Atahash
Fantasy-Kritik beim Sternenwanderer
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Rezension: Atahash - Kampf gegen Spinnen und Rechtschreibung
2020-07-27
Reisen fällt in diesen Tagen wegen Corona schwer. Wer sich zumindest geistig in fremde Gefilde begeben will, hat dazu in zahlreichen Büchern Gelegenheit. Atahash gehört dabei zu jenen Exemplaren, die gleichzeitig eine spannende Geschichte vermitteln sollen. Was dabei gelingt und was weniger, lest ihr jetzt.
Atahash
Autor: Andreas Michels
Umfang: 549 Seiten im Taschenbuch-Format
Preis: 14,99 Euro gedruckt, als eBook 5,99
Schachtelsätze und Skizzen
Ein Konquistadoren-Helm und ein Schwert liegen im Urwald. Auf dem Helm krabbelt eine große Vogelspinne herum. Damit nimmt das Cover schon mehrere Themen des Buchs auf. Dennoch wirkt es auch ein wenig nichtssagend. Im Innenteil finden sich nur wenige, skizzenhafte Bilder. Während Objekte dabei noch gut getroffen sind, sind Menschen weniger treffend dargestellt.
Die Kapitel tragen Allerweltsnamen wie "Verraten und verkauft". Damit geben sie zwar schon einen guten Vorab-Eindruck vom Geschehen, sprechen mich aber weniger an. Die Kapitellängen sind in Ordnung, sie lassen sich schnell auch im Bus oder der U-Bahn lesen. Das gilt weniger für die Fließtexte. Nicht bei jedem Beteiligten wird bei wörtlichen Rede eine neue Zeile begonnen. Das führt dazu, dass ich manches Mal überlas, wenn eine neue Person sich in einem Gespräch äußerte. Das kurze Glossar enthält ein paar Fremdwörter, die im Buch Anwendung finden. Inhaltsverzeichnis oder Lesebändchen fehlen.
Der Aufbau vertreibt 2 Sterne und lässt 3 übrig.
Ein Minenfeld aus Fehlern
Die größte Schwachstelle des Buchs ist die Rechtschreibung. Immer wieder stoße ich auf leicht vermeidbare Fehler. Dazu gehören Wörter, die in Einzahl stehen, obwohl sie im Satz in der Mehrzahl sein müssten. Ebenfalls verbesserungswürdig ist mancher Schachtelsatz, wo der Abschluss einer Satzhälfte erst nach dem Nebensatz erfolgt. Manche Formulierung wirkt zudem etwas weitschweifig oder ungelenkt. Ein Textbeispiel aus dem Mittelteil (spoilerfrei):
"Kaum erblickte der Indio ihn, da hielt er auch schon direkt auf den Hidalgo zu, anstatt wie sonst, zuerst Padre Miguel Bericht zu erstatten. Das üblicherweise so regungslose Gesicht des Indios befand sich in sichtlicher Unruhe, was für Alejandro ein deutliches Warnsignal darstellte."
Zwar wird der Text dadurch nicht unlesbar, die Fehler unterminieren aber den ansonsten soliden Gesamteindruck und schwächen den Lesefluss.
Nach vielen Fehlern können sich nur 2 Sterne retten.
Für Geld und Glauben
Der Plot spielt im 16. Jahrhundert. Spanien hat seine ersten Erfolge in Lateinamerika erzielt, und Pizarro will gegen die Inka ziehen. Zu den Konquistadoren, die ihn begleiten, gehört auch Alejandro Queseda. Der Niederadelige hofft, durch den Feldzug zu einem beträchtlichen Vermögen zu kommen. Gleichzeitig sollen die Indios zum Christentum bekehrt werden. Ein Sturm treibt seine Truppen jedoch vom Kurs ab, sodass er ungeplant in einer deutschen Siedlung in der Neuen Welt notlanden muss. Da der dortige Gouverneur für seine Hilfe ein Gegenkommen haben will, entschließt er sich, statt gegen die Inka gegen eine Stadt im Dschungel zu ziehen.
Der Autor nutzt dabei historische Fakten, die er geschickt mit fiktionalen Elementen vermischt. So gab es tatsächlich deutsche Kolonien in der neuen Welt durch das Handelshaus der Welser. Es handelt sich aber nicht um einen historischen Roman.
Die Handlung entwickelt sich dabei zwar langsam, aber für meinen Geschmack angemessen. Sie besteht aus drei Teilen. Zunächst landen die Konquistadoren in der neuen Welt und müssen sich entscheiden, wie sie weiter vorgehen. Darauf folgen der Marsch auf die Stadt im Dschungel, die Schlacht gegen die Bewohner und der beschwerliche Rückmarsch. Dabei kommen auch zunehmend übernatürliche Elemente ins Spiel. Zurück in der Kolonie wartet dann noch eine böse Überraschung auf die Eroberer. Erst im Finale kommt wieder der Feind auf dem Mittelteil dazu.
Die Handlung ist einer der Gründe, warum ich das Buch trotz der vielen Fehler zu Ende gelesen habe. Es gibt mehrere, überraschende Wendungen, die aber nie aufgesetzt wirken, und Spannung kommt auch auf.
Für die Handlung interessieren sich 4 Sterne.
Aufgeklärte Eroberer
Michels schafft es, dass seine Figuren größtenteils glaubwürdig wirken. Alejandro etwa ist zwar auf Eroberungen aus, aber kein Unmensch. Er selbst und seine Mitstreiter sind vor allem von der Aussicht auf Reichtümer getrieben. An seiner Seite steht unter anderen Cisco, ein alter Haudegen und Realist, der bereits Erfahrungen in der neuen Welt gesammelt hat. Padre Miguel hingegen sieht die Bekehrung der Heiden und Ausrottung ihrer Religion an erster Stelle. Aus dem Gegensatz zur weltlichen Motivation der Konquistadoren entsteht ein guter Teil der Spannung. Einzig der deutsche Gouverneur als raffgieriger Befehlshaber fällt etwas eindimensional aus.
Hier und da wirken Alejandro und Cisco vielleicht etwas zu aufgeklärt und zeitkritisch. Dafür vermeidet Michels es, die Eingeborenen als schlichte Wilde darzustellen. Etwas mehr Zeit auf ihr Denken und Handeln zu werfen hätte dem Buch aber gut getan.
Die Darsteller sorgen für Spannung und ergattern 4 Sterne.
Fazit
Der Eindruck fällt gemischt aus. Auf der einen Seite haben sich viele Rechtschreibfehler und umständliche Formulierungen ins Buch geschlichen. Auf der anderen Seite schafften es Plot und Figuren, mein Interesse am Roman aufrecht zu erhalten. Wer über die Fehler hinwegsehen kann, dürfte daher Spaß mit dem Werk haben. Und sich vielleicht über ein späteres Wiedersehen mit Alejandro freuen - dann aber mit weniger Fehlern.
13 von 20 Sternen bleiben am Ende übrig.
Eine Rezension von: Dennis 'Sternenwanderer' Rüter https://fantasykritik.wordpress.com/