Almuric
Dies ist eine Rezension aus Der phantastische Bücherbriefdem monatlich von 1980 bis 2021 erschienenen Newsletter vom Club für phantastische Literatur von Erik Schreiber. |
Die vorliegende Geschichte wurde zu Lebzeiten von Robert E. Howard (1906 - 1936) nicht veröffentlicht. Sie ist eine seiner längeren Erzählungen und enthält alles, wofür Robert E. Howard bekannt wurde. Spannung, Abenteuer, zahllose Kämpfe, eben einsame Helden gegen eine ach so böse Gesellschaft, wo es gilt, Monster (menschliche und andere) zu bekämpfen und holde Weiblein zu retten. So geht es auch dem Helden Esau Cairn, der durchaus Ähnlichkeiten mit Conan, Kull und anderen Howard-Charakteren hat, der mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Mit seinen körperlich überragenden Kräften und seinem überschäumenden Temperament ist er scheinbar falsch auf unserem Planeten. Der Wissenschaftler Professor Hildebrand sorgt mit einer nicht näher beschriebenen Maschine dafür, dass sich Esau Cairn auf dem Planeten Almuric wiederfindet. Damit ähnelt er den John Carter Romanen von Edgar Rice Burroughs und wird später von John Norman mit seinen Kregen Romanen in ähnlicher Weise aufgegriffen. Die Erzählung beginnt erst richtig, als Esau auf dem primitiven Planeten Almuric ankommt. Dabei kann er nichts mitnehmen und steht dort nackt in der Wildnis rum. Dort versucht er, sich tagelang gegen die Wildnis zu behaupten. Dies setzt sich fort, als er auf die ersten Eingeborenen trifft und sich wie in weiteren Begegnungen erst einmal durch schiere Körperkraft beweisen muss. Damit tritt hier die Umkehrung dessen statt, was er auf der Erde nicht durfte. Reine körperliche Gewalt, um seine Ziele durchzusetzen. Er trifft auf die Guras und fühlt sich in der islamisch orientierten Gesellschaft wohlzufühlen. Neben den männlichen Bewohnern, die alle einer Kriegerkaste angehören, sind es ihre Frauen, die Esau auffallen. Allerdings ist die Rolle der Frau eine dienende, in allen Bereichen. Altha, Tochter eines einflussreichen Guras, die fast den irdischen Schönheitsidealen auf der Erde entspricht, wird von den geflügelten Yagas, kannibalisierenden Wesen entführt. Esau verliebt sich in die junge Frau, die einen Selbstmordversuch hinter sich hatte, weil sie die Rolle der Frau in dieser Gesellschaft nicht akzeptiert. Die Yagas terrorisieren das Land von ihrer Bergfestung aus. Carin dringt in die Festung ein, um die Frau zu befreien, was ihm auch gelingt. Wobei ich das Gefühl hatte, diese Szene in einem anderen Zusammenhang bereits gelesen zu haben. Was ich durchaus für möglich halte, weil Howard ab und zu bei sich selbst abschrieb. Robert E. Howard beschreibt Esau so, wie er in der Bibel vorkommt, lässt die Zivilisation und Moral hinter sich und nimmt das Barbarische an und trägt es wie eine besser passende Haut. Esau und Altha sind Figuren, mit denen man sich durchaus gleich setzen kann. Sie sind beide wie Aussenseiter angelegt. Der Mann von der Erde und die nicht erfolgreiche Frau, die mehr Rechte für die Frauen fordert, ohne als Suffragette zu wirken.
Robert E. Howards Almuric wurde erst drei Jahre nach seinem Selbstmord veröffentlicht. Es gab im Wilhelm Heyne Verlag eine gekürzte Übersetzung. Joachim Körber übersetzte die Geschichte erneut, ohne eine Kürzung vorzunehmen. Damit bildet Almuric gleichzeitig den Auftakt der neuen Reihe Pulp Fiction. Ein gelungener Auftakt einer Reihe von Abenteuerromanen in denen sich mehr wiederfindet als nur eine Erinnerung. Robert E. Howard spezialisierte sich auf gewalttätige, düstere Heldengeschichten mit einem Hauch von Horror, und obwohl Esau Cairn nicht so bekannt ist wie einige seiner anderen fiktiven Helden (Conan, Solomon Kane, Kull, etc.), gehört dieser kurze Roman über Cairns epische Abenteuer auf der fantastischen Welt Almuric zu Howards besten Werken. Was Almuric so gut macht, ist seine intensive Umsetzung, die die verkrampften Muskeln des Helden, seine blutenden Wunden, sein Schmerz, seine Entschlossenheit, weiterzukämpfen, die klirrenden Schwerter, seine stoische Entschlossenheit, seine geliebte Altha und die anderen Frauen aus einer uneinnehmbaren Festung zu retten. Von dem Moment an, in dem Cairn seinen Fuss auf den fremden Planeten setzt, herrschen Action und Abenteuer auf höchstem Niveau, denn unser Protagonist muss um sein Überleben kämpfen - gegen grosse und kleine ausserirdische Raubtiere, fast menschliche Wilde und schliesslich gegen die geflügelten Männer, die als die Yaga bekannt sind und die anderen Rassen von Almuric mit dem Willen des Teufels verfolgen. Schliesslich verliebt sich Cairn sogar in die schöne, aber rastlose Altha, nur um sie von den Klauen der skrupellosen Yaga entführt und an den Hof ihrer teuflisch schönen und grausamen Königin Yasmeena gebracht zu werden. Kann Cairn die zerstrittenen Männer von Almuric gegen ihre gemeinsamen Unterdrücker vereinen, oder wird die Schreckensherrschaft der Yaga für immer bestehen bleiben?
Eine Rezension von: Erik 'vom Bücherbrief' Schreiber https://www.facebook.com/erik.schreiber.355