Kleine Ängste
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Key20 brachte dieses Spiel in Amerika unter dem Titel 'Little Fears' heraus¸ für den deutschen Markt wurde es von Feder und Schwert aufbereitet. Eins muss man vorweg sofort sagen¸ es ist vom Setting her mehr als originell.
Die Akteure in diesem Spiel sind ganz normale Kinder¸ die sich Dingen stellen müssen¸ die für Kinder durchaus real sind. In diesem Spiel sind sie es auf alle Fälle.
Die in Fleisch gegossenen Ängste der Kinder haben einen Platz wo sie zu hause sind. Im Land unter dem Bett existieren sie.
Der Herr aller diese Wesen ist der Demagoge¸ er hasst Kinder so sehr¸ das er ihre Unschuld zu zerstören sucht. Dabei helfen ihm¸ die Gestalt gewordenen Todsünden als seine Könige und Untergebenen¸ die wiederum ein ganzes Gefolge mit sich bringen.
Der Schwarze Mann¸ die Zahnfee¸ der Werwolf ¸ Geister und Zombies¸ menschenfressende Hexen und alles was sich die Phantasie an Schreckensgestalten einfallen lassen kann.
Die Könige selber sind unangenehmen Märchengestalten nachempfunden.
Die Kinder stehen den Gefahren allein gegenüber¸ denn wir Erwachsene sehen und bemerken sie nicht¸ oder wir halten sie für Ausgeburten der Phantasie.
Die Regeln beschränken sich auf ein absolutes Minimum¸ gewürfelt wird nur in Ausnahmefällen. Kleine Ängste ist ein Erzählspiel¸ wie es sein soll.
Die Kinder müssen sich diesen Ängsten stellen und sie besiegen¸ sonst werden sie selber im Land unter dem Bett vernichtet. Allgegenwärtig ist das Thema Gewalt gegen Kinder ob in körperlicher oder seelischer Form. Erwachsene die so etwas tun stehen unter dem Einfluss eines der Könige¸ denn neben den Kreaturen der Domänen¸ werden auch Erwachsene zu ihren Dienern¸ indem sie sich eben einer der Sünden hingeben.
Dabei wird nicht bagatellisiert oder eine verspielte Darstellung geboten¸ sondern knallharte Fakten aufgezählt und dargestellt¸ was so etwas mit Kindern anstellt.
Beispielcharakter:
Maximilian¸ von allen einfach nur Max genannt.
Er ist ein 8 Jahre alter Junge mit kurzem¸ schwarzen¸ meistens ungekämmten Haar¸ der meistens ein lächeln auf den Lippen und seinen Teddy bei sich hat. Er ist Waise¸ seitdem seine Eltern¸ als er 1¸5 Jahre alt war¸ auf ungeklärte Weise verschwunden sind. Seitdem lebt er nun in einem kirchlichen Londoner Waisenhaus. Es gibt auch nur wenige¸ denen er wirklich vertraut¸ und mit denen er sich¸ trotz seiner Schüchternheit recht häufig unterhält und auch spielt. Die eine wäre Schwester Melany¸ die sich seit dem er ins Waisenhaus kam um ihn kümmert und die er schon fast wie eine Mutter ansieht. Dann wären da noch Benny¸ Richy und Sally¸ die mit ihm zusammen auf einem Zimmer wohnen und mit ihm eigentlich fast immer zusammen sind. Und dann wäre da noch Teddy¸ sein wahrscheinlich bester Freund und auch der jenige¸ der ihm immer die Kraft gibt¸ auch die schrecklichsten Alpträume zu überstehen. Leider scheint es so¸ als hätten die Kreaturen unterm Bett schon ein Auge auf ihn geworfen¸ denn in letzter Zeit geschehen immer mehr seltsame Dinge in der Nacht um ihn herum und es gab auch schon einige Fälle¸ wo er nur mit Unterstützung von Teddy die Monster wieder zurückdrängen konnte. Glücklicher Weise ging bisher alles gut
(von www.kleine-aengste.de)
Für mich persönlich ist das Setting einfach zu beklemmend¸ was auch daran liegen mag¸ das ich selber 2 Kinder habe und dadurch den Ängsten der Kindheit wieder näher bin¸ als jemand ohne Kinder. Ich hab das Buch so in der Zeit von 23 Uhr bis 2 Uhr angesehen und mir lief wirklich das ein oder andere Mal ein Schauer über den Rücken. Mir einem Liebhaber von möglichst harten Horrorfilmen. Das will wirklich etwas heißen.
Wer kleine Ängste spielen will¸ sollte sich das genau überlegen und überprüfen ob er schnell genug die Grenze zwischen Realität und Spiel ziehen kann¸ denn die Ängste der Kindheit könnten wirklich geweckt werden. Mit Sicherheit ist 'Kleine Ängste' ausschließlich für erwachsene Spieler mit gehöriger RPG Erfahrung und gefestigtem Charakter geeignet.
Die Gestaltung ist sehr überzeugend. Der Hardcoverband ist mit zahlreichen Bildern illustriert¸ die den Ängsten mehr Gesicht geben können¸ als es eine reine Beschreibung vermag. Oft sind Seiten so gestaltet¸ wie in einem Kinderbuch¸ auch der Charakterbogen erinnert an ein Poesiealbum und erfasst solche Fragen¸ wie:
'was ich mag'
'was ich einmal werden möchte'
Fazit:
Vergiss Hunter! Schlicht und ergreifend das gruseligste Rollenspiel.
Superunheimlich¸ düster originell. Nichts für schwache Nerven¸ aber wer sich der Dunkelheit wirklich stellen möchte wird hier auf seine Kosten kommen.
