Das Haus
Die junge Familie des Pulitzer-Preis Gewinners Navidson richtet sich in einem neu erstandenen Haus ein. Um den Prozess des heimisch Werdens zu dokumentieren¸ hängt Navidson in verschiedenen Räumen Überwachungskameras auf¸ und auch er und seine Frau Karen dokumentieren fleißig mit Handkameras. Alles geht seinen erwarteten Gang. Bis die Familie vier Tage verreist¸ um der Hochzeit von Freunden beizuwohnen. Als sie wiederkehren¸ ist zwischen dem Schlaf- und Kinderzimmer ein Raum entstanden¸ der vorher noch nicht da war und auch nicht in irgendwelchen Grundrissen verzeichnet ist. Der Raum ist fensterlos und perfekt schwarz. Die Existenz des Raumes beginnt¸ das Leben der Familie zu beeinflussen ‐ Karen distanziert sich von ihrem Mann und ihren zwei Kindern Chad und Daisy¸ für Navidson wird die Vermessung des Hauses (welches innen größer ist als außen) immer mehr zur Obsession. Immerhin wird eine Versöhnung mit Navidsons Bruder Tom wieder möglich¸ als Navidson ihn und andere Freunde um Hilfe bittet. Während die Truppe noch über die unmöglichen Maßverhältnisse und den entstandenen Raum spekuliert¸ konfrontiert sie das Haus mit einem auf dreißig Meter angewachsenen Flur¸ der in eine unheimliche Schwärze abbiegt. Und "nur" dabei soll es nicht bleiben. Wir ahnen was passiert: Die Männer machen sich zu einer Erkundungstour bereit…
Der Roman ist allerdings weit mehr als nur gute suspense. Johnny Truant¸ der Protagonist der Rahmenhandlung¸ driftet selbst immer mehr in einen Sumpf aus Wahnvorstellungen und Drogenkonsum ab¸ während er das Material sichtet¸ dem das Buch zugrunde liegt. Er wird selbst ein Verfolger und Verfolgter dessen¸ was in dem Haus lauern könnte ‐ und der Geister seiner eigenen Vergangenheit.
Das ungewöhnliche¸ herausfordernde¸ aber auch unglaublich gute an diesem Roman ist jedoch die Darstellung des Textes. Danielewski formt den Text so¸ dass er das Geschehen widerspiegelt. So gewinnt
S t i l l e
beispielsweise an Ausdehnung¸ Labyrinthe entstehen¸ Treppen winden sich. Wer einmal die Gelegenheit hatte¸ Gedichte von Ernst Jandl zu lesen¸ bekommt eine Ahnung davon. Aber keine Angst¸ Danielewski versteht es¸ die Spannung am Leben zu erhalten - der Leser wird nur etwas mitbeschäftigt und angeregt¸ vielleicht auch mal das Buch auf den Kopf zu stellen und sich einen Weg durch die Schriftbilder zu suchen. Und somit den Figuren des Romans durch das Haus zu folgen.
Darüber hinaus ist "House of Leaves" auch ein Roman über das Seelenleben der Figuren¸ ein sehr nach innen gerichteter Roman.
Ein sehr gelungener Roman auch für anspruchsvollere Leser¸ der den Gruselfaktor bis zum Ende hoch hält. Deshalb volle Punktzahl von mir.
Eine Rezension von: Rebecca Hagelmoser http://www.geisterspiegel.de
