Der gute Cop
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Da die Zahl der Leichen steigt¸ fühlt sich der normalerweise super-kompetente Detective Superindent MacNeice von den Bikern unterlegen¸ vom Serienmörder ausmanövriert - und zutiefst verunsichert durch die Verbindungen¸ die er zwischen den Biker-Kriegen und den US-amerikanischen und kanadischen Betonfirmen aufzudecken beginnt¸ die den Zuschlag erhalten haben¸ um den Traum des Bürgermeisters zu verwirklichen. Das einzig Gute an der Krise ist¸ dass er Fiza Aziz¸ die junge muslimische Detektivin¸ die bei ihrem letzten gemeinsamen Fall ausgebrannt war¸ überredet hat¸ wieder zur Polizei zurückzukehren. Das Schlechte ist¸ dass sie sich absichtlich in das Visier des Mörders begibt.
So¸ oder so ähnlich könnte man die Erzählung zusammenfassen bzw. als Appetit-Anreger nehmen.
Thornley's Der gute Cop ist ein weiterer Erfolg¸ durch den ich mich auf der Stelle freuen konnte. Der Romanautor hat gelernt¸ seinen Dialog zu schärfen¸ und seine Erzählung ist so einnehmend wie in Auslöschen der Erinnerung¸ aber ich glaube¸ diesmal hat er den Faden verloren. In diesem Roman gibt es mehr Leichen als Äpfel in einem Fass zur Erntezeit.
Wir beginnen mit 7 (toten in Folie eingeschweissten Motorradfahrern¸ die auf einem Bauernhof in der Nähe gefunden wurden¸ und gehen dann über zu 6 weiteren Leichen¸ die auf dem Grund der Bucht gefunden wurden: zwei in Beton eingeschlossene Leichen und vier weitere in einem Auto aus den 1930er Jahren. Irgendwo in all dem läuft ein Serienmörder in der Stadt frei herum¸ der bereits zwei junge Frauen „mit Migrationshintergrund“ getötet hat. Hinzu kommen verschiedene Schiessereien in verschiedenen „Polizeisituationen“¸ ein Rennen im Nascar-Stil über die Sky-High-Brücke¸ das in einem Feuerwerk über der Stadt gipfelt¸ eine Explosion in Aldershot¸ die ein weiteres Dutzend Biker in den nächtlichen Himmel fliegen lässt¸ und... nun¸ wie Sie sehen können¸ ist es für den Leser leicht¸ die Handlung zu verlieren¸ wenn man bedenkt¸ was uns gegeben wird. Der Roman liest sich so¸ als traue Thornley sich selbst nicht zu¸ einen Handlungsstrang (oder auch nur einen Nebenstrang zu erforschen¸ also warf er einfach jeden Stock-Chharakter und jede Situation in den Polizeiannalen ein¸ mischte sie mit einem Hauch von Mafiasuppe und Grappa auf... und voila... ein Mysterium für alle Altersgruppen. MacNice ist die Art von Charakter¸ die ich als Chef oder Mentor gerne hätte. Er ist cool unter Druck¸ intelligent¸ kümmert sich um seine Mitarbeiter und ist ein guter Mann. Er scheint immer das Richtige zu tun¸ auch wenn es nicht populär ist¸ oder er könnte dafür ein bisschen Ärger bekommen.
Ich habe den Schreibstil des Autors und die Tatsache¸ dass seine Figuren eine gewisse Substanz haben¸ sehr genossen. Sie können kompliziert sein¸ und sie haben auch ihre Macken. Ich fand so viele von ihnen sehr interessant... sogar die Bösewichte. Ich konnte ihre Motive verstehen und verstehen¸ warum die Charaktere auf verschiedene Situationen so reagierten¸ wie sie es taten. Die Geschichte selbst ist sehr fesselnd¸ und ich schätzte¸ wie einfach es war¸ die Entwicklung all der Fälle zu verfolgen¸ an denen MacNiece arbeitete. Es war interessant¸ all die Wendungen und Wendungen zu verfolgen¸ und es gab viele Überraschungen. Eine weitere Sache¸ die mir an diesem Buch sehr gefallen hat¸ ist¸ dass man nicht erst das erste Buch lesen muss¸ um die Charaktere und das¸ was ihnen zuvor widerfahren ist¸ zu verstehen. Der Autor leistet eine grossartige Arbeit bei der Entwicklung der Charaktere¸ gibt dem Leser aber auch genügend Einblicke in das¸ was in der Vergangenheit passiert ist¸ so dass alles einen Sinn ergibt. Ich weiss das wirklich zu schätzen¸ denn ich hasse es¸ ein Buch in die Hand zu nehmen und mich bei dem¸ was ich lese¸ verloren zu fühlen. Ich möchte nicht immer zuerst eine ganze Serie lesen¸ nur um ein späteres Buch zu geniessen.
Die Sache ist die... Thornley hat hier eine potentielle Hit-Serie¸ wenn er nicht so sehr damit beschäftigt wäre¸ sich selbst zu übertreffen. MacNeice ist ein äusserst sympathischer Detective Superintendent¸ und er hat ein feines Team von Detective Inspectors zusammengestellt¸ auch wenn sie ein bisschen wie das politisch korrekte Wiedersehen bei einer UN-Konferenz aussehen. Er ist ein charmanter Italiener¸ der noch etwas von der Strasse hat¸ ein smart-mouth schwarzer Comic-Cop¸ ein kleiner weisser Geek-Hacker¸ eine moslemische Kriminologin¸ deren Eltern aus dem Libanon stammen. Trotz der farbcodierten Affäre funktioniert alles: Die Charaktere haben eine wunderbare Synergie¸ die die Geschichte wirklich gut voranbringt. Thornley sollte also einfach innehalten und über all die "guten" Elemente nachdenken¸ die er besitzt¸ und daran arbeiten¸ den nächsten Roman nicht ganz so übertrieben zu gestalten.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355