Der Hexenspiegel
Der Hexenspiegel ist der erste Roman aus der Feder der Autorin Susanne Rauchhaus¸ die bisher nur mit Kurzgeschichten und diversen Glossen in verschiedenen Zeitschriften ihre literarischen Vorlieben ausgelebt hat.
Der Roman handelt von der 16-jährigen Elly¸ die¸ wie viele Teenager in ihrem Alter¸ vor allem eines im Kopf hat¸ nämlich Jungs und¸ das sollte nicht unerwähnt bleiben¸ Schmuckdesign¸ weshalb sie in ihrer Freizeit in einem Schmuckantiquariat bei Herrn Bendahl arbeitet. Elly¸ ein wenig unscheinbar in ihrem Auftreten und ihrer äußeren Erscheinung¸ hat jedoch nicht die gewünschte Wirkung auf das andere Geschlecht und muss daher zunächst vor allem gegenüber ihrer "Erzrivalin" Carina zurückstecken¸ als es um die Buhlschaft um den Mädchenschwarm¸ Mike¸ geht. Doch tritt eine ungeahnte Wendung in Ellys Leben ein¸ denn eines Tages kommt eine etwas seltsame Dame in den Laden von Herrn Bendahl und bittet diesen ein altägyptisches Schmuckstück¸ den Ankh ("Schlüssel des Lebens") zu kopieren. Die dringende Mahnung der "schrulligen Alten"¸ bei seiner Arbeit alle im Raum befindlichen Spiegel zu verhängen¸ befremdet vor allem Elly. Sie ahnt da noch nicht¸ dass dies nur der Auftakt zu einer langen Reihe mysteriöser Ereignisse sein soll¸ die sich von nun an in ihr Leben schleichen. Eines dieser Ereignisse ist das Auftauchen einer weiteren ungewöhnlichen Dame in Herrn Bendahls Laden. Die Geschehnisse überschlagen sich und am Ende tritt aus einem der antiken Spiegel¸ die zur Ware im Laden gehören¸ eine quecksilberfarbene Gestalt heraus und fährt in den Körper von Herrn Bendahl ein. Gemeinsam mit ihrer Komplizin flieht diese mysteriöse Gestalt und nimmt den "Schlüssel des Lebens" mit sich. Kurze Zeit später tritt die junge Runa in Ellys Leben. Sie ist die Enkelin jener Dame¸ die Herrn Bendahl das zu kopierende Schmuckstück übergeben hat¸ und gibt sich Elly gegenüber als weiße Hexe zu erkennen. Erst jetzt wird Elly mit der für sie unfassbaren Wahrheit konfrontiert¸ sie ist eine Hexe und befindet sich mitten im Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen. Ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit beginnt¸ denn das große Finale steht kurz bevor¸ am Halloween Abend.
Wenn man den ersten Satz von Susanne Rauchhaus erstem Roman "Der Hexenspiegel" liest "Nicht umdrehen! Dein Traummann steht in der Tür."¸ so wird wohl der eine oder andere¸ vor allem männliche Leser¸ sofort denken: nicht noch ein Frauen- oder Teenagerroman. Zugegebenermaßen ist mir ein ähnlicher Gedanke durch den Kopf geschossen¸ doch habe ich nicht sofort aufgegeben¸ sondern weitergelesen. Ich habe es nicht bereut.
Mit viel Wortwitz und einem angenehm schnörkellosen Erzählstil gelingt es Susanne Rauchhaus bereits mit wenigen Zeilen den Leser neugierig auf das Nachfolgende zu machen und entführt jeden¸ der sich dazu bereit fühlt in eine Welt des Übersinnlichen und Mystischen.
Hexen sind die Hauptprotagonisten dieses Romans. Hexen¸ die in unserer Gegenwart leben und so gar nichts mit dem stereotypen Bild¸ mittelalterlicher Dämonenvorstellungen und inquisitorischer Rechtsauslegung zu tun haben. Susanne Rauchhaus beschreibt sie im Gegenteil¸ als teilweise sehr flippig und bisweilen leicht überdreht¸ zumindest was die jüngeren Vertreterinnen unter ihnen betrifft¸ aber auch sie verzichtet nicht auf den Krötenschleim und Echsendung¸ der zu übel riechenden Gebräuen zusammengeführt wird¸ um die magischsten Ergebnisse hervorzubringen. Somit werden Elly und Runa in mancher Hinsicht zu Schwestern der berühmten Halliwell Schwestern aus der Fernsehserie "Charmed"¸ nur dass sie keine Dämonen jagen¸ sondern ihresgleichen¸ wenn auch die "schwarzen" Vertreterinnen der magischen Frauengattung.
Die Geschichte entwickelt sich schnell und ist stets spannend. Die Autorin verzichtet weitgehend auf unnötiges und ausschmückendes Beiwerk oder Larmoyanzen. So wird der Leser gezielt durch die Handlungsentwicklung geleitet und läuft nicht Gefahr¸ in Nebensächlichkeiten abzudriften und sich hierin zu verstricken.
Doch kommen wir nochmals auf den eingangs erwähnten Kommentar zurück¸ der sich dem Vorwurf des Teenagerromans zugewandt hat. Ganz freisprechen kann man die Autorin hiervon nicht¸ denn der anhaltende und zugegebenermaßen wortwitzig spritzige "Zickenterror"¸ der sich zwischen den Protagonistinnen entspinnt¸ erinnert doch etwas an so manche rosabunte freche Mädchenwelt¸ weshalb wiederum die männliche Leserschaft abgeschreckt werden könnte. Erstaunlich erscheint dann aber die sprachliche Eleganz¸ mit der die verliebten Teenager ihre persönlichen weltbewegenden Probleme artikulieren¸ bisweilen mutet dies doch sehr reif und erwachsen an¸ jedenfalls reifer¸ als man es gemeinhin einer sechzehnjährigen Schülerin zutrauen würde¸ selbst dann¸ wenn man um ihre magischen Fähigkeiten wei߸ denn diese müssen nicht unbedingt die sprachliche Kompetenz fördern oder gar das Vokabular erweitern. Kurzum¸ Susanne Rauchhaus schreibt doch sehr ihrem eigenen Alter entsprechend und scheint hierbei bisweilen die Authentizität der Protagonisten aus den Augen zu verlieren¸ da sie sich nicht immer dem Sprachniveau eines Teenagers anpasst.
Bis auf die genannten Spitzfindigkeiten¸ die meiner Kritik entsprungen sind¸ bleibt doch ein allumfassend positives Urteil¸ denn auch wenn der Stoff nicht ganz neu ist¸ so gelingt es Susanne Rauchhaus¸ einen sehr gut geschriebenen und spannend erzählten Unterhaltungsroman fantastischer Couleur vorzulegen. Einen Roman¸ der Lust auf mehr macht. Viel Spaß beim Lesen.
Eine Rezension von: Florian Kayser http://www.geisterspiegel.de
