Zeitspirale 1
Story
Um sein Land während der phyrexianischen Invasion zu schützen¸ war der Weltenwanderer Teferi gezwungen¸ seine Heimat zu destabilisieren. Doch sein Werk hinterließ schwerwiegende Folgen für ganz Dominaria. Die beiden verschobenen Kontinente Zhalfir und Shiv drohen nun¸ nach Dominaria zurückgeschoben zu werden und ganze Landmassen unter sich zu begraben. Und auch die allerorts entstandenen Zeitrisse scheinen auf Teferis Schutzmaßnahme zurückzuführen¸ so dass sich der große Magier alsbald zum Handeln gezwungen sieht.
Gemeinsam mit seiner Verbündeten Jhoira bricht er auf¸ um die Geheimnisse hinter den Zeitrissen zu ergründen¸ doch schon im Wolkenwald stößt er auf ersten Widerstand. Freyalise¸ eine konkurrierende Weltenwanderin¸ will sich seinen Plänen nicht anschließen und verwehrt ihre Hilfe. Lediglich mit größtem Geschickt gelingt es Teferi¸ sie für ihre Zwecke zu gewinnen¸ ebenso wie die keldonische Kriegerin Radha¸ die einen Pakt mit Teferi schließt und mehr oder weniger unfreiwillig seiner Reise folgt.
Mit einer Handvoll Gefährten nähert sich Teferi schließlich den merkwürdigen Phänomenen und bereitet sich auch schon auf die Rückkehr Shivs vor. Doch seine unwissenden Begleiter¸ die der Weltenwanderer nur bedingt über seine Pläne informiert hat¸ sind nicht bereit¸ ihrem Anführer ständig blind zu folgen. Die Erkundung Dominarias und die Vertreibung der finsteren Mächte werden für das Gespann immer dramatischer¸ denn letztendlich handelt es sich bei fast allen Verbündeten um sturköpfige Einzelgänger. Wird es Teferi nichtsdestotrotz gelingen¸ Dominaria vor der bevorstehenden Zerstörung durch die Zeitrisse und ihre Begründer zu beschützen?
Meine Meinung
Beinahe zeitgleich zur neuen Edition des "Magic: The Gathering"-Sammelkartenspiels erscheint nun auch der erste Teil des neuen Roman-Zyklus und begleitet damit die Ereignisse¸ die auch im Spiel thematisiert werden. Allerhand bekannte Gestalten tauchen wieder auf¸ was alleine deswegen schon nicht verwunderlich ist¸ weil die Handlung nach längerer Abstinenz wieder in Dominaria spielt. Man trifft auf den alten Haudegen Teferi und seine stetige Begleiterin Jhoira¸ bekommt es einmal mehr mit der sturen Freyalise zu tun¸ erfährt einiges über die Vergangenheit des Handlungsschauplatzes (unter anderem in einer kurzweiligen Zeitreise zur Mitte des Buches) und wird schlussendlich mit den Folgen der phyrexianischen Invasion konfrontiert.
Scott McGough¸ der ja im "Magic"-Kosmos längst kein Unbekannter mehr ist¸ bettet die neue Geschichte auch sofort in ein wirklich tolles Setting ein und beginnt die Story mit Teferis Ersuchen nach neuen Gefährten auch sehr vielversprechend. In Windeseile findet man Zugang zum Ausgangsszenario und den darin auftauchenden Helden¸ so dass bereits nach wenigen Seiten der Grundstein für einen spannenden Fantasy-Roman gelegt ist. Alles gut so weit?
Tja¸ leider verliert sich der Autor nach dem fulminanten Auftakt ganz schnell in einer allzu belanglosen Erzählung¸ die es irgendwie kaum vermag¸ überhaupt Akzente oder Highlights zu setzen¸ die als prägendes Element in den Gedanken haften bleiben. Teferis Reise ist während der gesamten Geschichte ein stetiger Fluss mit netten Erfahrungsberichten und einigen weniger interessanten Begegnungen¸ bei dem man aber nie den Eindruck bekommt¸ seine Erzählgeschwindigkeit könnte irgendwann mal plötzlich auf ein wünschenswertes Maß ansteigen. Selbst scheinbar unspektakuläre Ereignisse wie Teferis Auseinandersetzung mit Freyalise werden daher schon schnell zum Höhepunkt¸ während auf den ersten Blick Entscheidendes wie die zahlreichen Kämpfe mit den Gathanern¸ einem Drachen und später gegen die Orks und Goblins eher pflichtbewusst als ambitioniert wirken.
Selbiges gilt auch für die Darstellung von Teferis Kontrapart¸ der wilden Radha¸ die sich immerzu als Rebellin gibt¸ fast schon penetrant nervig gegen den Strom zu schwimmen versucht und dabei die Handlung ebenso wenig weiterbringt wie ihr ungeliebter Kollege¸ der Weltenwanderer.
Und so wartet der Leser schließlich¸ dass sich die Dinge irgendwie ergeben¸ ohne dass man überhaupt dazu angeregt wird¸ Erwartungen zu hegen oder allgemein mitzufiebern. Teferi wird's schon richten¸ und wenn er schon in Bedrängnis gerät¸ dann gibt es dort immer noch die aus dem Hintergrund agierende Jhoira¸ die unbändige Radha oder einen ihrer anderen Verbündeten¸ welche die Kohlen aus dem Feuer holen werden. Das hört sich nun mit Sicherheit ziemlich platt und oberflächlich an¸ beschreibt aber ziemlich genau die Beziehung¸ die der Leser im Laufe des Romans zu den beteiligten Charakteren entwickelt.
Dass am Ende doch noch das Tempo angezogen wird¸ kauft man dem Autor dann auch nicht mehr ab. Zu widersprüchlich scheint die Entwicklung der Story¸ zu aufgesetzt das gute¸ aber unglaubwürdige Finale. Das Erwecken einzelner Nostalgiegefühle¸ weil man wieder auf bekannte Schauplätze und Figuren zurückgegriffen hat¸ ist somit der wohl einzig prägende Eindruck¸ den der ersten Band der "Zeitspirale" hinterlassen hat. Und ob die Fortsetzung dieses vernichtende Urteil über den neuen Zyklus noch einmal wird geradebiegen können¸ darf man auch schon mal anzweifeln. Wenn nämlich so viel gute Ideen und das zweifellos hohe Potenzial einer Geschichte so leichtfertig verschenkt und zugunsten einer flachen¸ kaum spannenden Handlung geopfert werden¸ dann ist die Hoffnung¸ dass die Buchreihe auch nur annähernd mit dem brillanten Trading-Card-Äquivalent mithalten kann¸ äußerst gering. Wirklich schade!
Eine Rezension von: Björn Backes http://www.buchwurm.info/
