Erben des Zorns (A115) (4e)
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Niklas Reinke¸ Mitautor der Almada-Spielhilfe¸ legt nun einen Abenteuerband vor¸ der in dieser Gegend spielt. Ein besonderes Anliegen dieses Abenteuers sollte sicher sein¸ das besondere Flair dieser Landschaft Meister und Spielern etwas näher zu bringen. Und dabei ist Niklas Reinke meiner Meinung nach etwas über dieses Ziel hinausgeschossen. Sicher macht es den Spielern Spass¸ dass ihre Helden einfach nur Spass in Aventurien haben. Aber eine für das eigentliche Abenteuer völlig nutzlose Toreroquesta (Stiere jagen Menschen durch die Gassen eines Dorfes) auf 2 Seiten zu präsentieren¸ ist übertrieben. Und das ist nicht das einzige Mal¸ dass almadanisches Flair anschaulich geschildert wird. Darunter leidet die Geschichte. Denn erfahrungsgemäss setzen Helden meist alles daran¸ einen angenommenen Auftrag nach bestem Wissen und Gewissen zu erledigen. Und da bremst so etwas eher den Ehrgeiz¸ als dass es auflockernd wirkt¸ wie es sicher gedacht ist. Daher betrachte ich diesen Band als zweigeteilt¸ wobei sich die beiden Seiten jedoch immer wieder mischen.
Zunächst ist es eine grossartige Regionalbeschreibung. Es gelingt dem Autor sehr gut¸ die almadanischen Besonderheiten einzufangen. Die Beschreibungen von Land und Leuten sind stimmungsvoll und plastisch geschildert und es ist ihnen anzumerken¸ dass der Autor ein glühender Verehrer des maurischen Spanien ist. Mit viel Liebe zum Detail werden die Helden an das Thema Reconquista herangeführt und sollten sich auch dafür begeistern¸ sonst wird's nämlich etwas schwer für den Meister im späteren Verlauf des Abenteuers. Ebenso vielgestaltig sind die Freizeitaktivitäten in Almada dargstellt. Schlangenjagd¸ Pelura spielen und die oben bereits erwähnte Toreroquesta. Alles können die Helden miterleben und so teilhaben am Leben in Almada.
Darüber hinaus wird die Stimmung jeder Szene an deren Anfang in wenigen Worten geschildert und dazu jeweils Hinweise zur musikalischen Untermalung gegeben. Caryads Zeichnungen illustrieren den Text wie gewohnt gut¸ so dass es hierzu nicht viel zu sagen gibt.
Neben weiteren 'Zugaben' wie einem einseitigen Glossar almadanischer Begriffe¸ Ratschlägen zum Austatten des 'Spielzimmers' sowie Roman- und Musikhinweisen gibt es natürlich auch Karten der wichtigsten Handlungsorte (Punin¸ Brig-Lo¸ Amhallah¸ usw.). Warum die Stadt Punin allerdings als A5 Format und das Dorf Brig-Lo als A4-Karte daher kommt¸ ist mir jedoch unverständlich. Andersherum wäre es besser gewesen.
Filtert man aus all den guten Beschreibungen das eigentliche Abenteuer heraus¸ erwartet den Meister ein Haufen Arbeit. Die Literaturhinweise (neben diversen Boxen¸ natürlich die Spielhilfe zu Almada und nicht weniger als 18 Aventurische Boten) am Anfang des Abenteuers sollte man ernst nehmen. Es wird so häufig auf diese im Text verwiesen¸ dass ohne deren Zuhilfenahme dieses Abenteuer wohl nur halb so gut geleitet werden kann. Auch wenn sich die Hilfen zumeist wieder auf das Flair und den Rahmen erstrecken als auf das eigentliche Abenteuer. Und das hat es durchaus in sich. In diesem Gruppenabenteuer geht es um etwas Grosses. So gross - dass es den Helden nicht gelingen wird¸ alles aufzuklären. Es bleiben für Spieler aber auch Meister so viele Fragen offen¸ dass es förmlich nach einer Fortsetzung riecht.
Was ein oberflächlicher Streit zwischen Novadis und Mittelreich zu sein scheint¸ weitet sich sehr bald zu einem Ereignis grösserer Tragweite aus. Es steht mal wieder nichts geringeres als das Schicksal Aventuriens auf dem Spiel. Und wie sollte es anders sein¸ spielen die Erben des Zorns dabei die Hauptrolle. Was es mit diesen nun genau auf sich hat¸ müssen die Helden versuchen herauszufinden. Und das wird nicht leicht. Was hat dieser geheime Orden oder ein noch weitaus geheimerer Kult damit zu tun? Da die Helden so manche harte Nuss zu knacken haben¸ werden ihnen aber auch beste Beziehungen zugespielt. Sie dürfen sich als Berater der Königin und kaiserlichen Kronprinzessin des Mittelreiches beweisen. Damit sind der Ehren aber noch nicht genug. Ein Frühstück mit der Witwe des Kaisers? Kein Problem¸ lässt sich arrangieren. Das beste aber kommt zum Schluss. Gemeinsame Sache mit einem Drachen (auch wenns ein junger ist) machen? Ja das muss sogar sein¸ sonst gehts nicht weiter. Dabei steht der Meister manchmal ziemlich allein da und kommt schnell in Erklärungsnot. Wobei ich hier ein dickes Lob an den Autor geben möchte. Diesen meisterlichen Problemen und Fragen stellt er sich nämlich im Diskussionsforum.
Egal wie die Helden dieses Abenteuer überstehen¸ die weiteren Auswirkungen auf Aventurien werden gigantisch sein. Und der Schluss lässt viel Platz für Spekulationen übrig¸ wie es denn wohl weitergeht.
Fazit
Nur erfahrene Meister sollten sich mit erfahrenen Spielern¸ die erfahrene Helden spielen an dieses Abenteuer heranwagen. Dann werden sicher alle ihren Spass in Almada haben. Alles andere wäre reine Zeitverschwendung; denn niemand hat wohl Lust auf überforderte Spielleiter¸ frustierte Spieler und tote Helden. Weniger Flair¸ dafür ein besser ausgearbeiteter Handlungsverlauf wären notwendig gewesen. Die Geschehnisse sind zu umwälzend¸ um sie nebenbei in eine Landschaftsbeschreibung einzubetten.
