Wüstenplanet 4: Gottkaiser des Wüstenplanet
Fantasy-Kritik beim Sternenwanderer
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Rezension: Der Gottkaiser des Wüstenplaneten - Da steckt der Wurm drin
2021-02-25
In meiner Reihe über die Dune-Bücher komme ich heute auf den vierten Original-Band zu sprechen. Kann der Gottkaiser die Fehler von Buch zwei und drei ausbügeln und wieder zu den Stärken des ersten Buchs zurückkehren?
Der Gottkaiser des Wüstenplaneten
Autor: Frank Herbert
Seiten: 608 (Taschenbuch-Format)
Preis: neu ab 9,99 Euro
Ein Wurmloch von einem Palast
Ein Palast in der Wüste vor einem grünen Mond ziert das Cover. Andere Bilder finden sich wieder nicht im Buch. Glossar, Inhaltsverzeichnis oder ähnliche Dinge fehlen. Dafür sind die Texte wieder gut geschrieben/übersetzt und eingeteilt. In einer 20-minütigen S-Bahn-Fahrt lassen sich viele Kapitel lesen. Auch nach ein paar Stunden Pause konnte ich zudem im selben Kapitel gut weiterlesen, ohne mich zu fragen, worum es nochmal ging. Rechtschreibfehler sind nur vereinzelt zu finden, dafür etwas mehr Grammatik-Fehler. Die fallen bei der Seitenzahl aber kaum ins Gewicht.
Trotz des Fehlens gewisser Übersichten bleiben 3 Gläubige am Ball.
Ein Wurm, sie zu knechten
Etwa dreieinhalb Jahrtausende sind seit Die Kinder des Wüstenplaneten vergangen. Leto II. herrscht als weltlicher und geistlicher Despot über die Menschheit. Er ist inzwischen zu einem Wesen mutiert, dass äußerlich nur noch wenig menschliches an sich hat. Genauer zu einem Sandwurm, an dem nur noch das Gesicht und die Hände geblieben sind. Die Erinnerungen und Persönlichkeiten seiner Vorfahren, die in ihm erwacht sind, hält er genauso unter Kontrolle wie das bekannte Universum.
Er beherrscht nicht nur das knapp gewordene Spice, sondern auch die Religion. Seinen Frieden sichert er durch seine hellseherischen Kräfte, mit denen er die Gegenwart auf weit entfernten Welten und die Zukunft wahrnehmen kann, und die Fischredner. Dieser Orden von Frauen dient dem Gottkaiser als Armee.
Die Bene Gesserit, Tleilaxu und Ixianer existieren weiterhin. Während Erstere versuchen, sich mit Leto zu arrangieren, weil sie seine Rache - und eine Reduzierung ihrer Spice-Rationen - fürchten, wollen die anderen Leto vernichten. Die Gestaltwandler gehen dabei recht rücksichtslos und meist offensiv zu Werke. Die Ixianer haben dagegen einen Plan ausgeheckt: Ihre neue Botschafterin soll Leto an sich binden.
Gleichzeitig kehrt Duncan Idaho, einst Held der Atreides, zurück. Als Ghola - eine Art Klon - wird er immer wieder von den Tleilaxu neu erweckt, wenn Leto einen neuen Befehlshaber für seine Palastgarde braucht. Ein weiterer Diener Letos ist Moneo, sein Verwaltungschef. Moneos Tochter wiederum will Leto vernichten, da sie für die Freiheit der Menschen kämpft. Dabei ist sie eine Nachfahrin von Letos Schwester Ghamina, die schon vor Jahrtausenden ums Leben kam.
Typisch für Herbert entwickelt sich die Geschichte langsam. Dafür gibt es diesmal deutlich mehr Handlung als im Vorgänger. Auch Kampfszenen sind dabei, da einige Menschen Letos Herrschaft und erzwungenem Frieden mit Gewalt begegnen. Über Philosophie wird dennoch viel geredet. Mich hat das nicht gestört, da ich Letos Überlegungen für spannend halte. Gewisse Abstriche bleiben aber erhalten. So ist der Drahtzieher hinter dem drohenden Unheil kaum präsent, während Baron Harkonnen im ersten Buch noch wichtige Stellen bekam.
Den Lektionen ihres Gottkaisers lauschen 4 Bürger, einer wendet sich ab.
Die mit dem Wurm tanzen
Im Mittelpunkt der Handlung steht Leto II. Trotz seiner fortgeschrittenen Mutation und Immunität gegen viele Schadensquellen ist er nicht unverwundbar. Zudem sieht er sich als Lehrer und gibt immer wieder kleine Lektionen an sein Umfeld. Innerlich ist er etwas abgestumpft, da er große Teile der Zukunft lange kennt, bevor sie passieren, und schon viele Begleiter kommen und gehen sah. Seine Vielschichtigkeit und dezente Einsamkeit - es gibt kein anderes Wesen seiner Art im Universum - bringt Herbert gut rüber.
Siona wurde zwar im Sinne der Fischredner ausgebildet, glaub aber nicht an Letos Göttlichkeit. Sie sucht Informationen, um den "Tyrannen" zu stürzen. Was genau dazu führte, dass sie sich den Rebellen zuwandte, steht nicht im Buch. Leto braucht sie für sein Zuchtprogramm und eine finale Tat, die das Universum bis ins Mark erschüttern wird.
Zurück von den Toten kehrt Duncan Idaho. Immer wieder wird er als Ghola mit den Erinnerungen seines ersten Lebens neu erweckt und befehligt die kaiserliche Leibgarde. Dabei nutzt sein Dienstherr ihn auch als Teil seines langjährigen Zuchtprogramms. Die Duncans neigen dazu, mit ihrer Art die Konfrontation mit ihrem Herrn zu suchen, und sterben oft jung. Auch dem aktuellen Duncan, der als Augenzeuge aus einer anderen Zeit das Geschehen beobachtet, droht dieses Schicksal.
Moneo ist die rechte Hand des Kaisers und Vater von Siona. Er war einst ebenfalls ein Rebell, der heute aber treu seinem Herrn dient. Hwi dagegen ist die neue Botschafterin von Ix, die mit ihrer Offenherzigkeit und Mitgefühl so etwas wie das absolut Gute verkörpert. Sie soll mehr als das intellektuelle Interesse von Leto gewinnen. Da Leto aber nicht der einzige Mensch im kaiserlichen Palast ist, der Zuneigung braucht, wirft sie ein Auge auf ein anderes Mitglied des Hofstaates. Das wiederum bringt zumindest ihren Liebhaber in Gefahr.
Aus dieser Figurenriege speist sich ein Großteil der Spannung. Dazu gehört die Beziehung zwischen Duncan und Hwi oder Sionas Entwicklung. Leto ist dabei ebenso faszinierend wie schwer zu greifen - was für ein Wesen mit mehreren tausend Jahren Alter und seinen Kräften nicht verwundert. Hier und da wäre etwas mehr Zeit für eine der Nebenfiguren aber nicht schlecht gewesen.
Dem Zusammenspiel der Figuren lauschen 4 Pilger.
Wurmheimat ohne Würmer
Arrakis ist endgültig zu einem grünen Planeten mit Wäldern, Flüssen und Ozeanen geworden. Aber nur wenige Standorte dort spielen im Roman eine Rolle. Vor allem die letzte Wüste, die Sareer, und Letos Palast bilden die Schauplätze der Handlung. Die Sandwürmer sind inzwischen ausgestorben und das Spice aus alter Zeit wird von Leto an die verschiedenen Gruppierungen im Universum verteilt. Auch die Festivalstadt Onn kommt vor. Immerhin findet dort alle zehn Jahre ein wichtiges Ritual statt.
Wenig wird über andere Welten gesagt. Technik zur Fortbewegung wird kaum noch eingesetzt. Die Leute gehen zu Fuß oder nutzen von Zugtieren gezogene Wagen. Neben den Raumschiffen der Raumfahrergilde scheinen nur noch die Fischredner mit Ornithopter über höher entwickelte Fortbewegungsmittel zu verfügen. Leto hingegen bedient sich heimlich auch Geräten wie Gedanken aufschreibenden Druckern, obwohl die eigentlich offiziell nach wie vor verboten sind.
Die Fischredner sind eine neue Organisation. Sie dienen Leto als Armee und setzen seinen Willen ohne Fragen zu stellen um. Nur Frauen dürfen ihren Reihen beitreten, da Männer für Leto zu gewalttätig sind. Außerdem dient ihm der Sex seiner Frauen ebenfalls zur Aufrechterhaltung der Macht. Zumindest den jungen Rängen wird auch gleichgeschlechtlicher Sex gestattet, den Moneo gegenüber Duncan verteidigt.
Religion spielt zwar noch eine Rolle, aber besondere Rituale scheinen bis auf das Siaynoq nicht mehr zu existieren. Dabei treffen ausgewählte Fischredner mit Leto zusammen, um alte Mitglieder zu verabschieden und neue zu begrüßen. Außerdem festigt es das Band zu ihrem Herrn.
Die großen Adelshäuser haben ihre Bedeutung verloren, viele sind sogar untergegangen. Die Bene Gesserit wiederum mussten ihr Zuchtprogramm in Letos Hände übergeben. Das die genetische Abstammung wieder so eine große Rolle einnimmt, könnte leicht missverstanden werden. Aber auch, wenn es nicht offen ausgesprochen wird, ist die Ausbildung im Dune-Universum genauso wichtig wie die Abstammung.
Insgesamt gibt es nicht viel neues über das große Universum zu lernen. Angesichts der vielen Möglichkeiten finde ich das schade.
Der begrenzte Schauplatz lässt 3 Zuhörer übrig.
Fazit
Der vierte Roman der Reihe ist auf jeden Fall besser als Buch zwei und drei. An den ersten Teil kommt er aber nicht heran. Dafür wird zwischendurch wieder zu viel über den Goldenen Weg geredet, ohne das dessen Ziel endlich mal erklärt wird. Nur vage ist vom Überleben der Menschheit die Rede. Zudem hat der Schurke der Handlung kaum Auftritte. Trotzdem hatte ich auch beim Lesen dieses Werks wieder das Bedürfnis, weiterlesen zu wollen. Das ist auch dem konsequenten Worldbuilding geschuldet, dass keinerlei Brüche erkennen lässt.
Am Ende haben sich 14 von ursprünglich 20 Pilger zum Abschlussgebet versammelt.
Eine Rezension von: Dennis 'Sternenwanderer' Rüter https://fantasykritik.wordpress.com/