Das Blut Belsazars
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Joachim Körber, seines Zeichens Verleger, Übersetzer und Herausgeber beschreibt seine Faszination und Sicht auf den Autoren Robert E. Howard und dessen phantastische Geschichten im Vorwort. Der historische Hintergrund den Robert E. Howard aufleben lässt, ist solide recherchiert und wird packend geschildert. Mit Cormac Fitzgeoffrey liegt eine von Robert E. Howards frühen Figuren komplett und auf Deutsch vor. Howards Fitzgeoffrey ist ein furchtloser, körperlich gut gebauter Krieger, der weder Tod noch Teufel noch Feind fürchtet. Eine Gelegenheit, den Autor kennenzulernen, falls man von seinem Barbaren Conan, Kull, Cormac McArt und anderen noch nichts gehört oder gelesen hat. Robert E. Howard war einer jener produktiven Schriftsteller, die Geschichten, Charaktere und Ideen scheinbar nach Belieben aus dem Ärmel schütteln konnten. In nur 10 Jahren verfasste er etwa 300 Kurzgeschichten, zwei Romane und unzählige Gedichte mit zahlreichen Charakteren in einer Vielzahl von Genres, darunter heroische Fantasy, Western, Horror, Historisches und Humor. Zweifelsohne ist Conan der Barbar die berühmteste seiner Kreationen, aber die Bandbreite seiner Protagonisten reicht von Sailor Steve Costigan (einem knallharten Matrosen aus den 1930er Jahren) bis zur dunklen Agnes de Chestillon (einer rothaarigen französischen Schwertkämpferin aus dem 16. Jahrhundert) und umfasst so bekannte Helden wie Soloman Kane, El Borak, De Montour, Kull den Eroberer und Bran Mak Morn, den letzten König der Pikten. Eine Figur, die normalerweise nicht unter Howards "Top-Kreationen" zu finden ist, ist der halb-normannische, halb-gälische Ritter namens Cormac Fitzgeoffrey, aber genau wie seine berühmteren Geschwister ist auch Cormac ein weiterer schwertschwingender Held, der knallhart ist.
Cormac Fitzgeoffrey lebt im Irland des zwölften Jahrhunderts, genauer kurz vor der Jahrhundertwend in den Jahren 1194 und 1195. Das Land ist von internen machtkämpfen geschüttelt, denen Cormac gerne entflieht. Ihn zieht es nach Outremer, in die Kreuzfahrerstaaten. Der hünenhafte aber zugleich jugendliche Krieger schliesst sich Richard Löwenherz auf dessen drittem Kreuzzug ins Heilige Land an. Das Heilige Land unterscheidet sich aber fast nicht von zuhause. Es ist ein umkämpftes Reich, in dem, wie auch zuhause, die unterschiedlichsten Interessens-gruppen um die Vorherrschaft kämpfen. Cormac Fitzgeoffrey kehrt in eine Taverne ein, in der er öfters zu Gast war. Die Gäste, die ihn kannten, hielten ihn für tot, gefallen in einem der unseligen Kreuzzüge an der Seite von Richard Löwenherz. Er spricht über seine letzten Jahre, lässt dabei erkennen, dass er keine gute Meinung über den König von England hat, und versucht das Schicksal von ein paar Kameraden zu ergründen. In Die Falken von Outremer gibt Howard dem Leser eine Reihe von Geschichten an die Hand, die im Heiligen Land zur Zeit des dritten Kreuzzuges spielen. Cormac Fitzgeoffrey aus Irland hat die Armeen von Richard I., König von England, mit dem Spitznamen "Coeur de Lion" oder "Richard Löwenherz" nach Palästina begleitet, um die verhassten Ungläubigen von Saladin zu besiegen und Jerusalem für das katholische Europa zurückzuerobern. Doch während Cormac nominell unter dem Banner von König Richard reitet, ist er ein Mann, der niemanden als seinen König anerkennt, niemandem Treue schuldet und seinem eigenen persönlichen Ehrgefühl folgt - vor allem gegenüber seinen Freunden. Und - wie die meisten Howard-Figuren - ist er ein Mann der Stärke - sowohl körperlich als auch geistig - und einer, der einen tiefen Glauben an persönliche Gerechtigkeit oder Rache für jede Kränkung hat. Ausserdem fühlt sich Cormac wie ein Aussenseiter in der zivilisierten Welt, der in sich selbst eine überlegene Rasse von Naturmenschen sieht; eine, deren inhärente Überlegenheit sich in seiner Fähigkeit zeigt, diejenigen zu töten, die an Geist und körperlicher Kraft schwächer sind als er selbst.
Die Falken von Outremer Cormac trifft auf den korrupten Fürsten Konrad von Gonler. Dieser Mann ist nicht nur Geldgierig, sondern hat auch den Wunsch alles Schöne zu besitzen. So wie das Mädchen Yulala. Cormac kann diese Ungerechtigkeit nicht gelten lassen und befreit Yulala aus ihrer Gefangenschaft und rettet sie zudem vor dem sicheren Tod.
Das Blut Belsazars Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Edelstein, der seiner blutroten Färbung wegen als das Blut von Belsazars genannt wird. Auf der verfluchten Burg Eski-Hissar ist eine Bande von Halsabschneidern und Schlagetots auf der Suche nach diesem geheimnisvollen Edelstein.
Das Blut Belsazars ist eine kurze Geschichte, in der viel passiert - eigentlich zu viel, um den Überblick zu behalten. Das liegt weniger an der Handlung als vielmehr an der Menge der Charaktere und ihren langen, mehrsilbigen Namen. Das Problem dabei ist, dass dem Leser zu Beginn der Geschichte mehrere Charaktere nacheinander vorgestellt werden, gefolgt von Beschreibungen jedes einzelnen, einschliesslich einer Hintergrundgeschichte. Das ist schwer zu verkraften, vor allem, wenn eine Figur an einer Stelle mit ihrem Namen, in der nächsten Minute mit ihrer Nationalität und kurz darauf mit ihrem Beruf angesprochen wird. Nur die Hauptfigur - Cormac Fitzgeoffrey - und ein paar andere sind einprägsam. Ich habe den grössten Respekt und die grösste Bewunderung für Robert E. Howard, aber in diesem Fall habe ich das Gefühl, dass er sich zu viel vorgenommen hat.
Die Sklavenprinzessin Cormac Fitzgeoffrey fällt eine Sklavin auf. Er sieht die Ähnlichkeit von ihr und einer verschwundenen Prinzessin, um etwas Geld zu verdienen. Die verblüffende Ähnlichkeit der Sklavin will er ausnutzen, um eine Belohnung zu kassieren. Die Personen, mit denen Cormac zu tun hat, sind alles andere als edel oder gar froh, die Prinzessin wiederzusehen.
Mit Cormac Fitzgeoffrey schuf Howard eine von zahlreichen historischen Figuren, die seinen Fantasy-Helden in nichts nachsteht. Die Geschichten bestechen vor allem durch die einzigartige Atmosphäre, die Robert E. Howard in seinen Erzählungen einfängt. Die Beschreibungen von Land und Leuten, der geschicht-lichen Epoche mit den unterschiedlichen Hintergründen sind sachlich und genau. Historische Persönlichkeiten wie Richard Löwenherz oder Saladin werden eingeführt, nur wenig in den Vordergrund gerückt, sind aber in der Charakter-zeichnung interessant gestaltet. Zusammengefasst ist der Band eine einfache, kurzweilige Lektüre.
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355