Hunter Book: Visionary
Propheten oder WahnsinnigeSo sicher wie das Amen in der Kirche oder der Regen bei der Grillparty¸ so erscheinen auch sie¸ die Charakterbücher für die einzelnen Systeme der World of Darkness.
'Die Monster mögen Schlachten gewinnen¸ aber wir werden den Krieg gewinnen.'
Visionäre: Die Denker¸ Propheten und Anführer der Beseelten. Jäger kämpfen Nacht für Nacht gegen die Übernatürlichen¸ aber wohin führt das?
Visionäre achten auf die Zukunft¸ hoffen die Beseelten in eine bessere Welt zu führen - vielleicht eine¸ die nur sie sehen können. Was macht diese Jäger so überzeugt von ihrer Berufung? And können sie ihre Visionen real werden lassen?
vom Backcover von Hunter Book: Visionary
Die Vampire haben ihre Clan Books¸ die Werwölfe ihre Tribe Books¸ die Magi ihre Tradition Books und die Hunter ... nun¸ die haben Hunter Books.
Ich persönlich hätte zwar einigen anderen Termini den Vorzug gegeben¸ etwa Creed Book¸ aber White Wolf haben sich nun mal so entschieden und eigentlich ist es ja auch egal¸ wie die Bücher nun heißen¸ Hauptsache der Inhalt stimmt.
Schön verpackt ist er jedenfalls. Das vorliegende Buch¸ von den Abmaßen her ein typisches Wasauchimmer Book¸ fällt alleine schon aufgrund eines stilistisch sehr eigenen¸ aber doch ansprechenden Covers¸ wie immer von den huntertypischen Flammen umrahmt¸ ins Auge des Betrachters.
Der Stil der Zeichnung ist sehr comichaft¸ minimalistisch und weiß doch irgendwie zu gefallen¸ wenn das Motiv auch etwas ... eigenartig geraten ist. Es zeigt eine vermummte Gestalt¸ in der ich Witness1 zu erkennen glaube¸ die auf einer Gondel durch Venedig oder etwas ähnliches fährt¸ eine Sense als XY benutzt und jeden freien Platz der Gondel mit Computern gefüllt hat. Doch¸ das Bild gefällt mir¸ aber ich kann auch gut verstehen¸ wenn der Stil einigen missfällt.
Der Stil der Innengestaltung ist ebenfalls typisch für Produkt der Reihe¸ dennoch gelungen. Das Buch besteht (ebenfalls typisch) wieder aus vielen In-Time-Postings fiktiver Hunter¸ die auch alle eigene Schrifttypen bekommen haben und sich so optisch schon gut abheben¸ aber auch gut lesbar bleiben. Die Illustrationen schwanken qualitativ aber sehr¸ die Kapitelbilder sind recht klasse¸ die normalen Illus im Fließtext hingegen teilweise ziemliche Verbrechen. Das ging also auch schon mal besser¸ auf der anderen Seite kann man hier nach bestem Wissen und Gewissen von Standart sprechen...
Das trifft auch¸ wer hätte es anders erwartet¸ auf den Inhalt zu.
Das Buch dreht sich diesmal eben um die Visionäre unter den Jägern¸ jene¸ die eben die Zukunft planen und teilweise auch voraussehen können. Die Aufteilung des Buches ist dabei dann auch sehr vertraut:
Nach einem In-Time-Ausschnitt aus dem Hunter-Net folgt eine kurze Vorgeschichte¸ darauf einige In-Time-Diskussionen über die Herkunft¸ den Sinn und Zweck sowie das Sein der Hunter¸ dann noch einige Regeln und als Abschluss einige Beispielcharaktere sowie einige namhafte Hunter.
Und wie das alles gelungen ist?
Nun¸ sowohl der Auszug aus dem Hunter-Net wie auch die Vorgeschichte sind recht gut gelungen. Beide erzählen ein Wenig zum Metaplot¸ einige Infos rund um den Hintergrund an sich und schlagen zugleich noch eine Brücke zu 'Hunter: Apocrypha'¸ dem 'Book of Nod'-Äquivalent von Hunter.
Gerade die Geschichte macht aber schon Lust auf mehr und wer hier Witness1 höchstpersönlich über die Schulter schaut¸ der wird auch schnell einige deutliche Parallelen zur TV-Serie 'Millennium' entdecken - egal wie¸ man bekommt Lust auf mehr.
Diese Lust kann sich dann zunächst einmal in dem Intime-Teil entladen¸ denn der ist ziemlich gut gelungen. Gerade Fragen¸ die den Metaplot betreffen¸ Fragen¸ die versuchen ein großes Ganzes hinter allem zu entdecken¸ werden angerissen¸ allerdings nie wirklich beantwortet.
Den einen oder anderen mag das nerven¸ denn zugegebenermaßen¸ viel wirklich Neues lernt man hier nicht¸ aber man erhält allerlei schöne Denkanstöße und das Lesen macht¸ das ganz nebenbei gesagt¸ auch ziemlich Freude.
Sicherlich das Glanzstück des Buches...
Dieser Teil reicht bis einschließlich Kapitel 4¸ Kapitel 5 macht schon mit dem Namen klar¸ dass es nun handfester wird¸ denn ab hier gibt es 'New Rules'.
Hier wird alles am Regelkorsett so ausgeweitet¸ dass Visionaries da auch gut reinpassen¸ es werden neue Archetypen¸ weitere konkrete Erläuterungen zum visionären Part der Charaktere sowie einige neue Edges vorgestellt¸ deren Qualität jedoch sehr schwankt.
So mögen einige der neuen Edges (vor allem die Zwei-Punkte-Kraft 'Summon'¸ mit der man andere Hunter herbeirufen kann) durchaus nützlich sein und eigentlich auch bitter nötig¸ doch gerade Aspekte wie die neuen Archetypen (Ratgeber und Analyst) scheinen eher ins Buch gelangt zu sein¸ um es voll zu bekommen...
Die Beispielcharaktere (Aspiring Celebrity¸ City Politician¸ Inner-City-Priest und Morgue Attendant) sind ganz OK¸ aber auch nicht wirklich umwerfend und es war eigentlich keiner dabei¸ wo ich nun spontan dachte: 'Hey¸ das willst du mal spielen!'
Die prominenten Visionäre¸ die noch vorgestellt werden¸ haben diesen Namen auch wirklich verdient und sind ihrerseits wieder sehr interessant. Da wäre etwa Fyodor¸ welcher der Kopf hinter dem oben schon erwähnten 'Apocrypha' ist¸ oder gar Witness1¸ der Begründer des Hunter-Net - also wirklich mal richtige Celebrities.
So bleibt am Ende natürlich wieder nur die eine Frage bestehen: ist das 'Hunter Book: Visionary' ein Buch¸ bei dem man zuschlagen sollte?
Nun¸ man kann zumindest mit Sicherheit sagen¸ dass man genau das bekommt¸ was der Titel verspricht: ein Buch über Visionäre.
Und wer nun ein solches Buch über Visionäre lesen will¸ sei es¸ weil er einen spielt¸ als Erzähler einen in seiner Chronik hat (ob nun SC oder NSC) oder weil er einfach mehr über die Jungs wissen will¸ der kann mit dem vorliegenden Werk ein gar nicht mal schlechtes Buch zum Thema erwerben.
Wen das Thema hingegen völlig kalt lässt¸ nun¸ der braucht auch ganz sicher nicht dieses Buch in seinem Regal...
Eine Rezension von: Thomas Michalski http://www.thomas-michalski.de/
