Wüstenplanet 3: Kinder des Wüstenplaneten
Fantasy-Kritik beim Sternenwanderer
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Rezension: Die Kinder des Wüstenplaneten - Mehr als Mystik auf Dune?
2021-01-19
Nach dem starken ersten Buch Der Wüstenplanet und schwachen zweiten Buch geht die Dune-Reihe weiter. Gibt es diesmal etwas mehr Handlung als im Vorgänger?
Die Kinder des Wüstenplaneten
Autor: Frank Herbert
Seitenzahl: 650 in meiner Ausgabe
Preis: ab 9,95 Euro, neue Ausgabe 14,99 als eBook etwas günstiger
Optik
Auf dem Titel ist diesmal eine Festung oder Anlage zu sehen, die wie in den Fels gebaut wirkt. Wenn das ein Sietch - eine traditionelle Behausung auf dem Wüstenplaneten - sein soll, ist mir die Bauweise zu offensichtlich und zu sehr außerhalb des Gesteins. Eventuell handelt es sich um die neuen Häuser, die im Freien errichtet werden. Im Innenteil des Buchs fehlen Bilder wieder komplett.
Die karge Optik schlägt 3 Sandwürmer in die Flucht und lässt nur 2 zurück.
Handlung
Einige Jahre nach Paul Atreides Verschwinden sind seine Kinder herangereift. Sie haben seit ihrer Geburt das Wissen unzähliger ihrer Vorfahren in sich, müssen aber erst lernen, damit umzugehen. Denn jede der verstorbenen Persönlichkeiten würde sich freuen, wenn sie den Körper eines der Zwillinge übernehmen und so nochmal leben könnte.
Zugleich muss sich ihre Tante Alia mit ihrer Mutter auseinandersetzen. Lady Jessica war viele Jahre auf Caladan und kehrt jetzt zurück, um zu sehen, ob ihre Tochter und ihre Enkel besessen sind. Zugleich wollen die Corrinos wieder an die Macht und planen daher einen Anschlag. Außerdem setzt sich die Umwälzung auf Arrakis fort. Immer größere Teile der Wüste werden grün - was zugleich den Sandwürmern schadet, die als Quelle für das Spice unersetzlich sind.
Diese an sich spannende Ausgangslage verliert sich etwa ab der Hälfte des Romans etwas. Wieder erwähnt Herbert viele wichtige Details oder Handlungen nur am Rande, wie die Kämpfe zwischen Alias Männern und einigen Stämmen der Fremen. Zudem rückt die Mystik ab diesem Punkt ins Zentrum. Dadurch geht einiges an Spannung verloren und wird durch schwer greifbare Aussprüche ersetzt.
Im letzten Viertel gibt es dann wieder mehr Handlung, als einer der Handelnden versucht, die Terraformierung von Arrakis hinauszuzögern. Dabei helfen ihm besondere Kräfte, die er durch eine Art Symbiose erhält. Das ändert aber nichts an der stark schwankenden Spannungskurve.
Nur 3 von 5 Sandwürmer verfolgen die Handlung bis zum Schluss.
Charaktere
Die wichtigsten Protagonisten stellen Pauls Zwillinge dar. Beide sind zu Beginn der Handlung etwas über neun Jahre alt. Neben der Gabe der Hellseherei verfügen sie über das Wissen und die Persönlichkeiten ihrer Vorfahren. Doch darin liegt auch ein großes Risiko, da sie erst lernen müssen, sich gegen eine Besessenheit durch die längst toten Persönlichkeiten zu schützen. Beide sind entschlossene Personen mit einem Plan, zugleich aber noch jung und somit verletzlich. Dabei entfällt auf den Jungen der wichtigere Storypart. Seine Schwester ist oft eher eine Getriebene.
Ihre Tante Alia regiert derweil das Imperium. Opposition unterdrückt sie mit zunehmender Gewalt. Zugleich leidet sie unter den Persönlichkeiten und Erinnerungen ihrer Vorfahren, die sie zu erdrücken scheinen. Ihre Mutter wiederum ist wieder stärker den Bene Gesserit verbunden, die sie mit Paul Atreides Geburt einst brüskierte. Der Konflikt zwischen ihr und ihrer Tochter eskaliert zwischenzeitlich. Das Jessica nach einem Anschlag aber erst vor Ort - und somit in der Gefahrenzone - bleibt, wirkt auf mich unglaubwürdig.
Auf der Gegenseite steht ein junger Corrino-Prinz, dem die Intrigen seiner Mutter gegen Pauls Familie nicht gefallen. Seine Mutter spielt in den späteren Kapiteln keine Rolle mehr. Vorher wird sie als eiskalte Intrigantin gezeigt, die für ihre Ziele auch über Leichen geht. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Prophet, von dem die Leute munkeln, er sei der zurückgekehrte Paul. Trotz ähnlicher Gaben scheint aber eine Kapuze und die befehlende Stimme auszureichen, um den sicher berühmtesten Menschen seiner Zeit vor einer frühen Enttarnung zu schützen.
Dafür, dass die Handlung sich mindestens über Monate, wenn nicht gar Jahre erstreckt, entwickeln sich die Figuren insgesamt eher wenig weiter. Alia und ihr Neffe sind hier größere Ausnahmen und tragen wesentlich zur Handlung bei. Leider wird der Junge später schwer greifbar mit seinen mehrdeutigen Aussprüchen. Für mich funktioniert das Figurenkabinett ansonsten nicht so gut wie in den früheren Büchern.
Wieder verbleiben nur 3 Sandwürmer.
Arrakis im Wandel
Der Großteil der Handlung findet auf Arrakis statt. Dort drängt die Terraformierung die Wüste weiter zurück. Die alten Fremen erfüllt die Umformung zunehmend mit Trauer, da sich auch ihre Lebensweise ändert. Ebenfalls betroffen sind die Sandwürmer, die auf Wasser sehr empfindlich reagieren. Viel neues wird über den Wüstenplaneten aber nicht vermittelt.
Kleinere Teile der Handlung sind zudem auf Salusa Secundus angesiedelt. Dort hat Haus Corrino nach seiner Niederlage sein Exil gefunden. Leider gibt es nicht viel, was über den Planeten vermittelt wird. Er ist zu großen Teilen offenbar auch wüst, ohne große Annehmlichkeiten, um die harte Ausbildung der Sardaukar-Truppen nicht zu verwässern. Damit wird das Bild des Planeten nicht klar.
Da es nicht viel neues aus den Weltbeschreibungen gibt, betrachten nur 2 Sandwürmer die Landschaft.
Fazit
Ist der 3. Roman des Dune-Zyklus ein schlechtes Buch? Zumindest hat das Werk einige Längen im vorletzten Viertel, wo sich Herbert in mystischen Aussprüchen verliert. Zudem werden die Weltbeschreibungen - immerhin ein wichtiger Teil der Bücher - kaum fortgesetzt. Somit bleiben viele Chancen ungenutzt auf der Strecke. Von Sand im Getriebe will ich nicht schreiben. Dennoch sollten Leser sich darauf einstellen, hier ein schwächeres Buch als zumindest Band 1 der Saga in den Händen zu halten.
Nur 10 von 20 Sandwürmer haben die Lektüre bis zum Schluss durchgehalten.
Eine Rezension von: Dennis 'Sternenwanderer' Rüter https://fantasykritik.wordpress.com/