Der verlorene Troll
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Windys Kind ist tot¸ bei der Geburt gestorben. Als sie den jungen Menschensäugling findet¸ nimmt ihn sie sofort an. Sie ist ein Troll und ihr macht es nichts aus¸ den Säugling anzunehmen. Hauptsache ein Kind¸ ihr Kind. Auch¸ wenn die Sippe dagegen ist. Zeitlebens wird Claye¸ der ab sofort Made genannt wird¸ ein Aussenseiter bei den Trollen sein. Dabei hilft seine Cleverness¸ der Sippe zu überleben. Die Trolle sind ein vom Aussterben bedrohtes Volk. Zum einen¸ weil nicht viele Kinder geboren werden und zum anderen¸ weil die Menschen die etwas einfältigen Trolle bekämpfen.
Der vorliegende Roman ist ähnlich den Romanen von Edgar Rice Burroughs TARZAN aufgebaut. Ähnlich dem englischen Adligen¸ der als edler Wilder durch die Romane geistert¸ erlebt Made¸ der bald wieder seinen Namen Claye erhält¸ seine Abenteuer. Charles Coleman Finlay muss sich den Vergleich mit dem 1950 verstorbenen Tarzan-Autoren gefallen lassen. Zu ähnlich sind die Verbindungen zu dessen Werken. Beide¸ Tarzan und Claye¸ sind adliger Abstammung. Beide werden von Wilden¸ dort Affen¸ hier Trolle¸ aufgezogen. Charles Coleman Finlay geht in seiner Erzählung darauf ein¸ wie unterschiedlich die Rassen Troll und Mensch doch sind. Während wir eine Zeitlang erleben¸ wie Made bei den Trollen lebt und sich deren Anschauungen und Lebensweise zu eigen macht¸ erkennen wir auf seinen späteren Reisen¸ wie er versucht¸ ein Mensch zu werden. In der Natur der Sache liegt¸ dass sie die Anschauungen in vielen Dingen entgegengesetzt verhalten. Dafür sind die Personen sehr schön geschildert und man kann als Leser mit ihnen leiden und leben. Made¸ der von den Trollen der Sippe immer wieder herausgefordert wird¸ ist dies irgendwann leid und zieht zu den Menschen. Doch dort ist der edle Wilde nicht gern gesehen. Zu sehr ähnelt er den Trollen¸ die weder lügen noch intrigieren. All das lernt er erst bei den Menschen und seinen ehrlichen und verlogenen Freunden kennen. Ähnlich wie Tarzan lernt Made¸ der bei den Menschen bald wieder Claye genannt wird¸ eine Frau kennen und lieben. Doch es ist eher eine hoffnungslose Liebe. Die Liebe ist auch eines der Gefühle¸ das Claye lernen muss. Ebenso wie einige andere Gefühle. Er lernt die ganzen guten und schlechten Eigenschaften der Menschheit kennen. Wie der Titel uns schon andeutet ist der Roman ganz dem Mensch-Troll Claye gewidmet ist. Einer Person¸ die hin und her gerissen ist zwischen seinem Leben als Troll und den Wurzeln als Mensch und Ausflügen in die Welt der Menschen.
Allein durch die Nähe zu Tarzan ist der Handlungsfaden mit seinem Schlussknoten erkennbar und damit nicht überraschend. Allerdings hege ich die Befürchtung¸ dass sein schnelles Ende Raum für weitere Abenteuer offen lässt¸ die in Folgebüchern erscheinen werden. DER VERLORENE TROLL ist ein spannender Roman den ich gerne gelesen habe.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355