeit 120 vor Christus nimmt der Leser an der Entwicklung der anfangs stammeslosen Talia vom jungen Mädchen bis hin zur reifen Frau teil. Er begibt sich mit den vielen Protagonisten auf eine Reise in Handlungsstränge¸ die in sich ausgereift und logisch aufgebaut sind sowie miteinander eine homogene Einheit bilden.
Birgit Jaeckel versteht es brillant¸ nicht nur die Hauptakteurin Talia interessant und glaubwürdig agieren zu lassen¸ auch fesselt sie den Leser regelrecht an den rasanten Entwicklungsprozess der Gabe¸ die Talia besitzt¸ und wie die Hauptprotagonistin damit umzugehen vermag.
Der Leser nimmt teil an den geistigen und weltlichen Intrigen der im Roman genannten keltischen Stämme und begleitet die Kimbern unter Führung ihres Fürsten Boiorix auf einen kleinen Teil ihrer fast 20 Jahre andauernden Suche nach neuen Siedlungsgebieten.
Fazit:
"Die Druidin" - unterhaltsam¸ spannend¸ fesselnd¸ mitreißend.
Ein gelungener archäologisch-historischer Roman gewürzt mit einem kleinen Touch des Phantastischen¸ der das Prädikat "Besonders empfehlenswert!" verdient.
Eine Rezension von: Wolfgang Brandt http://www.geisterspiegel.de
