Aeonenstaub (M02)
Äonenstaub' ist das zweite Abenteuer für Myranor¸ und es präsentiert sich recht stimmungsvoll: ein Leonir auf seinem Blutbüffel¸ so wie er leibt und lebt. Mit Boros & Sziksai hat FanPro auf jeden Fall zwei Zeichner gefunden¸ die das myranische Flair sehr gut einzufangen wissen. Die Illustrationen im Heft selbst sind zwar auch nicht so schlecht¸ kommen aber natürlich an die Dynamik eines Mirko Djurdjevic (vom Myranor Flyer und vom 'Palast der goldenen Tiger') nicht heran.
Doch zum Abenteuer selbst: ein sehr¸ sehr kleines Schriftbild fällt auf¸ das verspricht viel Lesestoff. Und in der Tat ist Äonenstaub etwas komplexer als der 'Palast der goldenen Tiger'¸ doch nicht minder phantastisch. Myranor ist anders (als Aventurien)¸ das wird zu Beginn gleich klar. Die Eröffnungsszene spielt in Krysirenis¸ einem Stadtteil der Megapole Balan Cantara¸ und hier werden die Spieler gleich Zeugen von einer derartigen Häufung phantastischer Szenarien¸ so daß sie sich unter Umständen wirklich in eine der skurillen Welten von Rodney Matthews oder Louis Royo hinein versetz fühlen werden. Aber man spielt ja schließlich Myranor auch wegen dieser Exotik.
Und weiter geht es mit einer phantastischen Begegnung zur nächsten - lediglich kleine detektivische Nachforschungen in der Stadt bringen die Helden wieder auf den Boden zurück. Erst ab dem Mittelteil wird es wieder etwas 'alltäglicher'¸ wenn es nun um die Forschungen in der Steppe und im Gebirge geht. Aber auch hier warten ein geheimnisvoller Leonirstamm und mysteriöse Höhlen mit uralten Geheimnissen auf die Helden.
Das Abenteuer bietet auf jeden Fall eine Menge Stoff. Nicht nur der kleine Schriftsatz¸ auch die zahlreichen Möglichkeiten von Nebenhandlungen¸ von weiterführenden Spuren¸ können die Helden lange¸ lange Beschäftigen. Dies erfordert natürlich einen versierten Spielleiter. Statt der Stufenangabe findet sich ja ab jetzt lediglich die Bezeichnung 'Einsteiger' oder 'Fortgeschrittene' auf dem rechten oberen Eck des Covers¸ bei Äonenstaub ist die Bezeichnung 'Einsteiger' bestenfalls für die Spieler als solches zu verstehen.
Trotzdem ist die eigentliche Handlung eher geradlinig¸ wenn der Spielleiter die Truppe auf dem geraden Weg halten kann¸ sollte nicht viel schief gehen. Es ist auf jeden Fall ein Ausflug in das weite Umland von Mayenis¸ und die Spieler werden manch Seltsames zu Gesicht bekommen. Insgesamt hinterläßt das Abenteuer einen positiven Eindruck.
Auch der Spielleiter bekommt etwas Neues geboten: als neue spielbare Rasse werden die 'Raveseran' angeboten. Es sind dies die betörend schönen Zwitterwesen¸ die anscheinend in der Myranor-Box keinen Platz mehr fanden (die Illustration ist ja auf der Seite 50 in WnM vorhanden). Und es wird ein wenig der Schleier gehoben über die Vinshina¸ das geheimnisvolle Händlervolk der Luftsegler.
Äonenstaub bietet damit ein solides Abenteuer für viele Spielabende. Indem ja Myranor-Publikationen noch recht rar sind¸ kann auch der Äonenstaub für Myranor-Spielleiter empfohlen werden. Es finden sich genügend Anregungen zu weiterführenden Abenteuern¸ ja für eine ganze Kampagne unter Umständen. Auch wenn der Palast der goldenen Tiger für Einsteiger auf jeden Fall besser ist¸ sollte der erfahrene Spielleiter nicht vor dem Kauf des Äonenstaubs zurück schrecken.
Eine Rezension von: Halle der Helden http://www.halle-der-helden.at
